Die Flüchtlings-Offensive für Teenies

3500 unbegleitete Kinder und Jugendliche werden heuer in München ankommen. Dafür braucht die Stadt bis zu 1450 Betten – und 30 zusätzliche Betreuer.
von  Irene Kleber / Lokales
Angekommen in München – aber was nun? München wird heuer voraussichtlich 3500 Kindern und Jugendlichen, die ohne Eltern aus ihrer Heimat geflüchtet sind, beim Start in ein neues Leben helfen müssen.
Angekommen in München – aber was nun? München wird heuer voraussichtlich 3500 Kindern und Jugendlichen, die ohne Eltern aus ihrer Heimat geflüchtet sind, beim Start in ein neues Leben helfen müssen. © dpa

 

Manche gehen schon in München in die Schule, andere kicken auf dem Sportplatz an der Bayernkaserne, in der Hoffnung, als Fußball-Jungtalent entdeckt zu werden. Und etliche minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern an der Isar angekommen sind, haben sehr engagiert in Münchner Handwerksbetrieben eine Ausbildung begonnen – zum Glück für die Betriebe, die sich immer schwerer tun, motivierte Lehrlinge zu finden.

Soweit die schönen Nachrichten. Die schwierigeren heißen: Auch in diesem Jahr wird sich die Stadt schwer tun, die große Zahl an Flüchtlingskindern und -Jugendlichen, die noch ankommen werden, gut unterzubringen und zu versorgen. Es wird nicht gehen ohne zusätzliche Quartiere für die Kids – und auch nicht ohne eine ganze Menge neues Betreuungspersonal.

Heute legt Sozialreferentin Brigitte Meier im Stadtrat die Prognosen für dieses Jahr vor – und die sind happig:

3500 Kinder und Jugendliche werden voraussichtlich 2015 in München neu ankommen. Jede Woche 60 bis 70 Kids. Das sind an die 900 mehr als 2014 (da waren es 2610, etwa ein Drittel wurde nachträglich als „volljährig“ eingestuft und an die Regierung von Oberbayern weitergereicht).

Um die Kinder jeweils für mindestens drei Monate in München aufzufangen, braucht es bis Mai, spätestens Juni, an die 650 zusätzliche Plätze (davon müssen gut die Hälfte ganz neu geschaffen, die andere Hälfte, die es bislang nur behelfsmäßig gibt, ersetzt werden). Für Spitzenzeiten im Spätsommer und Herbst braucht es außerdem 500 zusätzliche Betten). Das ergibt dann eine Gesamtzahl von 900 Plätzen (in Spitzenzeiten 1450).

Noch wichtiger: Die Sozialreferentin braucht mindestens 30 neue Personalstellen für die Betreuung der Kids und für Verwaltungsaufgaben. Zusätzlich möchte sie sieben derzeit noch befristete Planstellen verlängern. Das wird jährlich rund zwei Millionen Euro extra kosten.

 

Wie werden die Jugendlichen untergebracht?

Nach der Erstaufnahme (die nicht länger als fünf Tage dauern sollte), kommen allein geflüchtete Mädchen und Buben unter 16 Jahren – soweit möglich – direkt in sogenannte „Schutzeinrichtungen“. Aktuell gibt es dafür rund 100 Plätze – gebraucht werden allerdings 150.

Ältere Kids werden in „Übergangswohnformen“ vermittelt, wenn es dafür freie Plätze gibt. Aktuell sind das das „Haus 19“ in der Bayernkaserne in Freimann und weitere 16 Dependancen (in Hotels oder Großräumen) die auf verschiedene Stadtviertel in München verteilt sind. Momentan leben da rund 550 16- bis 17-Jährige (für jeweils fünf Kinder ist ein Betreuer vorgesehen). Von dort werden jeden Monat an die 100 in andere Regionen Bayerns verlegt.   

 

CSU will Lehrlingsbegleiter

Der Traum von der Ausbildung: 192 jugendliche Flüchtlinge arbeiten schon als Lehrlinge in München und Oberbayern. „Diese jungen Leute sind sehr aufgeschlossen, fleißig und haben Spaß daran, etwas zu lernen“, schwärmt CSU-Stadtrat und Handwerkskammerpräsident Georg Schlagbauer. Ein Gewinn für die oberbayerischen Meisterbetriebe, die 1700 Lehrstellen nicht besetzen können, weil motivierte junge Leute fehlen.

Nun will der CSU-Stadtrat erreichen, dass die Flüchtlings-Azubis während ihrer Lehrzeit von „fachlich und sozialpädagogisch qualifizierten Personen“ begleitet werden – damit sie schneller Deutsch lernen, Hilfe beim Verarbeiten traumatischer Erlebnisse bekommen, sich integrieren und ihre Lehre erfolgreich abschließen. Finanzieren soll das ein Topf aus dem sozialen Arbeitsprogramm (MBQ) der Stadt. Kommende Woche entscheidet der Wirtschaftsausschuss über den Antrag. Wirtschaftsreferent und Bürgermeister Seppi Schmid (CSU), der die Idee massiv unterstützt: „Es ist egal, woher jemand kommt. Entscheidend ist, was jemand kann. Ich will mich weiter dafür einsetzen, dass junge Flüchtlinge in München eine Chance bekommen.“

Für Berufsschüler gibt es aktuell 264 Flüchtlingsklassen an 95 bayerischen Berufsschulen (4500 Plätze; die berufsvorbereitende Schule dauert zwei Jahre). Dazu hat Bayern 350 Übergangsklassen an Grund- und Mittelschulen für Flüchtlingskinder eingerichtet.