Münchner Rentnerin kann seit zwei Jahren nicht mehr vor die Tür

Die Rentnerin Rosa Glasl kann wegen starker Schmerzen nicht Treppensteigen. Seit zwei Jahren kann sie nicht vor die Tür. Ein Umzug würde helfen, aber der scheitert.
von  Eva von Steinburg
Rosa Glasl lebt seit 30 Jahren in einer Gewofag-Wohnung.
Rosa Glasl lebt seit 30 Jahren in einer Gewofag-Wohnung. © Petra Schramek

München - Rosa Glasl vertreibt sich die Zeit am Computer: Die 66-Jährige hat eine Kochgruppe auf Facebook mit 554 "Freunden": Zuletzt hat sie ein Rezept für Hackbraten mit Mozzarellafüllung eingestellt.

Die Münchnerin macht es sich in ihrer Wohnung im dritten Stock in Untergiesing so angenehm, wie eben möglich. Denn wegen einer Gehbehinderung kommt sie nie raus. Seit fast zwei Jahren ist die Gewofag-Mieterin gefangen in ihrer Wohnung in der Schnellenbergstraße: "Im August werden es zwei Jahre, die ich nicht mehr unten war", sagt die Rentnerin.

Rentnerin kann nicht Treppensteigen

Sie hat starke Schmerzen in den Knien. Vom Hausarzt hat sie ein Attest, ausgestellt am 17. September 2018: Wegen Arthrose in beiden Knien sei für die Patientin "eine Umsetzung in eine Parterrewohnung" oder eine Wohnung nötig, bei der das Haus über einen Lift verfügt. So schreibt es der Arzt.

"Ich kann laufen aber nicht Treppensteigen. Ich komme die 40 Treppenstufen vom dritten Stock leider nicht mehr runter und herauf", beklagt die Rentnerin, die auch an degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule leidet.

Als Köchin im Wienerwald hat Rosa Glasl früher gearbeitet. Mietschulden hat die Münchnerin nie gehabt. Heute bekommt sie Grundsicherung zu ihrer kleinen Erwerbsunfähigkeitsrente. Der Umzugswunsch der Mieterin ist der Gewofag bekannt. Das Attest vom Arzt liegt vor. Im Frühjahr 2018 hat die Gewofag der Mieterin eine Alternativ-Wohnung in ihrer Siedlung angeboten. Aber Glasl wäre der Umzug zu plötzlich gekommen: "Das hätte ich nervlich nicht geschafft, ich brauche zum Ausmisten und Umziehen Hilfe."

Gewofag: Neue Wohnungssuche ist nicht einfach

Außerdem hätte sie in der neuen Wohnung keine richtige Küche gehabt. Dabei ist Kochen Glasls Ein und Alles. Seit ihrer Ablehnung damals wartet und wartet die Rentnerin. "Ich habe gedacht, die Gewofag ruft mich an, wenn erneut eine Parterre-Wohnung frei ist", wundert sie sich. "Aber seither hat sich niemand bei mir gemeldet", berichtet die 66-Jährige.

Die Wohnungsbaugesellschaft mit dem Motto "Wir übernehmen soziale Verantwortung" auf ihrer Homepage, äußert sich: Die Suche laufe, sei aber nicht einfach, da die Mieterin sich eine Wohnung in derselben Siedlung wünscht.

Weil es hier keinen Fahrstuhl gibt, kommt nur eine Erdgeschosswohnung in Frage: "Angesichts der engen Auswahlkriterien kann es leider längere Zeit dauern, bis eine solche Wohnung zur Verfügung steht", erläutert der Pressesprecher der Gewofag, Frank De Gasperi. "Ein Attest verändert in diesem Fall nichts, dadurch wird keine der gewünschten Wohnungen frei." Fast zwei Jahre ist es her, dass Rosa Glasl vor der Tür war. Sie erinnert sich noch genau: "Ich war damals beim Metzger und habe mir eine Leberkässemmel gekauft."

Ihr Traum: Endlich wieder Spazieren gehen

Zweimal pro Woche kommt jetzt eine Haushaltshilfe, die für sie einkauft und putzt. Bis Rosa Glasl das erste Mal wieder selber in den Supermarkt gehen kann, fotografiert sie in ihrer 58 Quadratmeter-Wohnung zum Zeitvertreib ein hübsch arrangiertes Quark-Brot mit Tomate - und stellt die Aufnahme in ihre Facebookgruppe "Kochen, was das Herz begehrt".

Die gelernte Köchin stöhnt: "Ich will nicht länger festhängen in meiner Wohnung. Ich will mich nicht länger quälen bei der Sommerhitze." Ihr Traum: Endlich wieder im Viertel Spazieren gehen.

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