Israelfeindlich? - Streit um Vortrag im Gasteig geht weiter

Im Fall des vermeintlich antisemitischen Vortrags meldet sich Stadtrat Quaas sich zu Wort: Er habe schon früh gewarnt.
von  Anja Perkuhn
Kritisieren das Projekt BDS und die Veranstaltung am Samstag: CSU-Stadtrat Richard Quaas...
Kritisieren das Projekt BDS und die Veranstaltung am Samstag: CSU-Stadtrat Richard Quaas...

München – Der Streit um einen Vortrag mit angeblich israelfeindlichem Inhalt am Samstagabend in der Bibliothek des Gasteig (AZ berichtete) weitet sich aus: Nun hat sich CSU-Stadtrat Richard Quaas mit einem Offenen Brief an OB Dieter Reiter gewandt.

Den Vortrag über das Projekt BDS („Boycott, Divestment and Sanctions“ – Boykott, Kapitalabzug und Sanktionen) zu erlauben, berühre „deutlich einen Grundkonsens der demokratischen Mitte in diesem Land“, nämlich das Existenzrecht Israels, schreibt Quaas. Wer unter anderem die wirtschaftlichen Grundlagen des jüdischen Staates bedrohe, bedrohe den Staat selbst.

Lesen Sie hier: Wirbel um angeblich israelfeindlichen Vortrag im Gasteig

Mit der Überlassung des Raums mache sich „die Stadt in gewisser Weise gemein mit dem Veranstalter, wenn sie im Vorhinein weiß, für welche Ziele diese Gruppe kämpft“. Diesbezüglich habe er Reiter schon mehrere interne Mails geschickt, die unbeantwortet blieben.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, hatte den Vortrag und das darin vorgestellte Projekt kritisiert: BDS tarne „das sozial nicht adäquate ,Kauft nicht bei Juden!’ als modernisierte Form des Nazijargons in der Forderung ,Kauft nicht vom jüdischen Staat!’“

Das weltweit agierende Projekt will unter anderem über den Boykott von israelischen Waren aus den besetzten Palästinensergebieten politischen Druck erzeugen, um die Besatzung zu beenden.

Das Kulturreferat hatte als Reaktion auf die Kritik auf die „Fülle und Varietät der Veranstaltungen, die vom Kulturreferat gefördert werden“ verwiesen und sich auf den kommunalen Kulturauftrag bezogen, der auch Meinungsvielfalt beinhalte. Aus der Beschreibung der Veranstaltung ersehe man nicht, dass es sich um einen Boykottaufruf handele. „Aus unserer Sicht besteht ein Unterschied zwischen Israelkritik und Judenfeindlichkeit“, erklärte eine Sprecherin des Referats.