Mit Händen und Füßen: Frau (38) wehrt Sex-Täter ab

Ali T. (28) werden zwei Sex-Attacken vorgeworfen. Er gesteht die Taten. Der Prozess.  
von  John Schneider
Opfer und Nebenklägerin: Johanna P. neben ihrer Anwältin Rona Narlioglu.
Opfer und Nebenklägerin: Johanna P. neben ihrer Anwältin Rona Narlioglu. © jot

Ali T. (28) werden zwei Sex-Attacken vorgeworfen. Er gesteht die Taten. Der Prozess.

München - Johanna P. (38, Namen geändert) ist eine mutige Frau. Dank ihres Mutes und ihrer Entschlossenheit gelang es der eher schmächtigen Frau, einer Vergewaltigung auf der Straße zu entkommen. Der Mann, der sie missbrauchen wollte, sitzt seit Dienstag auf der Anklagebank des Landgerichts. Es ist nicht die einzige Sex-Tat, die dem 28-jährigen Ali T. vorgeworfen wird.

Es ist vier Tage vor Heiligabend, 6.05 Uhr: Johanna P. ist auf dem Weg zu ihrer Arbeit in Moosach. Plötzlich taucht ein Mann hinter ihr auf, verfolgt sie. Johanna P. ahnt Schlimmes und läuft angsterfüllt über die Straße – trotz der roten Ampel. Doch es nützt ihr nichts. Der Mann ist schneller und bringt sie zu Boden. Sie stürzt auf die Knie, fällt dann auf den Bauch.

Ali T. will die Frau auf den Rücken drehen. Laut Anklage, um sich an ihr zu vergehen. Doch Johanna P. wehrt sich aufs Heftigste, schlägt und tritt um sich, schreit „Hilfe, Hilfe“.
Sie zerkratzt dabei auch das Gesicht ihres Peinigers. Der betrunkene Iraker lässt angesichts der unerwartet starken Gegenwehr schließlich von ihr ab. Johanna P. läuft davon.

Doch Ali T. soll ihr gefolgt sein und als sie sich in ein Haus flüchtet, klingelt der alkoholsierte Mann. Bis die Polizei kommt.

Nach ihrer Zeugenaussage nimmt Johanna P. als Nebenklägerin neben ihrer Anwältin Rona Narlioglu auf der Seite der Staatsanwaltschaft Platz. Sie will den Prozess gegen den Sex-Täter im Detail verfolgen.
Die 38-Jährige ist nicht das einzige Opfer. Im Juni 2010 soll Ali T. versucht haben, eine Frau sexuell zu nötigen. Die Hilfeschreie seines Opfers schlugen ihn aber in jenem Fall bald in die Flucht.

Johanna P. hat ihre Stelle gekündigt. „Ich kann den Weg zur Arbeit nicht mehr gehen.“ Zu stark ist die Erinnerung an den Überfall.

Die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Philipp Stoll machte einen Vorschlag, wie Ali T. ihr Leid wieder gutmachen könne: 5000 Euro müssten dafür den Besitzer wechseln. Das Einverständnis des Angeklagten fehlt noch.

Ali T. gab zwar die Taten zu. Auf Nachfragen beteuerte er aber, dass er sich aufgrund seiner Alkoholisierung nicht mehr an die Tat erinnern kann. Er soll knapp zwei Promille im Blut gehabt haben. „Ich kann mich nur an die Polizei erinnern.“ In einem Brief an Johanna P. hat er sich entschuldigt.

Der Prozess dauert an.