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Lovescamming: Münchnerin verliert 100.000 Euro an Liebesbetrüger

Ein Heiratsschwindler gibt sich als in Syrien stationierter US-Soldat aus. Eine 39-jährige Münchnerin glaubt an die große Liebe und verliert all ihr Geld.
von  AZ
Die Münchnerin tauschte zahlreiche Nachrichten mit dem vermeintlichen Soldaten aus - und verlor all ihr Geld. (Symbolbild)
Die Münchnerin tauschte zahlreiche Nachrichten mit dem vermeintlichen Soldaten aus - und verlor all ihr Geld. (Symbolbild) © Sebastian Gollnow/dpa

München - Auf seinem Internetprofil nannte er sich Anthony Hernandez. Er sei amerikanischer Soldat und momentan in Syrien stationiert. Eine 39-Jährige aus München stieß im vergangenen Juni im Netz auf der Plattform "Tumblr" auf den Blog von Anthony.

Er präsentierte sich locker und witzig mit Fotos und Videos. Der Mann wirkte auf den ersten Blick smart und sehr sympathisch auf sie. Die 39-Jährige nahm Kontakt auf. Wenig später begannen sie, sich regelmäßig zu schreiben.

Love-Scammer gaukelt Münchnerin vor, er habe eine halbe Million US-Dollar

Als die Sache zwischen ihnen ernster zu werden schien, schlug Anthony plötzlich vor, sie sollten ihren Chat auf Hangouts verlegen, einem Messenger-Dienst ähnlich wie Whats-app. Da sei alles intimer und man sei mehr unter sich.

Der Romeo legte sofort los mit seinem Liebesgeturtel. Sie sei die Frau seines Lebens. Er träume von einem romantischen Leben zu zweit. Dank seines Jobs in Syrien habe er finanziell ausgesorgt. Die US-Armee habe ihn für seine gefährliche Arbeit großzügig bezahlt. Er verfüge über eine halbe Million US-Dollar und Goldbarren, behauptete Anthony Hernandez.

Für die Münchnerin klang alles, was der Romeo ihr via Internet vorschwärmte nach der großen Liebe, die sie sich so sehr ersehnt hatte.

Münchnerin mit angeblicher Paketzustellung geködert

Anthony schrieb, er wolle sein Vermögen in Sicherheit bringen. Er kündigte an, er werde der Münchnerin ein Paket mit 500.000 Euro und fünf Goldbarren schicken. Sie solle alles für ihn aufheben. Dafür, so versprach er, solle sie ein Drittel des Werts behalten dürfen.

Der Schwindler schickte ihr eine Trackingnummer. Über die erfuhr die Münchnerin, dass das Paket in Frankreich festhing. Eine Firma mit dem Namen "turkishshippingtrustcompany" meldet sich. Das Paket könne erst weitergeleitet werden, wenn die Münchnerin 1.500 Euro vorschieße.

Münchnerin ist pleite - falscher "Romeo" verschwindet

Später traten weitere Probleme auf. Immer wieder forderte die dubiose Firma Geld von der 39-Jährigen. Die hatte ihren Job verloren und war gerade auf der Suche nach einer neuen Arbeit. Der Traum von der großen Liebe und vielleicht auch die Aussicht auf die üppige 30-prozentige Provision brachten die Münchnerin dazu, ihre Ersparnisse anzupacken. Insgesamt überwies sie bis Ende Juli 100.000 Euro auf mehrere Bankkonten in der Türkei.

Als sie schließlich pleite war, verschwand auch Anthony Hernandez urplötzlich von der Bildfläche. Die 39-Jährige schöpfte Verdacht und schaltete einen Anwalt ein. Sie versuchte, ihr Geld zurückzuholen. Was bisher misslang. Am Ende blieb ihr nur, Anzeige wegen Betrugs bei der Polizei zu erstatten. Die ermittelt inzwischen.