Die Angst vor Kinderfängern - Polizei klärt auf

Wilde Gerüchte sind in der Stadt im Umlauf. Eltern sind beunruhigt. Die Polizei klärt auf.
von  Ralph Hub

München - Die Situation ist paradox. Die Zahl der sexuellen Übergriffe auf Kinder in München sinkt seit zehn Jahren rapide, doch die Meldungen über verdächtige Beobachtungen nehmen rasant zu.

Zwei bis drei Mal die Woche melden sich verängstigte Mütter oder Väter im Präsidium. Mal sind es Freunde, die etwas gesehen haben, mal ist es eine Warnung bei Facebook, mal ein Elternbrief von Schule oder Kindergarten. Immer geht es um ein Thema: ein fremder Mann habe sich an Kinder herangemacht. Bis zu 150 derartiger Meldungen sind es jährlich in der Stadt und dem Landkreis. Allen geht die Polizei nach, Streifen in Zivil beobachten die Orte. „Bisher war nie etwas dran“, sagt Ralph Kappelmeier vom Kommissariat K 105, zuständig für Prävention und Opferschutz.

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Sorge ist verständlich, sollte aber nicht zum alles beherschenden Thema werden

„Sorge und Angst ums eigene Kind ist verständlich und auch richtig“, betont der Kriminalhauptkommissar, doch sie sollte nicht zum alles beherrschenden Thema werden. „Die Angst der Eltern kann sich übertragen, und das ist nicht gut fürs Kind“. Viel wichtiger ist es, ihnen klar zu machen, dass sie sich schützen können: Licht, Lärm, Leute – Ralph Kappelmeier nennt sie „die drei großen L“, die Rettungsinseln: „Jede Frau mit Kinderwagen, jede Bäckerei, jeder Taxistand kann eine Rettungsinsel sein, an der Kinder um Hilfe bitten können, wenn sie Angst haben oder sich unwohl fühlen.“

Viele Eltern warnen vor Fremden, davor Geschenke anzunehmen, mitzugehen oder ins Auto zu steigen. Doch die Täter sind meist keine Fremden. In bis zum 90 Prozent der Fälle kommen sie aus dem sozialen Umfeld, der Nachbarschaft, dem Verein oder sogar der eigenen Verwandtschaft. Schulen und Kindergärten sind in einer Zwickmühle. Warnen sie nicht vor verdächtigen Beobachtungen, setzen sie sich dem Verdacht aus, etwas verbergen zu wollen. Verständigen sie die Eltern, lösen sie damit oft Hysterie aus. „Wichtig ist es, solche Mitteilungen möglichst sachlich zu formulieren“, rät Ralph Kappelmeier.

Der Kommissar und seine Kollegen besuchen regelmäßig Elternabende, um aufzuklären. Infos gibt’s auch im Präsidium unter der Telefonnummer 089 / 2910 4461.