Ermittlungen gegen Kino-Legende Bobby Arnold

Gegen Bobby Arnold (69) wird wegen Körperverletzung ermittelt. Es geht auch um sein eigenwilliges Verhalten gegenüber Frauen. Der Arri-Erbe lässt das unkommentiert.
| Kimberly Hoppe
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Ein jüngerer Vorfall: Bobby Arnold geht Manfred Schnelldorfer mit einem Besteckmesser im Franziskaner an.
API / Michael Tinnefeld 2 Ein jüngerer Vorfall: Bobby Arnold geht Manfred Schnelldorfer mit einem Besteckmesser im Franziskaner an.
Ein bisschen Gaudi muss bei ihm schon immer sein: Bobby Arnold (links) scherzt hier mit Franziskaner-Boss Edi Reinbold.
Petra Schramek 2 Ein bisschen Gaudi muss bei ihm schon immer sein: Bobby Arnold (links) scherzt hier mit Franziskaner-Boss Edi Reinbold.

Gegen Bobby Arnold (69) wird wegen Körperverletzung ermittelt. Es geht auch um sein eigenwilliges Verhalten gegenüber Frauen. Der Arri-Erbe lässt das unkommentiert.

München - Manche sehen ihn als ungekrönten Gaudi-König, als überdrehten Spaßvogel, der manchmal die Grenzen nicht kennt, es aber gar nicht bös meint. Der halt macht, was er will.

Andere – vor allem Frauen – finden es schlicht nicht lustig, wenn ihnen Brezn-Stücke ins Dekolletee geworfen werden oder die Zigarette weggenommen und im vollen Bierglas ausgemacht wird.

Robert Arnold (69), der millionenschwere „Arri“-Erbe, den alle nur Bobby nennen, polarisiert seit Jahren zunehmend mit seinem Auftreten. Er grantelt gern über die Münchner Society, spricht mitunter in seltsamer Baby-Sprache („Lalala und Tralala“, „Kukurikuuu“) mit seinen Promi-Freunden und macht immer irgendeinen Unsinn.

Jetzt ist offenbar Schluss mit lustig. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bobby Arnold. Beim Landgericht München I ist unter dem dortigen Aktenzeichen 232 Js 109516/13 ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung anhängig. Außerdem wird wegen Beleidigung mit sexuellem Hintergrund ermittelt.

Was ist passiert? Bereits im vergangenen Jahr ist eine ehemalige Sekretärin von Mister Arri zur Polizei gegangen. Drei Jahre sei sie von Bobby angeblich „terrorisiert“ worden, so sagt es ein Polizist zur AZ, der sich nun mit dem Fall beschäftigt. Bobby Arnold soll der Frau unter anderem Münzen in den Ausschnitt geworfen haben. „Und das war kein Einzelfall“, sagt der Polizist. Die Frau habe zuletzt richtiggehend Angst gehabt, in die Arbeit zu gehen und später einen Therapeuten aufgesucht.

Lesen Sie hier: Oktoberfest - Zeltverbot für Bobby Arnold?

Die Ermittlungen wegen Körperverletzung gehen von einem ehemaligen Hausmeister aus. Ihn soll Bobby Arnold grundlos zwischen die Beine getreten haben.

Sowohl der Hausmeister als auch die Sekretärin hätten gegenüber der Polizei betont, dass es ihnen nicht um ein mögliches Schmerzensgeld gehe. Sie hätten vielmehr einfach Gerechtigkeit gewollt – und Bobby Arnold auf diese Weise endgültig klar machen, dass so ein Verhalten, wie er es offenbar als normal ansehe, einfach nicht statthaft sei.

Gerade in Zeiten wie diesen, in denen ein Dirndl-Spruch von FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle eine nationale Sexismus-Debatte ausgelöst hat, stellen sich zwei Fragen: Warum tut Bobby Arnold das? Und wo hört der Spaß auf?

Untersucht wird im Zuge der Ermittlungen von der Polizei gerade auch ein Vorfall im Franziskaner vom 22. Januar 2013. Der Maler Wolfgang M. Prinz hatte damals in Edi Reinbolds Leberkas-Paradies geladen, um ein Öl-Portrait von Oberbürgermeister Christian Ude zu enthüllen. Der OB war da, Bobby Arnold auch.

Abgehärtete Gäste sahen hinweg über seine „Späße“, die teilweise auch unter die Gürtellinie gingen. Einer Frau langte er beim Hinsetzen spontan mit beiden Händen an den Po (AZ berichtete). Den Eiskunstlauf-Olympiasieger Manfred Schnelldorfer ging er mit einem Besteckmesser an, und den Jung-Wirt Mathias Reinbold haute er in den Bauch.

