Gleichgeschlechtliche Paare in München gesegnet: Priester will Zeichen setzen

Am Sonntag hat ein Pfarrer in München mehrere gleichgeschlechtliche Paare gesegnet. Mit der Aktion wolle Wolfgang Rothe "ein Zeichen setzen".
von  AZ/dpa
Regenbogenfahnen wehen im Wind.
Regenbogenfahnen wehen im Wind. © picture alliance / Gregor Fischer/dpa/Symbolbild

München - Eine Regenbogenflagge auf dem Altar und glückliche, gesegnete Liebespaare: In einem katholischen Gottesdienst in München sind am Sonntag mehrere gleichgeschlechtliche Paare gesegnet worden.

"Der Himmel war offen", sagte der sichtlich gerührte Pfarrer Wolfgang Rothe nach dem gewissermaßen historischen Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Benedikt. Er wolle "ein Zeichen setzen". "Mein Anliegen ist, das aus den kirchlichen Hinterhöfen rauszuholen - dahin, wo es hingehört: mitten in das kirchliche Leben", sagte Rothe. Auch die 48 Jahre alte Christine Waldner und ihre Partnerin Almut Münster waren von der Zeremonie gerührt: "Es war sehr bewegend."

Segnung gleichgeschlechtlicher Paare: Protest gegen Vatikan

Katholische Priester überall in Deutschland wollen unter dem Motto #liebegewinnt Segnungsgottesdienste für alle liebenden Paare anbieten - egal ob schwul, lesbisch oder heterosexuell. Es ist ein orchestrierter Protest gegen das vor kurzem von der Glaubenskongregation im Vatikan ausgesprochene, kategorische Verbot, homosexuelle Paare zu segnen.

Rund um den Hauptaktionstag an diesem Montag - eine Woche vor dem Internationalen Tag gegen Homophobie - sind in einer Online-Liste Gottesdienste überall in Deutschland eingetragen. Gesegnet wird von Aachen bis Zornheim, von München über Würzburg, Frankfurt, Köln und Berlin bis Quakenbrück. Klare Schwerpunkte liegen im Norden und Westen. Nur vier offiziell angekündigte Segnungsmessen gibt es in Bayern - drei in Würzburg und die mit Priester Rothe in München.

Die Segnungsgottesdienste sind der vorläufige Höhepunkt einer Welle, die der Vatikan unter vielen Katholiken in Deutschland und inzwischen auch unter katholischen Priestern mit seinem Nein ausgelöst hat. Angst vor Konsequenzen habe er nicht, sagt Priester Rothe: "Wir schwimmen auf einer Woge der Sympathie."