Die Kehrseiten des Radl-Booms

Der Trend zum Strampeln ist ungebrochen. Aber es gibt Defizite bei der Infrastruktur. Deswegen bessert die Stadt kräftig nach.
von  Rudolf Huber
Alltäglich in München: Konflikte zwischen Radlern und Autofahrern.
Alltäglich in München: Konflikte zwischen Radlern und Autofahrern. © R. Zimmermann

MÜNCHEN - Die Radler sind in München auf der Überholspur. Aber die Infrastruktur kann mit dem Strampel-Boom noch nicht mithalten. Trauriger Beweis: Der schwere Unfall vom Montag in der Rosenheimer Straße, bei dem eine Radlerin von einem Lkw getötet wurde.

Wie soll es in der Rosenheimer Straße weitergehen? Kommen Radwege – zu Lasten einer Auto-Fahrspur?

Ein schwieriger Abwägungsprozess, der derzeit im Rathaus läuft – auch für die Lindwurmstraße. Die statistischen Daten sind erfasst, etwa, dass täglich 30000 bis 35000 Fahrzeuge durch die Rosenheimer Straße rollen. Was passiert, wenn je Fahrtrichtung eine Spur wegfällt? Grünen-Bürgermeister Hep Monatzeder erklärte gestern: „Das ist eine sehr knifflige und gefährliche Stelle. Wir bemühen uns um eine Entschärfung.”

 


Letztlich geht’s um eine politische Entscheidung pro Radl oder pro Auto. Für die Kapuzinerstraße hat sie die Stadtratsmehrheit gestern getroffen: Pro Radl – jede Fahrtrichtung bekommt eine Fahrradspur, der Autoverkehr wird einspurig. Kostenpunkt: 2,3 Millionen Euro.

 

Allerdings sind die Voraussetzungen anders als in der Rosenheimer Straße: Die Durchschnittsfrequenz liegt in der Kapuzinerstraße bei rund 25000 Fahrzeugen pro Tag.

Im ersten Halbjahr 2012 wird die Entscheidung für Rosenheimer und Lindwurmstraße fallen. Und es wird sich auch sonst einiges in Sachen Radlhauptstadt München tun. Angepackt und endgültig beschlossen wird nach mehrjährigen Diskussionen „der Dauerbrenner” (Monatzeder), die Nord-Süd-Querung der Altstadt für den Fahrradverkehr. Wer strampelt wo zwischen Odeonsplatz und Rindermarkt? Monatzeder hofft darauf, dass endlich Fakten geschaffen werden.

Bei der Stollbergstraße (beim Hofbräuhaus) und der Damenstiftstraße ist das schon der Fall. Die zwei Einbahnstraßen werden in Kürze auch in Gegenrichtung für den Radverkehr geöffnet. Bei insgesamt 271 der rund 700 Münchner Einbahnstraßen ist das schon passiert, bei weiteren steht es kurz bevor.

Auch mit der Ausweisung von Fahrradstraßen geht es voran. 18 gibt es bereits, rund 40 Vorschläge aus Bezirksausschüssen werden derzeit geprüft. Als nächste werden die Holledauer und die Birnauer Straße dazu kommen. Fahrradstraßen sind nur für Radler gedacht, andere Fahrzeuge können mit „Anlieger frei” erlaubt werden.