Höchstpreise am Wohnungsmarkt München: Investitions-Wahnsinn geht weiter

Immobilien in München werden immer teurer – das Kommunalreferat beobachtet die Preisspirale mit Sorge.
von  Anna Rauch
München ist teuer: Diese Preise wurden für eine Eigentumswohnung, eine Villa, eine Doppelhaushälfte und ein Baugrundstück für ein Einfamilienhaus gezahlt.
München ist teuer: Diese Preise wurden für eine Eigentumswohnung, eine Villa, eine Doppelhaushälfte und ein Baugrundstück für ein Einfamilienhaus gezahlt. © dpa/imago/AZ

Immobilien in München werden immer teurer – das Kommunalreferat beobachtet die Preisspirale mit Sorge.

Dass keine Neuigkeiten nicht immer gute Neuigkeiten sind, das weiß Kommunalreferent Axel Markwardt nur zu gut. "Viel Neues gibt es nicht, der Wahnsinn geht weiter", so eröffnete der oberste städtische Immobilienverwalter gestern die Vorstellung des neuen Immobilienberichtes.

Denn auch im vergangenen Jahr, das zeigt die Erhebung des Gutachterausschusses des Kommunalreferates, sind die Preise für Wohnungen, Häuser und Grundstücke in München wieder deutlich gestiegen.

12,9 Milliarden Euro wurden 2016 insgesamt für Immobilien ausgegeben – ein Plus von drei Prozent im Vergleich zu 2015 und ein neuer Rekord für die Landeshauptstadt. Das Problem: Während die Gesamtumsätze weiter steigen, geht die Zahl der geschlossenen Kaufverträge zurück. Das heißt: Die einzelnen Immobilien werden seit Jahren deutlich teurer. Insbesondere bei Eigentumswohnungen und Gewerbeimmobilien haben die Preise im vergangenen Jahr laut Kommunalreferat deutlich angezogen.

Glücklich ist Axel Markwardt mit der Preisspirale naturgemäß nicht: "Natürlich macht uns die Entwicklungen große Sorge." Zum Einen schlagen sich die hohen Kaufpreise letztendlich auch in den Mieten nieder, zum Anderen, so Markwardt, ist die Stadt als Kaufinteressentin oftmals selbst von hohen Grundstücks- und Gebäudepreisen betroffen. Sprich: Selbst München kann sich München immer häufiger nicht mehr leisten.

"Lowlights": Die teuersten Immobilien Münchens

Um zu verdeutlichen, wie groß das Problem inzwischen ist, präsentierte Markwardt bei der Vorstellung des Immobilienberichts auch eine "Liste von Lowlights", eine Aufstellung der teuersten Immobilien des Vorjahres.

Darauf finden sich unter anderem eine 335 Quadratmeter große Eigentumswohnung in der Maxvorstadt, die für 8,4 Millionen Euro den Besitzer wechselte. Auch eine Bogenhausener Doppelhaushälfte für rund 6,4 Millionen Euro und ein Reiheneckhaus für rund 5 Millionen Euro in Oberföhring haben es in die unrühmliche Sammlung geschafft.

"Da stellt sich schon die Frage, ob solche Preise noch mit dem Grundgesetz-Grundsatz 'Eigentum verpflichtet' vereinbar sind", so Markwardt. Deshalb wünscht sich der Kommunalreferent, dass Eigentümer künftig noch stärker in die Pflicht genommen werden können. Ein Instrument dazu sei beispielsweise die sozialgerechte Bodennutzung.

Das Konzept sieht vor, Investoren an den Folgekosten für die nötige Infrastruktur rund um neue Bauprojekte zu beteiligen. So werden die Maßnahmen, die aus Gebäuden überhaupt erst attraktive Wohn- und Gewerbeimmobilien machen, auch von jenen getragen, die letztendlich von ihnen profitieren. Die Allgemeinheit wird entlastet.

Zwar wendet die Stadt das Instrument der sozialgerechten Bodennutzung schon seit 1994 an, ausgereizt sei es aber noch nicht, glaubt Markwardt. Auch andere Maßnahmen für eine gerechtere Verteilung von Immobiliengewinnen und zur Eindämmung der Preisspirale könnte sich der Kommunalreferent vorstellen. Dazu müsse allerdings der Gesetzgeber aktiv werden.

Und das am besten so schnell wie möglich: "Ich bin überzeugt, dass wir jetzt einen gesellschaftlichen und politischen Diskurs dazu einleiten müssen", so Markwardt.

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