Die AZ stellt Münchner vor, die an Heiligabend nicht daheim sein können.

Egal, wie viel Spaß einem der Job macht – es gibt Tage, an denen arbeiten die wenigsten gerne. Weihnachten ist so eine Zeit. Wir stellen Münchner vor, die an Heiligabend nicht daheim sein können.
| Ralph Hub, Sigi Müller, Daniel von Loeper
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Erik Schönberger und Kurd Mostafa. Foto: Sigi Müller
5 Erik Schönberger und Kurd Mostafa. Foto: Sigi Müller
Andreas Staudacher, Lokführer. Foto: Sigi Müller
5 Andreas Staudacher, Lokführer. Foto: Sigi Müller
Elefanten-Tierpfleger Robert Ostermeier (44) muss fast jedes Jahr am 24. und 25. Dezember zur Arbeit kommen. Foto: Daniel von Loeper
5 Elefanten-Tierpfleger Robert Ostermeier (44) muss fast jedes Jahr am 24. und 25. Dezember zur Arbeit kommen. Foto: Daniel von Loeper
Pasinger Feuerwehrmänner (v.l.): Albert Wagner, Manuel Baumgartner, Max Wiesent, Marco Früchtl, Luca Capriati. Foto: Sigi Müller
5 Pasinger Feuerwehrmänner (v.l.): Albert Wagner, Manuel Baumgartner, Max Wiesent, Marco Früchtl, Luca Capriati. Foto: Sigi Müller
Roland Zeiler-Matthé im Klinikum Bogenhausen. Foto: Daniel von Loeper
5 Roland Zeiler-Matthé im Klinikum Bogenhausen. Foto: Daniel von Loeper

München - Heiligabend fällt heuer auf einen Sonntag. Zum Glück, werden viele Menschen sagen, die im Einzelhandel arbeiten. Sie erwischt es an Weihnachten ansonsten regelmäßig. Schuften bis zum Schluss-Gong, schnell nach Hause. Und da soll man in Weihnachtsstimmung kommen?!

Doch heuer ist alles anders. Am Sonntag haben die meisten Geschäfte zu. Bei vielen anderen Berufstätigen ist bereits Freitagnachmittag Feierabend. Doch in ein paar Branchen kann man nicht einfach für drei Tage zusperren, Weihnachten hin oder her. Bei der Polizei sind die Inspektionen besetzt. In den Krankenhäusern, bei der Feuerwehr und im Tierpark muss jemand die Stellung halten. Man kann so einem Elefanten ja nicht einen Strohballen vorsetzen und sagen: "Bis in drei Tagen, dann sehen wir uns wieder!"

Die AZ hat einige besucht, die arbeiten, damit Sie mit Ihrer Familie in Ruhe feiern können.

Polizei München - Spätere Bescherung

Erik Schönberger und Kurd Mostafa. Foto: Sigi Müller
Erik Schönberger und Kurd Mostafa. Foto: Sigi Müller

Erik Schönberger und Kurd Mostafa. Foto: Sigi Müller

Kurd Mostafa (23) arbeitet an Heiligabend. Der Polizist hat bis abends in der Polizeiinspektion in der Altstadt Dienst, danach fährt er zu den Eltern seiner Freundin. Die ist dann schon dort – wenn er kommt, werden Geschenke ausgepackt. Es ist sein erster Dienst an Heiligabend: "Ich bin gespannt!"

Für seinen Kollegen Erik Schönberger ist es bereits der vierte Dienst an Heiligabend. Heuer fällt Weihnachten für ihn quasi aus, denn er arbeitet auch an den Feiertagen. Die Freundin versteht's: "Sie ist auch bei der Polizei."

S-Bahn München - In voller Fahrt genießen

Andreas Staudacher, Lokführer. Foto: Sigi Müller
Andreas Staudacher, Lokführer. Foto: Sigi Müller

Andreas Staudacher, Lokführer. Foto: Sigi Müller

Andreas Staudacher ist seit vier Jahren Lokführer bei der Münchner S-Bahn. Der Eisenbahner arbeitet alle zwei Jahre an Heiligabend, diesmal ist er wieder mit seiner S-Bahn unterwegs.

