Diese Chefs geben EM-frei

Weiter geht’s mit der Fußball-Europameisterschaft – des einen Freud ist des andern Leid. Deutschland spielt morgen um 18 Uhr – viele Bosse haben ein Einsehen mit den Fans.
von  Abendzeitung
Dr. Brigitta Vrieslander (rechts) und Luitgard Eimannsberger sperren morgen ihre Praxis zu und schauen Deutschland.
Dr. Brigitta Vrieslander (rechts) und Luitgard Eimannsberger sperren morgen ihre Praxis zu und schauen Deutschland. © Martha Schlüter

MÜNCHEN - Weiter geht’s mit der Fußball-Europameisterschaft – des einen Freud ist des andern Leid. Deutschland spielt morgen um 18 Uhr – viele Bosse haben ein Einsehen mit den Fans.

Deutschland-Trikot statt Ärztekittel, Fan-Schal statt Stethoskop: In der Praxis der Ärztin Brigitta Vrieslander bricht morgen das große Fußball- Fieber aus. Um Punkt 17 Uhr wird die fußballbegeisterte Medizinerin ihre Türen zusperren – und ihren Angestellten frei geben: „Wir gehen dann gemeinsam mit allen Mitarbeitern zum Fußballschauen ins Lokal“, sagt sie. Man will ja schließlich kein Tor verpassen.

Münchens netteste Chefs

Zum zweiten Gruppenspiel der Deutschen gegen Kroatien wollen auch viele Arbeitgeber keine Spielverderber sein. Da der Fußball-Hit bereits um 18 Uhr angepfiffen wird, geben sie ihren Angestellten am Donnerstag früher frei, gehen gemeinsam mit ihnen Fußball schauen oder ermöglichen ihnen zumindest das Anschauen des Spiels am Arbeitsplatz. So wie Jürgen Stotz. Der Geschäftsführer der gleichnamigen KFZ-Werkstatt in Hadern (München) hat zur EM extra einen Fernseher in seine Werkstatt geschafft und für vier Wochen bei der GEZ angemeldet: „17,80 Euro hat mich das an Gebühren gekostet“, sagt er, „dafür können jetzt alle Mitarbeiter bei der Arbeit Fußball schauen.“

Vorgesorgt hat auch Peter Müller, Geschäftsführer von Sport Scheck: „Wir haben bereits im Vorfeld allen Fußball- Fans Rechnung getragen und alle Mitarbeiter, die Fußball schauen möchten, in die erste Schicht eingeteilt“, erklärt er. Außerdem wurde ein großer Fernseher aufgestellt, der den übrigen Mitarbeitern das Fußball- Vergnügen ermöglicht. So läuft’s auch bei Oberpollinger. Dort will Geschäftsführer Robert Walossek einen Fernseher in der Mitarbeiter- Cafeteria aufstellen: „Wer früher gehen will, für den werden wir das auch einrichten“, sagt er. Und auch bei Auto- Heinzelmann im Glockenbachviertel heißt: „Wer schauen mag, darf früher gehen.“

Gute Karten bei Großunternehmen

Bei Münchens Großunternehmen haben Fußball-Fans morgen ohnehin ganz gute Karten: Beim Versicherungskonzern Allianz kann jeder Mitarbeiter in Absprache mit seinen Teams selbst entscheiden, ob er ab 18 Uhr lieber im Biergarten sitzen möchte oder doch arbeitet. Und auch bei Siemens, Microsoft, der Hypo- Vereinsbank und BMW gelten fußball-freundliche flexible Arbeitszeiten.

Pech gehabt haben dagegen viele Mitarbeiter in Münchens Krankenhäusern und in der Gastronomie. Auf sie können ihre Chefs nur schwer verzichten. Aber vielleicht steht ja irgendwo in der Nähe wenigsten ein Fernsehapparat.

Die wichtigsten Fragen für Münchens Arbeitnehmer

Darf mein Chef mir das Fußball schauen verbieten?

Nur, wenn der Arbeitgeber den Mitarbeiter nicht entbehren kann oder das Personal knapp ist.

Darf ich Sonderurlaub beantragen?

Nein. Sonderurlaub gibt es nur bei wichtigen persönlichen Gründen wie Hochzeit, Geburt oder Krankheit der Kinder).

Darf ich während der Arbeit Fußball schauen?

Nur, wenn die zu erbringende Arbeitsleistung darunter nicht leidet. Radio hören am Arbeitsplatz ist grundsätzlich erlaubt – sofern es niemanden stört.

Darf ich im Deutschland- Trikot ins Büro?

Das hängt vom Arbeitgeber ab. Im Zweifelsfall schauen Sie besser in ihren Arbeitsoder Tarifvertrag nach. Im schlimmsten Fall droht sonst eine Abmahnung.

Daniel Aschoff