Münchner Wohnatlas: Pendler sollten nach Dachau ziehen

Das legen zumindest Daten einer neuen Postbank-Studie nahe. Die vergleicht, wo es sich besonders lohnt, hinzuziehen, wenn man in München arbeitet.
von  AZ
Ob mit dem Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln: Immer mehr Menschen pendeln zur Arbeit. (Archivbild)
Ob mit dem Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln: Immer mehr Menschen pendeln zur Arbeit. (Archivbild) © imago images/Sven Simon

München - Dass Corona die Immobilienpreise weder in der Stadt, noch im Umland gedämpft hat, haben die jüngsten Zahlen von Maklern und Immo-Spezialisten gezeigt. Trotzdem bleibt der Wunsch nach einem Eigenheim im Grünen groß, doch wo lohnt sich das Pendeln überhaupt?

Die Postbank hat das für ihren aktuellen Wohnatlas vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut ausrechnen lassen. Verglichen wurde hierbei der Preis einer durchschnittlichen 70-Quadratmeter-Wohnung in München mit einer gleich großen Wohnung im Umland - zuzüglich der Pendlerkosten mit dem Auto oder Bus und Bahn.

Wer nach München pendelt, sollte nach Dachau ziehen

Heraus kommt dabei: Wer eine Immobilie im Umland erwerben möchte und nach München pendeln muss, sollte nach Ansicht der Hamburger Wirtschaftsforscher nach Dachau ziehen.

Dort gebe es zum einen einen Kaufpreisvorteil, zum anderen sei die S-Bahn-Anbindung schnell und falle auch kostenmäßig nicht so ins Gewicht. Wer in Dachau kauft, profitiere fast 60 Jahre lang von einem Preisvorteil, jubelt die Postbank-Studie - vorausgesetzt, man nutzt die S-Bahn.

Auch Puchheim oder Taufkirchen "lohnen" sich

Weil Autofahren teurer kommt, wäre der Preisvorteil bei der Nutzung eines Pkw schon nach knapp 22 Jahren aufgebraucht.

Ähnlich günstig fällt die Rechnung für die Gemeinden Puchheim und Taufkirchen aus. Wer hier kauft und Bahn fährt, hat so etwa 50 Jahre lang einen Preisvorteil gegenüber Menschen, die in München arbeiten und dort eine Immobilie erwerben wollen (sofern dafür überhaupt das notwendige Kapital aufgebracht werden kann).

In Karlsfeld, Vaterstetten, Fürstenfeldbruck, Germering, Eching, Olching, Freising, Grafing, Poing und Neufahrn, so die Hamburger Studienmacher, profitiere man als Bahnfahrer immerhin noch 30 Jahre lang von einem Preisvorteil.

Homeoffice lohnt sich kaum

Anders schaut es aus, wenn man den Homeoffice-Faktor mit einberechnet. Dann lohnt sich der Umland-Kauf nämlich nur noch in ganz wenigen Gemeinden. Warum das so ist? Das hängt mit der Machart der Studie zusammen. Die Wirtschaftsexperten sind nämlich davon ausgegangen, dass Menschen, die im Umland kaufen und regelmäßig Homeoffice machen, das dann auch in einem separaten Büro tun wollen. Sie brauchen also eine größere Wohnung, um nicht am Küchentisch sitzen zu müssen, wenn sie arbeiten.

Die Studienmacher setzten 20 Quadratmeter mehr und zwei Homeoffice-Tage pro Woche an. Zudem gingen sie davon aus, dass auch die Preise im Umland durch das Homeoffice noch mal angezogen haben und Wohnungen, die günstig, weil zum Beispiel an der S-Bahn gelegen, sind, noch einmal teurer als der Durchschnittspreis in der jeweiligen Gemeinde sind.

Unter diesen Vorzeichen schmolz der Preisvorteil dahin. Am größten war es mit 24 Jahren Bahn-Pendel-Vorteil in Taufkirchen. Dahinter folgte Geltendorf mit 17 Jahren und Kaufering mit 14 Jahren. Das Fazit der Studienmacher: Richtig rentieren sich Immobilienkauf und Pendeln inzwischen nur noch, wenn man bei den Quadratmetern Abstriche macht - und nicht raus zieht, um deutlich mehr Platz zu haben.