Münchens kleinste Immobilie soll ein Parasit bleiben

Ein bisschen Lust zum zivilen Ungehorsam sollte der neue Eigentümer schon mitbringen. Das "Penthaus a la Parasit" des Konzeptkünstlers Jakob Wirth sucht einen Käufer - zum Preis eines Mittelklassewagens.
von  Johanna Schmeller
Blick über die Altstadt: Das Penthaus a la Parasit stand bisher hinter dem Hofbräuhaus auf einem Parkhausdach.
Blick über die Altstadt: Das Penthaus a la Parasit stand bisher hinter dem Hofbräuhaus auf einem Parkhausdach. © Penthaus a la Parasit

Ein bisschen Lust zum zivilen Ungehorsam sollte der neue Eigentümer schon mitbringen. Das "Penthaus à la Parasit" des Konzeptkünstlers Jakob Wirth sucht einen Käufer - zum Preis eines Mittelklassewagens.

Rund 45.000 Euro soll es kosten, das nicht einmal vier Quadratmeter große Spiegelhäuschen. Dafür wird Folgendes geboten: ein kleiner Gaskocher, Solarstrom, Komposttoilette, Wasser aus dem Kanister und ein uriges Holzhütten-Interieur.

110 Anfragen in zwei Wochen

Seit gerade zwei Wochen steht die Anzeige des Künstlers Jakob Wirth nun online, und sie wirbt mit einem "atemberaubenden Blick über die Dächer der Stadt".

Rund 8.000 Klicks hat sie seither verzeichnet, rund 110 Interessenten haben Kontakt mit dem Verkäufer aufgenommen, und es gab schon zwei Sammelbesichtigungen, bei denen sich zehn potentielle Käufer das Mini-Häuschen ansehen konnten.

"Manche Leute wollen einfach irgendwo schlafen, wenn sie ihre Enkel besuchen", erzählt der Erbauer Jakob Wirth. "Dann kam ein Venture Kapitalist, der nur einmal schauen wollte, ob das eine gute Idee ist - und ein Schriftsteller, der einen Rückzugsort gesucht hat, wenn er seine Ruhe braucht und schreiben will."

Dem Himmel so nah...
Dem Himmel so nah... © Penthaus à la Parasit

Kauf-Auflage: "Parasitäre Nutzung"

Entscheiden konnte sich bisher noch keiner - auch, weil der Kauf mit Auflagen verbunden ist. "Sich das Haus in den Garten stellen, das würde nicht gehen. Der Käufer muss bereit sein, es auf fremdes Eigentum zu stellen", erklärt Wirth. "Wir wollen ungenutzte Räume, Lücken und Nischen im Stadtleben aufspüren. Diesem Konzept muss sich auch der Käufer vertraglich verpflichten - ansonsten wäre es ja nur ein Gartenhaus." Und falls der neue Besitzer diese Bedingungen nicht einhält, ist ein Rückkaufrecht vertraglich verankert.

Wie das Feedback bisher so war? "Die Reaktionen waren von interessiert bis hin zu 'die spinnen'." Einige der Interessenten hätten direkt Ideen entwickelt, was sie mit dem Häuschen anstellen, andere hätten Anmerkungen zur Zugänglichkeit und zur Versorgung gemacht.

Strenggenommen gehört die "Terrasse" nicht zum Angebot. Die Parasitenlogik, das Haus auf fremdem Eigentum abzustellen, muss der neue Eigentümer nämlich mitkaufen.
Strenggenommen gehört die "Terrasse" nicht zum Angebot. Die Parasitenlogik, das Haus auf fremdem Eigentum abzustellen, muss der neue Eigentümer nämlich mitkaufen. © Penthaus à la Parasit

Luxuslage trifft Prekarität

Das Mini-Penthaus, das lange auf dem Dach eines Parkhauses nahe dem Hofbräuhaus hinter den Münchner Kammerspielen stand, ist in einer Kooperation mit dem Theater entstanden. Es sollte konzeptionell den Münchner Immobilienmarkt aufspießen, wo beides aufeinandertrifft: einerseits Luxus - ein verspiegeltes Penthaus in Bestlage mitten in der Stadt - und andererseits extreme Prekarität, nämlich räumliche Enge, eine bescheidene Ausstattung und Einrichtung, und unsichere Miet- oder Besitzverhältnisse.

Die Parkhausbesitzer hätten sich zunächst etwas gewundert, doch dann sei man in einen "kooperativen Austausch" getreten - das Haus durfte bleiben, aber nur für eine Zeit.

Neuer Standort gesucht

Derzeit ist das Haus abgebaut. Digitale Führungen sollen bald auf einer Webseite live geschaltet werden, und etwa in vier Wochen geht es mit den Besichtigungen weiter - sobald ein neuer Standort gefunden ist. Denn ernst gemeint ist die Anzeige durchaus, sagt Wirth: "Mit dem 'Penthaus à la Parasit' erwirbt der Käufer schon ein echtes Zuhause, nicht nur ein Kunstobjekt."

Wie heimelig es auf den dreieinhalb Quadratmetern werden kann, konnte er selbst bereits testen: Als er mitten in der Corona-Zeit aus den USA zurückkam, wurde er von den Behörden 14 Tage in Quarantäne geschickt - die er in seinem Häuschen abwohnte. Ein Freund brachte ihm Essen aufs Dach und füllte den Wasserkanister nach. "Eng war's schon", gibt er zu, "doch der Blick entschädigt."

Mehr Bilder des Parasitenhauses sehen Sie in der Fotogalerie oben.

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