Fotoprojekt: Münchens traurig-schöne Geisterbars

Ein Fotoprojekt inszeniert die Bar-Szene als gute Geister der Gastfreundschaft. Wer helfen will, lässt sich einen persönlichen Cocktail kreieren und in Szene setzen.
von  Ruth Frömmer
Wolfgang Goetz von der Bar Zum Wolf in der Pestalozzistraße wartet auf bessere Zeiten.
Wolfgang Goetz von der Bar Zum Wolf in der Pestalozzistraße wartet auf bessere Zeiten. © Van Hagen Photography

München - Ein Spaziergang vorbei an den liebevoll gebauten und nun stillgelegten Schanigärten und geschlossenen Bars in seinem Viertel hat Jochen Hirschfeld auf eine Idee gebracht. Als begeisterter Bar-gänger möchte der Fotograf die verwaisten Nachtlokale zurück ins Gedächtnis der Menschen bringen und hat jetzt das Fotoprojekt "Geisterbars" gestartet.

"Unser aller Leben wird einsamer ohne diese Orte der Gastfreundschaft und der Menschen, die uns dort willkommen heißen. Wir müssen diese Geister wieder ins Leben zurückholen" sagt Hirschfeld. Die Fotos mit ihrer traurig-schönen Optik sollen einen kritischen Moment der Zerbrechlichkeit festhalten. Man sieht ihnen an, dass vielen Barkeepern die aktuelle Situation inzwischen an die Substanz geht.

Veröffentlicht werden die Bilder auf verschiedenen Kanälen im Internet unter dem Motto "I want to be a host - not a ghost." ("Ich will ein Gastgeber, kein Geist sein.")

"Ein ganz besonderer Cocktail, der deinen Namen trägt"

Kreativ ist auch der zweite Teil der Aktion. Unter dem Motto "Ein Cocktail, der deinen Namen trägt", kann jeder seine Lieblingsbar auch direkt finanziell unterstützen. Die Chance für alle, die sich schon immer mal einen ganz eigenen Cocktail gewünscht haben. Einen solchen kann man jetzt in Auftrag geben, maßgeschneidert nach persönlichen Wünschen. Sei es auf Basis einer Lieblingsspirituose, eines Films, einer Zeile Poesie oder eines Lebensmottos. Wer mag, kann auch seine Liebsten mit einer maßgeschneiderten Kreation überraschen. "Es können sich auch ein paar Leute zusammentun und jemandem gemeinsam eine Freude machen" schlägt Hirschfeld vor.

Das Ganze kostet nämlich stattliche 500 Euro, die dafür direkt an die Bar gehen. Hirschfeld inszeniert den kreierten Drink mit einem besonderen Foto inklusive Rezept und Namen. Dieses wird dann in den sozialen Medien auf dem "Magic Ghost Menu" veröffentlicht. Dazu gibt's den Cocktail sechs Mal in der To-go-Version. Mit etwas Glück wird der Cocktail sogar zum Standard in der Bar. Einige Firmen sind schon an Bord und haben Cocktails für ihre Mitarbeiter entwerfen lassen.

Bis dato sind schon 30 Cocktail-Kreationen in Planung. Damit haben die Geisterbars immerhin schon 15.000 Euro für die Bars generiert.

Eine Idee aus München, die um die ganze Welt gehen soll

Hirschfeld hat sich das Ziel gesetzt, die Aktion im großen Stil sichtbar zu machen. Deshalb lädt er auch Fotografen aus anderen Städten ein, sich dem Projekt anzuschließen. "Man sollte das Ganze weltweit machen!" schlägt er sogar vor, unter dem Motto "Fotografen helfen Bars".

Wichtig für das Funktionieren wäre nur, dass alle Fotos und Beiträge auf den Kanälen von Geisterbars laufen, am besten mit dem Hashtag #geisterbars. Online ist die Aktion zu finden unter geisterbars.de und ghostmenu.de