Münchner Mönch fordert: "Öffnet Hotels für Obdachlose"

Frater Emmanuel Rotter von Sankt Bonifaz wünscht sich, dass die Ärmsten der Armen im Winter nicht auf der Straße leben müssen.
von  Nina Job
In diesem Gebäude am Kloster St. Bonifaz werden Obdachlose unterstützt.
In diesem Gebäude am Kloster St. Bonifaz werden Obdachlose unterstützt. © Daniel von Loeper

München - In München gibt es 470 Hotels und Beherberbungsbetriebe mit 88.000 Betten. Seit der Pandemie stehen sie so gut wie alle leer.

Gleichzeitig hat sich die Situation der Ärmsten verschlimmert - und der Winter hat gerade erst begonnen. Der Prior von Sankt Bonifaz, Frater Emmanuel Rotter, fordert: "Es wäre schön, wenn Hotels diese Menschen aufnehmen würden."

Bruder Emmanuel Rotter betreut seit 30 Jahren die Obdachlosenhilfe am Kloster St. Bonifaz. (Archivbild)
Bruder Emmanuel Rotter betreut seit 30 Jahren die Obdachlosenhilfe am Kloster St. Bonifaz. (Archivbild) © Daniel von Loeper

Die Zahl der Anträge auf Wohngeld ist um fast 70 Prozent gestiegen

Der 53-Jährige leitet seit 30 Jahren die von ihm gegründete Obdachlosenhilfe. Der Mönch bittet die Stadt, zu prüfen, ob sie Hotelzimmer für Obdachlose anmieten kann.

 

Die Zahl der Obdachlosen ist in München enorm gestiegen. Bislang ging das Sozialreferat von etwa 550 bis 600 Menschen aus. "Die jüngsten Schätzungen der Praktikerinnen und Praktiker gehen aber eher von 1.000 obdachlosen Personen aus", teilte eine Sprecherin mit.

Auch die Zahl der Münchner, die kaum ihre Miete zahlen können, ist unter anderem wegen Kurzarbeit und Jobverlust stark gestiegen. So hatten im November 2019 noch 743 Münchner einen Antrag auf Wohngeld gestellt, ein Jahr später waren es 1.238.

Stadt hat Hostel und Hotel für Geflüchtete und Wohnungslose angemietet

Ein Grund ist aber auch eine Gesetzesnovelle, die mehr Menschen Zuschüsse ermöglicht. Doch: "Da sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt mit Kurzarbeit nicht entspannt, ist auch weiterhin mit erhöhten Antragszahlen bis auf weiteres zu rechnen", so das Referat.

Frater Emmanuel Rotter wünscht sich, dass möglichst viele Obdachlose - die zu den Risikogruppen gehören - aus der Kälte in ein Hotel umziehen können. Zwar hat die Stadt für Wohnungslose extra ein Hostel mit 160 Betten sowie ein Hotel (200 Betten) angemietet für Geflüchtete und Wohnungslose, die in Quarantäne müssen, doch allen Obdachlosen ein Hotelzimmer anzubieten, ist nicht geplant.