"Geile Bodenbeläge": Stadtrat-Streit um Handwerkerfirma

Für rund 32 Millionen Euro lässt die Stadt derzeit das "Förderzentrum Nymphenburg" bauen. Dass einige dieser Gelder an ein Unternehmen mit schlüpfriger Werbung gehen, ist den Grünen ein Dorn im Auge.
von  az
Auch auf der Homepage der Firma Holschbach Fussbodentechnik ist die umstrittene Werbung zu finden.
Auch auf der Homepage der Firma Holschbach Fussbodentechnik ist die umstrittene Werbung zu finden. © Holschbach Fussbodentechnik

Für rund 32 Millionen Euro lässt die Stadt derzeit das "Förderzentrum Nymphenburg" für die Versorgung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf bauen. Dass einige dieser Gelder an ein Unternehmen mit schlüpfriger Werbung gehen, ist den Grünen ein Dorn im Auge.

München – Bei dem Projekt hat die Stadt den Auftrag für den Bodenbelag an eine Firma vergeben, die auf ihren Fahrzeugen und im Internet mit dem Spruch "Wir machen geile Bodenbeläge" wirbt. Zusätzlich räkelt sich dabei eine nackte Frau auf besagtem Boden. Die Grünen-Stadträtin Lydia Dietrich bezeichnet diesen Auftritt der Firma Holschbach Fussbodentechnik als einen "besonders krassen Fall frauenfeindlicher Werbung".

Das sah Ende 2009 auch schon der Deutsche Werberat so und rügte das Unternehmen aus dem Bergischen Land. In der Begründung hieß es damals, dass "die Gleichstellung von Geilen Bodenbelägen mit der offensichtlich sexuell gemeinten Darstellung der Frau das weibliche Geschlecht in nicht hinnehmbarer Weise demütigt". Geschäftsführer Marco Holschbach ließ sich dadurch jedoch nicht irritieren – die Werbekampagne läuft bis heute unverändert weiter.

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Stadträtin Dietrich will nun wissen, ob die Vorgaben der Stadt zu sittenwidriger Werbung auch bei Vergaben öffentlicher Aufträge eingehalten werden müssen und zu welchem Ergebnis die Prüfung bei diesem Auftrag geführt hat. Sie fragt in ihrer Pressmitteilung außerdem, wie oft in den vergangenen zwei Jahren Werbung oder mögliche Auftragsnehmer wegen Sittenwidrigkeit abgelehnt wurden.

Lydia Dietrich: "Es kann nicht angehen, dass Baufirmen im städtischen Auftrag mit derart sexistischer Werbung durch die Stadt kurven und städtische Baustellen als Bildfläche für ihre menschenverachtendes Frauenbild nutzen."