Bar Garcon am Viktualienmarkt: Ein Paradies für Kaffee-Liebhaber

Handgebrühter Spezialitäten-Kaffee und feinste Patisserie: Zwei junge Münchner verkaufen in der Altstadt ihre besonderen Produkte und haben Lust zu erzählen, was sie machen.
von  Jasmin Menrad
Mario Messig brüht mit der Hand auf.
Mario Messig brüht mit der Hand auf. © Jasmin Menrad

München - In der Bar Garçon wird Kaffee wie Tee ausgeschenkt – und Tee gibt’s natürlich auch.

Mario Messig ist nicht der Typ, der ständig aufs Handy schaut. Im Gegenteil, der Bartender strahlt Ruhe aus und ist voll da. Jetzt allerdings ist sein Handy auf laut gestellt und Messig nervös: Jeden Moment könnte Kind Nummer zwei kommen und dieses freudig erwartete Zwergerl ist der Grund, warum Messig sehr viel Kaffee trinkt.

Handaufgebrühter Kaffee in der Bar Garçon

Seit fünf Jahren betreibt Messig die aufgeräumte Bar Garçon in der Altstadt, ist bekannt für gerührte, hochwertige Drinks, die auf das Wesentliche reduziert sind. "Als vor zwei Jahren mein Sohn geboren wurde, habe ich schon überlegt, dass ich aus dem Abendgeschäft raus in den Tag sollte", sagt Messig. Sein neues Konzept hat nichts mit Corona und viel mit Verantwortung für seine Familie zu tun, den Abend übernehmen meist Mitarbeiter.

"Ich habe überlegt, wie ich mein Konzept auf den Tag übertragen kann und kam schnell zu dem Schluss, dass ich mir hier keine Espressomaschine vorstellen kann. Auch wenn die schön sind, sind das Klopper, die die Atmosphäre stören würden", sagt Messig. Stattdessen erwärmt er auf Platten Wasser auf die genau richtige Temperatur und gießt per Hand Kaffee und Tee auf.

Dass jemand nur handgebrühten Kaffee ausschenkt ist so – laut Messig – in Deutschland einzigartig. Aber darum geht es ihm nicht, sondern um die Spezialitäten-Kaffees (und auch japanischen Tees), die er anbietet. Die hohe Qualitätsstufe, die Messig verkauft, macht nur etwa zwei Prozent des weltweit verkauften Kaffees aus. Jede Fehlerbohne würde man herausschmecken.

Kaffee-Archiv mit besonderen Sorten

Messig hat zwei Hauskaffees von der Rösterei Koppi, die von der Geschmackstiefe beide mehr an Tee erinnern – auch, weil sie hell geröstet keine Bitterstoffe haben. Der Nano Challa aus Äthiopien schmeckt nach Jasmin und Zitrus und ist mit einem Darjeeling Tee zu vergleichen. Der Finca El Prado aus Kolumbien ist rund und fruchtig mit einer Cranberry-Note.

Kaffee-Nerds ist aber auch das nicht genug, deshalb hat Messig ein Kaffee-Archiv mit besonderen Sorten, bei denen das Kilo schon einmal 300 Euro kostet. Sie wurden in kleinen Mengen eingefroren und jetzt wird jeder nach seinem speziellen Rezept mit Brühtemperatur und Brühgeschwindigkeit aufgegossen. Los geht’s bei der Tasse für 8 Euro.

Einer ist der Cerro Azul (12 Euro), ein Geisha-Kaffee, blumig und aromatisch, der nach Jasmin, Aprikosen und weißem Tee schmeckt, aber nicht nach Kaffee. Messig trinkt bei jedem Kaffee ein "Qualitätskontrollennoagerl" aus einer der handgetöpferten Tassen. "Je kühler er wird, desto mehr gehen die Aromen auf", sagt Messig. Man muss kein Kaffeenerd sein, um zu schmecken, dass dieser Kaffee ganz besonders ist.


Utzschneiderstraße 4, Di-Do 10 bis 24 Uhr, Fr 10 bis 1 Uhr, Sa 18 bis 1 Uhr

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