Kommentar

Das Gebot der Stunde

Der Lokalchef über die Radweg-Debatte.
von  Felix Müller

CSU-Leute stellen die Radl-Aktivisten ja gerne als ein paar verwöhnte Spinner dar, die sich erheben über die arme, schweigende Mehrheit der Münchner, die sich morgens zwischen voller U-Bahn und Auto-Stau entscheiden müsse. Das ist falsch. 160.000 Unterschriften für das Radl-Begehren haben eine enorme Wucht. Sie haben gezeigt, dass sehr, sehr viele Menschen in dieser Stadt wollen, dass die Radwege massiv ausgebaut werden. Die Politik kann und darf das nicht ignorieren.

Trotzdem geben Stadt und Verwaltung in der Umsetzung ein seltsames Bild ab. Nach dem Ärger um die Fraunhoferstraße hätte man es wissen müssen: Wer immer nur auf ein paar Hundert Metern Parkplätze streicht, aber keinen Plan hat, wann nach der nächsten Kreuzung Radwege verbreitert werden, liefert nur Stückwerk, das sich leicht kritisieren lässt. Doch von einem ernsthaften Tangential-Netz sind die Pläne immer noch weit entfernt.

Und: Im Stadtrat strahlt man zunehmend nervös aus, dass an allen Ecken und Enden gespart werden muss. Etwa beim milliardenschweren Radentscheid? Man tut so als gäbe es keine Krise, erwähnt Kosten in stundenlangen Debatten nicht einmal. Das ist absurd.

Natürlich würden sich auch hier Potenziale zum Sparen auftun. Sie ernsthaft zu suchen, ohne das Projekt als Ganzes in Frage zu stellen, wäre das Gebot der Stunde.