Neuen Stadtbewohner "sollte man in Ruhe lassen": Das ist der Grund
Acht Beine, die eine Wand raufklettern, sind für Viele schon schlimm genug. Wenn die Spinne dann auch noch nach einem Vampir aus einem Horrorfilm benannt ist, lässt das nichts Gutes vermuten. Die Nosferatu-Spinne (Fachname: Zoropsis spinimana) ist eine der wenigen einheimischen Spinnen, die mit ihren Giftklauen die menschliche Haut durchdringen können. Inzwischen ist das Tier in ganz Deutschland anzutreffen.
Selbst im Norden des Landes, in Mecklenburg-Vorpommern, wurde sie zuletzt vermehrt gesichtet. Alexander Wirth von der Umweltorganisation Nabu sagt: "Damit wird es immer wahrscheinlicher, dass sich die Spinne dort etabliert."
Nosferatu-Spinne ist zunehmend auch in München vertreten
Demnach gibt es bundesweit jedes Jahr zwischen 3000 und 5000 Meldungen mit Foto. In diesem Frühjahr waren es jedoch besonders viele Beobachtungen: Mehr als 2500 Aufnahmen gingen allein von Januar bis Mai ein.
Auch in Bayern ist die Spinne längst heimisch, obwohl die erste Sichtung im Freistaat erst rund zehn Jahre her ist; 2015 im unterfränkischen Schweinfurt. Ein wachsendes Verbreitungsgebiet ist etwa München. Der promovierte Biologe Thassilo Franke von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) sagt der AZ: "Mittlerweile ist sie praktisch in jedem Haus in München vorhanden."

Nosferatu-Spinnen halten sich in erster Linie in Städten auf, denn sie sind synanthrop – das heißt, sie haben sich an den menschlichen Lebensraum angepasst. "Für sie ist es viel einfacher, sich von einem Haus ins andere zu verbreiten, wenn die Häuser dicht beisammen stehen", sagt Franke.
Ursprünglich kommt die Spinne aus dem Mittelmeerraum – durch die globale Erwärmung und Verschleppung hat sie sich bis nach Mitteleuropa und damit auch nach Deutschland ausbreiten können.
Nosferatu-Spinne: "Überhaupt nicht aggressiv"
Wenn sie einem mal über den Weg krabbelt, muss man sie trotz ihres gruseligen Namens nicht fürchten: Die Nosferatu-Spinne kann mit ihrem Biss zwar die menschliche Haut durchdringen, ist aber ungefährlich: "Sie hat ein Gift, das für Menschen harmlos ist, sofern man keine Allergie dagegen entwickelt", sagt Franke.
Ohnehin beißt sie Menschen nur, wenn sie sich in die Enge getrieben oder bedroht fühlt. Man müsse die Spinne einzwicken oder an die Wand drücken, damit sich überhaupt die Möglichkeit ergäbe, dass sie zubeißt. "Die Tiere sind überhaupt nicht aggressiv", gibt Franke Entwarnung.
Der Biss kann schmerzhaft sein, ist aber vergleichbar mit dem Stich einer Biene oder einer Wespe. Die Schwellungen und Rötungen heilen in der Regel nach einigen Tagen von selbst ab.
Der Vampirkopf auf dem Vorderkörper ist ihr Namensgeber
Wer eine auffallend große Spinne bei sich zu Hause entdeckt, kann auch als Laie anhand mehrere Merkmale erkennen, ob es sich um eine Nosferatu-Spinne handelt. Franke sagt: "Auf dem Vorderkörper schaut die Zeichnung wirklich aus wie ein Vampir." Ein Mantelkragen sowie ein Kopf mit zwei dunklen Augenhöhlen und spitzen Ohren – daher der volkstümliche Name Nosferatu.

Die hintere Zeichnung ähnelt hingegen einem Schmetterling. Außerdem sind ihre Beine geringelt und das Augenfeld ist hell. Ihre Körperlänge reicht von zehn bis 19 Millimeter, mit Beinen ist sie bis zu fünf Zentimeter auffallend groß.
Ähnlich groß ist die Große Winkelspinne, doch die ist langbeiniger sowie filigraner und laut Franke nicht so wuchtig wie die Nosferatu-Spinne. Statt einem gelblichen, hellen Braun ist die Winkelspinne dunkelbraun bis schwarz – und sitzt am liebsten in einem Trichternetz in den Ecken von Kellern. Die Nosferatu-Spinne, läuft hingegen auf der Suche nach Beute umher.
Spinne sollte man in Ruhe lassen
Wer so eine Spinne in seiner Wohnung entdeckt, sollte im besten Fall nichts tun, rät Biologe Franke. Der Grund: Sie vertilgt nervige Stubenfliegen oder Schädlinge wie Schaben.
Wer doch zu große Angst vor dem ungewollten Mitbewohner hat, der kann die Spinne aber auch mithilfe eines Glases und einer Postkarte aus der Wohnung schaffen. "Sie wird einen dabei auch nicht anspringen. Das sind so Schauermärchen, die zwar immer wieder kursieren, aber das ist ein scheues Tier, das seine Ruhe haben möchte", versichert Franke.
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