Gelernt hat Andreas Staudacher ursprünglich ein Handwerk. Er war Fliesenleger, später Bauleiter. Doch das wurde ihm irgendwann langweilig. Er brauchte eine Veränderung. Und so bewarb er sich als Lokführer und absolvierte eine Ausbildung.

"Die Familie hat Verständnis, auch für die vielen Schichten am Wochenende und an Feiertagen", sagt Andreas Staudacher.

In diesem Jahr hat er Glück: Er wird bereits um 20 Uhr zuhause bei seiner Familie sein. Seine Tochter darf so lange aufbleiben und die Bescherung findet dann erst am Abend statt.

Als Lokführer bekommt er die üblichen Sonn- und Feiertagsprämien.

"Die Leute sind an Heiligabend freundlicher", sagt er. "Einige Fahrgäste wünschen einen schönen Heiligen Abend." Ab Nachmittag, nach Geschäftsschluss, spürt er ein bisschen den Weihnachtsfrieden. Manchmal kommt es vor, dass jemand Plätzchen gebacken hat und die an den Bahnsteig bringt.

Tierpark Hellabrunn - Weihnachten mit Elefanten

Elefanten-Tierpfleger Robert Ostermeier (44) muss fast jedes Jahr am 24. und 25. Dezember zur Arbeit kommen. Foto: Daniel von Loeper
Elefanten-Tierpfleger Robert Ostermeier (44) muss fast jedes Jahr am 24. und 25. Dezember zur Arbeit kommen. Foto: Daniel von Loeper

Elefanten-Tierpfleger Robert Ostermeier (44) muss fast jedes Jahr am 24. und 25. Dezember zur Arbeit kommen. Foto: Daniel von Loeper

Robert Ostermeier (44) ist Elefanten-Tierpfleger in Hellabrunn. Er hat fast jedes Jahr am 24. und 25. Dezember Dienst. "Diese großen Tiere sind sehr personenbezogen, einige von ihnen kenne ich schon von klein auf", erzählt Ostermeier. Für ihn sei es "wie eine Art Geschenk, wenn es den Tieren gut geht".

Im Tierpark Hellabrunn gibt es jeden Tag etwas zu tun für die Tiere. "Ich schaue immer, dass ich zumindest einen Tag an Weihnachten frei habe und dann bei meiner Familie bin", erzählt Ostermeier. "Ich habe zwei Söhne im Alter von sechs und von 14 Jahren – doch meine Familie ist es inzwischen gewöhnt, dass ich nur einen Weihnachtstag zuhause bin und an den anderen Tagen arbeite. Ich will es denjenigen, die weit zu ihrer Familie fahren müssen, ermöglichen, dass sie ein paar Tage frei haben."

Am 24. Dezember ist es im Tierpark in der Früh meistens noch sehr ruhig – am Nachmittag herrscht dann eine besondere Atmosphäre. "Oft kommen da Väter mit ihren Kindern – die können es dann meistens kaum erwarten, sehr bald nach Hause zum Weihnachtsbaum zu kommen", sagt der Tierpfleger.

Für ihn sei der Tierpark die "zweite Familie". Einige Jahre lang habe er den Elefanten immer die Plätzchen seiner Großmutter vom Vorjahr mitgebracht. Doch einmal passierte es, dass er die Elefanten wieder mit Plätzchen überraschte – "und als ich dann nach Hause kam, war die Großmutter sehr verärgert. Ich hatte doch tatsächlich die frischen Plätzchen an die Elefanten verfüttert."

Feuerwehr München - Heiligabend auf der Feuerwache in Pasing

Pasinger Feuerwehrmänner (v.l.): Albert Wagner, Manuel Baumgartner, Max Wiesent, Marco Früchtl, Luca Capriati. Foto: Sigi Müller
Pasinger Feuerwehrmänner (v.l.): Albert Wagner, Manuel Baumgartner, Max Wiesent, Marco Früchtl, Luca Capriati. Foto: Sigi Müller

Pasinger Feuerwehrmänner (v.l.): Albert Wagner, Manuel Baumgartner, Max Wiesent, Marco Früchtl, Luca Capriati. Foto: Sigi Müller

"Heiligabend auf der Wache ist eigentlich ganz schön", sagt Feuerwehrmann Albert Wagner. Er ist seit 33 Jahren bei der Münchner Berufsfeuerwehr.

