Drei Tage Fußmarsch

Der Friedensaktivist Claus Schreer erinnert sich an die Anfänge der Oster-Demos in München  
von  Jasmin Menrad
So riefen die Friedensaktivisten 1966 zum Ostermarsch auf.
So riefen die Friedensaktivisten 1966 zum Ostermarsch auf. © ho

Der Friedensaktivist Claus Schreer erinnert sich an die Anfänge der Oster-Demos in München

MÜNCHEN Traditionell marschieren am Ostersamstag wieder Friedensaktivisten: Los geht’s um 11 Uhr beim Mahnmal der Opfer des Oktoberfestattentats und dann zum Stachus (Kasten unten). Claus Schreer ist seit den Anfängen 1961 dabei.

AZ: Herr Schreer, waren die Ostermarschierer 1961 alle zottelig und behaart?

CLAUS SCHREER: Nein, die Studentenbewegung kam erst ’67 und selbst da waren die meisten bürgerlich und haben mit Krawatte demonstriert.

Wie war denn der erste Ostermarsch?

Lang und kalt. Ich war 1961 nicht in einer verantwortlichen Position, aber Kriegsdienstverweigerer und Kriegsgegner. Es muss der Karfreitag gewesen sein, da sind wir mit einer Kundgebung bei einem Raketenstützpunkt in der Nähe von Ingolstadt gestartet. Dann weiter nach Dachau zur KZ-Gedenkstätte und dann nach München.

Zu Fuß?

Klar, wir wollten demonstrieren, wie ernsthaft unser Anliegen ist. Wir waren 200 oder 300 Leute. Das Demonstrationsrecht in seiner heutigen Form mussten wir uns erkämpfen. Wir mussten auf dem Gehsteig gehen, Megafone und Lautsprecher waren nicht erlaubt und Flugzettel verteilen auch nicht.

Was haben Sie dann gemacht?

Von den Naturfreunden lief eine Musikgruppe mit, die hat gespielt. Und wir haben diskutiert und Parolen gegen den Krieg skandiert.

Und nachts?

Da haben wir in Turnhallen geschlafen und einmal in einer Scheune in Gauting. Da gab’s auch warmes Essen und ein Getränkeversorgungs-Wagen fuhr sowieso immer mit.

Die Ostermärsche hatten dann mächtig Zulauf.

Ja, 1961 haben deutschlandweit etwa 10000 Menschen protestiert, ’68 dann 300000. Am Gründonnerstag muss es gewesen sein, als Rudi Dutschke 1968 erschossen wurde. Da sind wir abends mit Tausenden zum Buchgewerbehaus in die Schellingstraße und haben blockiert. Weil da auch die Bildzeitung gedruckt wurde. Ich habe in dem Haus meine Lehre gemacht, aber an Ostern 1968 wurde ich dort verhaftet, weil ich Barrikaden aus Pflastersteinen gebaut habe.

Wie lang hat die Polizei Sie festgehalten?

Eine Nacht und dann ging’s direkt wieder zur Blockade.

Heuer geht’s ja gesitteter zu.

Ja, wir sind 600 bis 800Teilnehmer und orientieren uns an aktuellen Themen: Bundeswehreinsatz in Mali und Afghanistan. Das hätten wir uns damals gar nicht vorstellen können, dass deutsche Soldaten tausend Kilometer entfernt Krieg machen.