Geldautomaten gesprengt: Münchner Ermittler schlagen in Holland zu

Professionell organisiert und mit einer brachialen Methode agieren die Täter auch um München. In Holland gibt es nun erste Festnahmen. So lief das Geschäftsmodell.
von  Hüseyin Ince
Germering Geldautomat gesprengt Spardabank
Germering Geldautomat gesprengt Spardabank © AZ

München - Die Bande, die seit Oktober 2017 deutschlandweit Bankautomauten sprengt, um das Geld zu rauben, ist jung, gierig und absolut professionell strukturiert. So viel lässt sich derzeit laut Münchner Polizei sicher sagen. Die Männer und Frauen – alle etwa Mitte 20 – haben Späher, Organisatoren, Spezialwerkzeug, geklaute Fahrzeuge und Wohnungen, die sie sich stets dort anmieten, wo sie den nächsten Coup planen.

Vier Festnahmen in Holland

Hatten, muss man vielleicht vorerst sagen. Denn die niederländische Polizei konnte mithilfe Münchner Polizeibeamter vier mutmaßliche Bandenmitglieder festnehmen. Bereits am vergangenen Montag konnte eine 23-Jährige in Amsterdam verhaftet werden. Am vergangenen Dienstag folgten dann weitere drei Festnahmen in der Region Gelderland: zwei 25-Jährige und ein 21-Jähriger. Alle haben die niederländische Staatsbürgerschaft. Ein großer Teil der Bande hat laut Polizei marokkanische Wurzeln und zusätzlich die marokkanische Staatsbürgerschaft.

"Weitere Festnahmen werden folgen", so ein Sprecher der Polizei München. Die genaue Anzahl der Verdächtigen wollten die Beamten nicht nennen. Spekuliert wird auf eine niedrige zweistellige Summe an Personen, die der Bande angehören und bald verhaftet werden könnten. Als die Raub-Serie begann, spekulierten einige Medien sogar über eine Bandengröße von 250 Personen.

Überall, wo die Männer und Frauen der Bankomaten-Knacker in den letzten Jahren auf- und gleich wieder untertauchten, hinterließen sie wortwörtlich eine Spur der Verwüstung. Denn, um an das Geld zu gelangen, ließen sie in die Geräte Gas einströmen und brachten sie zur Explosion. Offensichtlich nahmen sie es in Kauf, dass Menschen dabei zu Schaden kommen könnten.

Geldautomaten-Sprenger: Coup in Germering scheiterte

Auch in der Region München planten sie einen Raubzug, unter anderem in Starnberg und Germering. Doch der Coup von Germering scheiterte. Ein Münchner Sondereinsatzkommando (SEK) umstellte im Oktober 2018 zwei Räuber auf frischer Tat. Aber die Festnahme verlief turbulent. Einer der beiden Verdächtigen wollte fliehen, stieg in seinen 450 PS starken Audi und rammte mehrere Polizeifahrzeuge. Ein Beamter wurde verletzt. Er brach sich das Bein, weil ihn der Flüchtige mit dem Auto einklemmte. Dennoch konnte der Räuber festgesetzt werden. Der Flüchtige blieb an einem Bus der Polizei hängen und wurde von zwei Polizei-Schüssen an der Schulter getroffen. Sein Komplize floh im Kugelhagel von 29 Schüssen, konnte aber später gefasst werden. Zwei weitere Komplizen nahm die Polizei bald darauf fest.

Für die aktuell gefassten vier Verdächtigen in den Niederlanden stellte die Staatsanwaltschaft München I einen Auslieferungsantrag. "Die Zusammenarbeit mit den niederländischen Behörden verläuft hervorragend. Sie könnten sehr bald ausgeliefert werden", sagte ein Sprecher der Polizei.

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