München: Sozialreferat über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche haben mit Folgen wie Depressionen oder Essstörungen zu kämpfen. Besonders betroffen sind diejenigen, die aus sozial benachteiligten Familien kommen.
von  AZ
Vor allem Kinder und Jugendliche trifft die Corona-Pandemie hart. (Symbolbild)
Vor allem Kinder und Jugendliche trifft die Corona-Pandemie hart. (Symbolbild) © IMAGO / Westend61

München - Die Corona-Pandemie dauert nun seit fast zwei Jahren an - und bringt viele an ihre Grenzen. Vor allem für Kinder und Jugendliche sind die Zeiten besonders herausfordernd. Am Dienstag hat das Sozialreferat dem Stadtrat die Ergebnisse des Hearings zu den Auswirkungen der Pandemie vorgelegt, das bereits im Juni 2021 stattfand. 

Keine geregelte Tagesstruktur ohne Präsenzunterricht

Die Schließung der Schulen sei besonders gravierend gewesen, teilte das Sozialreferat mit. "Mit jedem weiteren Lockdown wurde die Situation schwieriger, insbesondere bei engen Wohnungen, fehlenden Rückzugsräumen und fehlender Privatsphäre für die Kinder und Jugendlichen", heißt es in der Mitteilung.

Nicht alle Schülerinnen und Schüler konnten mehr für den Unterricht motiviert werden. Ohne Präsenzunterricht war es für viele schwierig, eine geregelte Tagesstruktur aufrechtzuerhalten. 

Kinder aus sozial benachteiligten Familien in München leiden besonders

"Vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien leiden besonders unter den Pandemiefolgen", wird Bürgermeisterin Verena Dietl zitiert. "In den letzten zwei Jahren wurde leider zu deutlich, wie gravierend sich die soziale Ungleichheit auch im Bildungssystem zeigt. Wir brauchen dringend ein Umdenken und grundlegende Veränderungen im Bildungssystem in den Bereichen Persönlichkeits- und Sozialkompetenzentwicklung, Noten und Prüfungskultur, soziale Selektion und Benachteiligung."

Die Leistungsziele der Lehrpläne müsse der Freistaat Bayern daher schnellstmöglich anpassen, "um den Druck auf Kinder, Jugendliche und Lehrer*innen zu verringern und drohende weitere Folgeschäden zu verringern".

Psychosomatische Störungsbilder nahmen zu

Besonders die dritte Welle hatte dramatische Auswirkungen auf die Kinder und Jugendlichen, die von Defiziten bei der Entwicklung von Mitgefühl, Persönlichkeit und Empathie infolge von stark reduzierten oder fehlenden direkten Kontakten berichteten. 

Durch die Corona-Pandemie nahmen auch Angst- und Essstörungen, Depressionen und psychosomatische Störungsbilder mit Kopf- und Bauchschmerzen als Reaktion auf Angst und Stress deutlich zu. Zudem gibt es mehr Fälle von Adipositas und Übergewicht. 

Kinder und Jugendliche waren gezwungen, zu Hause zu bleiben, was vor allem für Kinder aus ressourcenschwachen Familien weitreichende Folgen hatte.

Sozialreferat in München will Themen in Taskforce bearbeiten

Der Verlust von Begegnungen, Freundschaften und Cliquentreffen und dem Rückzug ins Private, mit geringen Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen, führte oft zu psychischen Problemen wie beispielsweise Depressionen, Essstörungen, starker Gewichtszunahme und sogar Selbstmordversuchen.

Das Sozialreferat wird nun im Rahmen einer internen Taskforce die im Hearing aufgeworfenen Themen gemeinsam mit der Kinde rund Jugendhilfe, dem Referat für Bildung und Sport sowie dem Gesundheitsreferat bearbeiten. Ebenso soll der stadtweite Runden Tisch "Nächtliches Feiern – Raum für Jugendliche und junge Erwachsene" fortgeführt werden.