An Heiligabend ist er mit seinen Kollegen 24 Stunden auf der Wache. So lange geht die Schicht. Und weil das so lange ist, dürfen die Familien die Männer auf der Wache besuchen. Albert Wagner: "Da sitzen wir dann mit unseren Frauen und Kindern alle zusammen, feiern mit ihnen gemütlich Weihnachten."

Natürlich ohne Glühwein oder sonstigen Alkohol: Wenn der Alarm losgeht, müssen die Männer fit sein und sofort ausrücken. Dann muss alles ganz schnell gehen. Die Familie muss dann nach Hause.

Weihnachten ist für die Feuerwehr kaum zu kalkulieren. Stundenlang passiert nichts, dann geht's plötzlich los. "Weihnachtsgestecke und Adventskränze sind an Heiligabend schon ziemlich trocken und können deshalb leicht Feuer fangen", sagt Luca Capriati. "Die Christbäume sind dagegen noch frisch". Und wenn's nicht brennt in der Stadt, passiert bestimmt irgendwo ein Unfall...

Krankenhaus - Ganz besondere Tage im Klinikum Bogenhausen

Roland Zeiler-Matthé im Klinikum Bogenhausen. Foto: Daniel von Loeper
Roland Zeiler-Matthé im Klinikum Bogenhausen. Foto: Daniel von Loeper

Roland Zeiler-Matthé im Klinikum Bogenhausen. Foto: Daniel von Loeper

Roland Zeiler-Matthé hat schon seit acht Jahren immer Dienst über Weihnachten. Er ist Pflegedienstleiter auf der Intensivstation im Klinikum Bogenhausen.

"Mir macht es Freude, über die Feiertage Überraschungspakete an arbeitende Kollegen zu verteilen", erzählt er der AZ. "Mir persönlich bedeutet es auch noch mehr, über Silvester frei zu haben – daher mache ich im Gegenzug Dienst an Weihnachten." Außerdem findet er es solidarisch gegenüber Kollegen. "Heiligabend hat eine besondere Bedeutung für Familien mit Kindern. Daher sollten Kollegen mit Kindern meiner Meinung nach auch Vorrang gegenüber anderen Kollegen haben."

Im Klinikum herrsche über die Feiertage "eine besondere und festliche Stimmung", erzählt er. "Die Regeln für die Besuche werden zu dieser Zeit etwas lockerer als sonst gehandhabt."


AZ-Hintergrund: So viele arbeiten an Weihnachten

Die Zahl der Arbeitnehmer mit Sonn- und Feiertagsarbeit ist in Deutschland binnen 20 Jahren um drei Millionen auf knapp 9,3 Millionen im vergangenen Jahr gestiegen.

Das geht aus der Antwort des Statistischen Bundesamtes auf eine entsprechende Anfrage der Linken im Bundestag hervor, die gestern bekannt wurde. Der Anteil der abhängig Beschäftigten an allen Arbeitnehmern, die auch an Sonn- und Feiertagen arbeiten, bewegt sich dabei seit zehn Jahren auf ähnlichem Niveau.

2016 war jeder Vierte betroffen (25 Prozent), im Vorjahr waren es 25,1 Prozent. Den höchsten Wert gab es 2011 mit 26 Prozent. 2004 waren es erst 21,8 und 1996 19,4 Prozent.

Auch in diesem Jahr müssen viele Beschäftigte an Heiligabend arbeiten, obwohl er auf einen Sonntag fällt. Mehr als jeder Dritte (35 Prozent) hat Angehörige in der Familie, die über die Feiertage arbeiten müssen – unter anderem im Krankenhaus oder in anderen Gesundheitsberufen. Dies ergab eine Umfrage des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV).

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