„Irgendwo hört der Spaß halt auf“, sagt der ermittelnde Polizist. „Wir prüfen gerade alle Personalien und werden die beteiligten Personen dann vorladen. Es kann sehr gut sein, dass wir auch Herrn Ude als Zeugen vorladen werden.“

Während Udes Dankesrede damals im Franziskaner hatte Junggeselle Arnold, Vater einer erwachsenen Tochter, angefangen, mit Brezn-Stücken herumzuwerfen. Mit am Tisch saßen noch Wiesn-Wirt Sepp Krätz und Asam-Schlössl-Wirtin Birgit Netzle-Piechotka.

Außerdem sprach Bobby Arnold immer wieder in seiner infantilen Sprache.

Der Polizist bestätigt, dass derzeit ein psychologisches Gutachten über Bobby Arnold in Arbeit ist. Das Ergebnis wird für nächste Woche erwartet.

Sehr viel früher trafen aber schon viele der Beteiligten wieder aufeinander. Wieder im Franziskaner. Am Aschermittwoch fand dort abends das legendäre Fischessen statt. Bobby Arnold hat wie immer Waller aus der eigenen Fischzucht dabei.

Und wie immer müssen die Gäste an seinem Tisch nicht nur Hunger mitbringen, sondern auch sehr viel Humor – oder mit einer hohen Toleranzschwelle ausgestattet sein. Vor zwei Jahren haute Arnold bei gleicher Gelegenheit die Köpfe von Regisseur Otto Retzer und seiner damaligen Lebensgefährtin, Sängerin Anna-Maria Kaufmann, gegeneinander. Beide verziehen Bobby die Aktion.

Auf AZ-Anfrage mochte das Büro von Bobby Arnold keine Stellungnahme zu den Ermittlungen abgeben.

Hintergrund: Bobby Arnold - Erfolgsgeschichte in Hollywood

 

Erfindungsreichtum und Geschäftssinn verhelfen der Firma zu bislang 18 Oscars

Der Name „Arri“ steht für eine echte Erfolgsgeschichte made in Bavaria: Am 12. September 1917 gründet Bobbys Vater August Arnold die Firma „Arnold & Richter“ (Arri) mit seinem Spezl Robert Richter. Arnold kennt ihn von der TU, Richter kennt sich aus mit Film: Während des Ersten Weltkriegs arbeitete er in Hollywood schon bei Paramount und Fox.

In der Türkenstraße gegenüber der Kunstakademie eröffnen die Maschinenbau-Ingenieure das erste Geschäft mit Filmkopier- und Filmentwicklungsmaschinen.

96 Jahre später gibt es die Firma immer noch – was vor allem an den Erfindungen von Richter und Arnold liegt. 1967 bekommen sie ihren ersten Oscar für ihre Kamera „Arriflex 35mm“ – der erste von insgesamt 18.

Im Laufe der Jahre entwickeln sie dutzende Kameras, aber auch Filmleuchten, -belichter und Abtaster sowie Kamerazubehör.

Arnolds Sohn Bobby steigt 1977 in die Firma ein – als Diplom-Wirtschaftsingenieur. Zuvor hat er Gartenmöbel vertrieben, um seinem Über-Vater zu zeigen, dass er es auch allein zu etwas bringt.
Seine Geschäftstüchtigkeit zeigt er auch bei Arri: Bobby Arnold expandiert mit der Firma in den USA, holt große Hollywood-Studios als Kunden und pflegt Kontakte zu Star-Regisseuren wie Martin Scorsese, Steven Spielberg oder Francis Ford Coppola – die alle mit Arri-Technik drehen. Die Kameras nehmen Kassenschlager auf wie „2001 – Odyssee im Weltraum“, „The Bourne Ultimatum“ oder „Herr der Ringe“. Auch die Macher des James Bond-Films „Skyfall“ setzen beim Dreh auf die Technik aus München.

Bobby Arnold gehören in dieser Zeit 50 Prozent des Weltmarktführers für Profi-Aufnahmetechnik – die anderen dem Richter-Spross Wolfgang Stahl. Nach Streitereien wird Arri 2001 zu einer AG. 2012 verkauft Bobby Arnold seine Anteile an die Stahl Beteiligungs-GmbH des Kaufmanns Christoph Stahl (47) und seiner beiden Geschwister. Sie wollen die Firma mit etwa 1200 Mitarbeitern weiterführen. tg

 

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