Forderung an Schulminister Piazolo: Masterplan per Petition

Christine Harttmann, Mutter eines Zehntklässlers, fordert Schulminister Piazolo auf, einen Masterplan für das kommende Schuljahr vorzulegen – per Petition.
von  Nina Job
Christine Harttmann, Mutter und Grüne im Bezirksausschuss Au-Haidhausen, mit ihrem Sohn Felix (15).
Christine Harttmann, Mutter und Grüne im Bezirksausschuss Au-Haidhausen, mit ihrem Sohn Felix (15). © Sigi Müller

München - Drei Wochen Schulunterricht innerhalb eines halben Schuljahres – das ist die Bilanz für viele Schüler, wenn am heutigen Freitag das Schuljahr zu Ende geht und die Großen Ferien beginnen. Per Petition fordern mehr als 700 Menschen Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) dazu auf, dass er kurzfristig einen "Masterplan Bildung Bayern" für das kommende Schuljahr 2020/21 vorlegt.

Michael Piazolo (Freie Wähler), bayerischer Kultusminister.
Michael Piazolo (Freie Wähler), bayerischer Kultusminister. © Sven Hoppe/dpa

Initiatorin der Petition ist die Münchnerin Christine Harttmann (56), sie ist Mutter von zwei Kindern, Redakteurin und sitzt für die Grünen im Bezirksausschuss Au-Haidhausen. "Ziel muss sein, dass allen Kindern und Jugendlichen das Recht auf Bildung nach Artikel 128 der bayerischen Verfassung wieder vollumfänglich und gleichberechtigt gewährt wird", fordert sie. "Das Konzept der Schule zu Hause hat oft nicht – oder nur sehr unbefriedigend – funktioniert."

Wenn für ihren Sohn Felix (15) nach den großen Ferien der Unterricht wieder beginnt, hat er insgesamt ein halbes Jahr lang seine Schule nicht mehr von innen gesehen.

München: Lehrer schickt 40 Arbeitsblätter auf einmal per Mail

Die vergangenen Monate waren für ihn und seine Mutter oft sehr frustrierend. "Seit März wurde er nur sehr eingeschränkt unterrichtet. Alles war abhängig vom persönlichen Einsatz der jeweiligen Schulleitung und der Lehrkraft", berichtet die Mutter. Es gab sehr engagierte und digital affine Lehrkräfte, die ganze Webseiten programmierten, um ihre Schüler zu unterstützen – aber eben auch andere, die von der Technik offenbar überfordert waren. "Da wurden Schüler oft völlig sich selbst überlassen", sagt die Mutter.

Von einem älteren Lehrer hörte Sohn Felix immer wieder tagelang nichts, dann schickte er eine Mail mit etwa 40 Anhängen – Arbeitsblättern für die Kinder. "Vor allem am Anfang hatte ich das Gefühl, dass mein Sohn gelitten hat. Es fehlte ja auch der soziale Kontakt." Felix sah seine Freunde in der Schule nicht mehr, durfte zudem nicht mehr zum Klavierunterricht, ins Schwimmtraining oder zu den Pfadfindern, mit denen er sich sonst regelmäßig traf. "Felix und sicher auch sehr viele andere Kinder waren in dieser Zeit extrem sozial isoliert."

Besonders schwierig fand die Mutter, dass ihrem Sohn eine Tagesstruktur fehlte. "Felix saß meistens vor dem Computer. Er ist normalerweise sehr zuverlässig, aber er hat auch sehr viel gespielt. Um 3 Uhr nachts hat er dann seine Hausaufgaben gemacht." Die Mutter machte sich Sorgen um ihren Sohn, obwohl er eigentlich ein guter Schüler ist. Erst als die Klassenlehrerin eine tägliche Videokonferenz mit ihren Schülern initiierte, wurde es besser. "In diesem Alter geben Kindern ihren Eltern nicht mehr viel Einblick", sagt Christine Harttmann.

Schule muss auch ohne Präsenzunterricht Bildung vermitteln

Da nicht zu erwarten ist, dass die Pandemie im September überstanden ist, brauche es ab dem kommenden Schuljahr dringend einen Plan, wie Schule unter Einhaltung von Abstandsregeln und ohne dauerhaften Präsenzunterricht dennoch Bildung vermitteln kann, fordern Harttmann und ihre Unterstützer.

In der kommenden Woche will Christine Harttmann Kultusminister Michael Piazolo im Ministerium besuchen und ihm alle Unterschriften derer, die bis dahin unterschrieben haben, persönlich überreichen. Bis Donnerstag waren es bereits mehr als 700. Felix hat auch unterschrieben – als einer der Ersten.


Die Petition ist nachlesbar unter: www.openpetition.de.

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