Modernisierungsumlage - schockierende Fälle aus München

Modernisierungsschock zum Jahresende: Vermieter nutzen alte Modernisierungsumlage aus – hunderte Mieter betroffen. Zwei Mietparteien in München hat es besonders hart getroffen.
von  Nina Job
40 Jahre lang ist an dem Haus in der Brahmsstraße fast nichts gemacht worden. Nach der Modernisierung steigen die Mieten fast ums Doppelte.
40 Jahre lang ist an dem Haus in der Brahmsstraße fast nichts gemacht worden. Nach der Modernisierung steigen die Mieten fast ums Doppelte. © Mieterverein München/Guelland

München - Die niederschmetternde Nachricht kam vier Tage vor Neujahr: Ein Bote warf Veronika (61) und Gerold K. (64) Post von ihrem Vermieter in den Briefkasten: Darin kündigte er Modernisierungsmaßnahmen an dem Haus in der Brahmsstraße an. Fassade und Fenster, Balkone, ein Aufzug – alles soll neu werden. Folge für das Ehepaar K.: Die Kaltmiete ihrer 87 Quadratmeter großen Wohnung in Bogenhausen wird künftig drastisch steigen: Aus derzeit 580,37 Euro Kaltmiete werden in den kommenden Jahren satte 1.107,21 Euro – fast das Doppelte!

Modernisierungsumlage: Vermieter nutzten alte Rechtslage aus

Für die Bogenhauser war es kein guter Start ins neue Jahr – wie für rund 20 Mietparteien in ihrer Nachbarschaft und hunderte Mieter in anderen Stadtteilen. Auch ihre Vermieter nutzten die alte Rechtslage aus und verschickten in der letzten Woche des Jahres 2018 noch schnell Modernisierungsankündigungen. Allein 120 Mitglieder des Mietervereins bekamen zwischen Weihnachten und Silvester entsprechende Post.

Hintergrund ist eine neue Rechtslage: Seit 1. Januar 2019 dürfen Vermieter von den Modernisierungskosten "nur" noch acht Prozent (bislang elf Prozent) auf die Jahresmiete umlegen. Außerdem gilt ab 2019 eine neue Kappungsgrenze: Demnach dürfen die Mieten nach der Modernisierung innerhalb von sechs Jahren um nicht mehr als drei Euro pro Quadratmeter steigen. Bei Wohnungen mit einer Miete von bislang sieben Euro darf der Vermieter nur um maximal zwei Euro anheben.

Mieter hoffen auf Hilfe des Mietervereins

Gerold und Veronika K. waren davon ausgegangen, dass sie auch im Alter in ihrer Wohnung bleiben können. "Wir sind aus allen Wolken gefallen", sagt der 64-Jährige, der bald in Rente geht. Seine Frau arbeitete früher bei der Telekom. "Vor zehn Jahren hätten wir nicht mal im Traum daran gedacht, dass wir uns die Miete in München eines Tages nicht mehr leisten können", sagt sie.

Mit einer Warmmiete von wie angekündigt 1.327,21 Euro bleibt den beiden "fast nichts mehr zum Leben". Außerdem fürchten sie, dass mit einer späteren Anpassung an den Mietpreisspiegel das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist.

Da nutzt es ihnen herzlich wenig, dass nach der Modernisierung ein – gerade mal drei Quadratmeter großer – Balkon zur Wohnung gehören soll. Das Paar hofft auf die Hilfe des Mietervereins. "Sonst werden wir rausziehen müssen aus München", sagt Gerold K.

Wohnen in München wird immer teurer

Fall 2: "Das kann ich mir nicht leisten"

Petra M. (60) wohnt im Hohenzollernkarree. Ihr Vermieter will 645 Euro mehr nach dem Umbau. In der Wohnung, in der die Schwabingerin lebt, hat schon ihre Großmutter gewohnt. Der Mietvertrag für die 49-Quadratmeter große Wohnung in der Clemensstraße stammt noch aus dem Jahr 1940. Vor 27 Jahren hat die heute 60-Jährige den Vertrag übernommen.

"Ich soll 645 Euro mehr Miete bezahlen als bisher. Das ist Wahnsinn – das kann ich mir nicht leisten", sagt die Verkäuferin. Der Vermieter plant eine Wärmedämmung an den Außenwänden, neue Fenster, den Anbau von Balkonen und neue Wohnungstüren. Insgesamt 230 Mietparteien sind von den Modernisierungsmaßnahmen, die kurz vor dem Jahreswechsel mitgeteilt wurden, betroffen. Petra M. und 70 weitere lassen sich vom Mieterverein vertreten.

Erhöhung um 163 Prozent ist legal

Zur Zeit zahlt die Verkäuferin noch rund 500 Euro warm (kalt: 395 Euro). Nach der Modernisierung hat ihr Vermieter, die Max-Emanuel-Immobilien GmbH eine Kaltmiete von 1.040 Euro angekündigt – eine Erhöhung um 163 Prozent! Und das ganz legal. Der Vermieter will das Karree zwischen Herzogstraße, Erich-Kästner-, Clemens- und Fallmerayerstraße in den kommenden fünf Jahren "an eine zeitgemäße Wohnsituation anpassen".

Doch die meisten Arbeiten sind erst 2021 geplant. Ende 2019 soll zunächst nur mit den Fundamenten begonnen werden. Volker Raststätter, Geschäftsführer des Mietervereins hält dieses Vorgehen für unzulässig: "Weil klar wird, dass es dem Vermieter nur darum geht, Kosten nach alter Rechtslage auf die Mieter umzuwälzen." Der Mieterverein will gerichtlich dagegen vorgehen.

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