Nach wochenlanger Corona-Pause: Schulstart für die Erstklässler

Nach wochenlanger Corona-Pause gehen die Erstklässler wieder in die Schule. Vieles ist anders. In der Grundschule an der Kirchenstraße schaut zum Start die große Politik vorbei.
von  Hüseyin Ince
Fast Routine: An der Kirchenstraße drücken die Erstklässler seit Montag zwei Mal pro Woche je vier Stunden die Schulbank.
Fast Routine: An der Kirchenstraße drücken die Erstklässler seit Montag zwei Mal pro Woche je vier Stunden die Schulbank. © Peter Kneffel/dpa

München - Es ist ein sonniger und ungewöhnlicher Montag für elf der 68 Erstklässler an der Grundschule Kirchenstraße. Der Morgen nach der großen Corona-Pause zu Hause beginnt nämlich in der Turnhalle – und nicht im Klassenzimmer. Journalisten dürfen bei diesem sensiblen Neustart zunächst nicht dabei sein.

Erster Schultag nach wochenlanger Corona-Pause

Schulleiter Stefan Trescher beschreibt später die ersten Minuten: Während die Grundschüler in Gummireifen sitzen, die den richtigen Abstand gewährleisten, merkt man offenbar, dass sie ein wenig fremdeln, ähnlich wie am allerersten Schultag. Schließlich hatten sie sich vor der Zwangspause gerade erst an die Schule gewöhnt. Sie kommen langsam mit ihrer Lehrerin und Trescher ins Gespräch. "Es fielen Sätze wie: ‘Gut, dass die Schule wieder losgeht. Mein älterer Bruder hat mich schon ganz schön genervt’ oder ‘wir haben zwei Zimmer aus der Küche gemacht’", so Trescher. Die beengte Homeoffice-Situation vieler Familien lässt grüßen.

Alle sollen sich regelmäßig die Hände waschen, erklärt die Lehrerin. "Im Gang müsst ihr euch immer rechts halten", gibt sie ihnen mit. In vielen anderen Schulen üblich, konnten keine "Einbahn-Gänge" eingerichtet werden. Dafür sind die Verhältnisse hier zu eng. Im Gänsemarsch läuft die Klasse nun über den Pausenhof Richtung Klassenzimmer. Alle sind bemüht um den richtigen Abstand. Im Klassenzimmer dürfen die Sechs- und Siebenjährigen nur alleine an ihren Tischen sitzen, immer auf der gleichen Seite, ohne Tischnachbarn. Denn die sollen am Nachmittag ihren ersten Schultag seit dem Corona-Lockdown antreten dürfen, auf der anderen Seite des Tisches. Das Hygienekonzept sieht es so vor.

So lief der Start für die Schulanfänger

Und dann kommen Bayerns Bildungsminister Michael Piazolo (Freie Wähler) und sogar der Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ins Klassenzimmer, um mit den Erstklässlern zu plaudern und etwa zehn Minuten nach dem Gong um 8.30 Uhr die erste Stunde nach dem Lockdown einzuläuten.

Fast Routine: An der Kirchenstraße drücken die Erstklässler seit Montag zwei Mal pro Woche je vier Stunden die Schulbank.
Fast Routine: An der Kirchenstraße drücken die Erstklässler seit Montag zwei Mal pro Woche je vier Stunden die Schulbank. © Peter Kneffel/dpa

"Es war wichtig, dass die Erstklässler wieder in die Schule gehen können. Es darf kein verlorenes Schuljahr werden", sagt Piazolo, als er sich im Pausenhof mit Söder den Fragen der Presse stellt. "Gerade die Schulanfänger tun sich unheimlich schwer, zu Hause zu lernen", merkt Piazolo an. Schließlich lernten sie erst, fehlerfrei zu lesen, zu schreiben und zu rechnen. "Das ist natürlich eine größere Hürde, Hausaufgaben zu bekommen und zu erledigen", so Piazolo.

Lehrkräftemangel: Verkürzter Unterricht

Die Fahrpläne der Schule und der Staatsregierung sehen vor, bald die Zweit- und Drittklässler wieder zurück in den Schulunterricht zu holen. Und zwar nach Pfingsten. Die räumlichen Kapazitäten an der Kirchenstraße stoßen wegen der Abstandsregeln an Grenzen. "Wir müssen uns schlaue Belegungspläne ausdenken", sagt Rektor Trescher. Doch vorerst sind eben die Erstklässler dran. An je zwei Tagen die Woche können sie wieder in den Unterricht. Die eine Hälfte wechselt sich mit der anderen ab. Der fünfte Tag wird frei gehalten, um den Zweit- und Drittklässlern Unterrichtsstunden zu reservieren.

An die volle Stundenzahl wie früher ist ohnehin nicht zu denken. Bliebe es bei der Corona-Gefahr, hätte die Schule zu wenig Personal. "Sechs von 24 Lehrkräften gehören zur Risikogruppe und können derzeit nicht unterrichten", so Trescher.

Ob die Staatsregierung bei dem doppelten Unterrichtsaufwand daran denke, mehr Lehrpersonal einzustellen? Minister Piazolo antwortet ausweichend: "Die Situation ist für uns alle neu. Wir können nur auf Sicht fahren und müssen abwarten, wie sich alles entwickelt."

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