Concorde-Absturz 2000: Absturz aus einem Traum

Die Concorde-Katastrophe vor zehn Jahren: Der Münchner BMW-Manager Christian Eich starb in dem Flugzeug mit seiner Frau, zwei Kindern und den Schwiegereltern. Zehn Jahre später sind die Wunden kaum verheilt.
von  Abendzeitung
Die Familie starb beim Flugzeugabsturz am 25. Juli 2000
Die Familie starb beim Flugzeugabsturz am 25. Juli 2000 © Schlüter/dpa

Die Concorde-Katastrophe vor zehn Jahren: Der Münchner BMW-Manager Christian Eich starb in dem Flugzeug mit seiner Frau, zwei Kindern und den Schwiegereltern. Zehn Jahre später sind die Wunden kaum verheilt.

Warum ausgerechnet diese Menschen?“ Das fragte Diakon Andreas Müller-Cyran bei der Trauerfeier für die Münchner Familie Eich. Eine Antwort hat er bis heute nicht. „Es gibt keine Antwort – da bleibe auch ich als Seelsorger hilflos“, sagt Müller-Cyran der AZ. „Eine ganze Familie ausgelöscht – da begehrt man auf gegen die Sinnlosigkeit.“

Am Sonntag ist es zehn Jahre her, dass der Münchner BMW-Manager Christian Eich mit seiner Frau Andrea, den Kindern Maximilian und Katharina und den Schwiegereltern Andreas und Maria Schranner beim Absturz der Concorde ums Leben kam.

Die Familie wollte nach New York fliegen und von dort aus mit dem Kreuzfahrtschiff „MS Deutschland“ weiter in die Karibik. „Diese tolle Reise war schon ein Lebenstraum von Christian Eich“, erzählt sein langjähriger Kollege und Freund Richard Gaul. Einmal mit dem schnellsten Flugzeug der Welt fliegen – und danach ganz traditionell mit dem Schiff weiterfahren. Auf dem Schiff wollte die Familie auch Andreas Schranners Geburtstag feiern.

Eich war Leiter der Sparte mobile Tradition bei BMW und damit auch Chef des BMW-Museums. „Er hatte selbst zwei Oldtimer. Und die Profilierung der Sparte mobile Tradition ist sein Werk“, sagt Gaul. „Das BMW-Museum, die BMW-Welt, das alles würde es ohne ihn in seiner heutigen Form nicht geben.“ So war es Eich, der initiierte, dass BMW die Oldtimer-Flotte fahrtüchtig machte, dass Fans und Freaks bis heute damit unterwegs sein können.

Christian Eich war 57 Jahre alt, seine zweite Frau 38, die Kinder waren zehn und acht. Mit 60 wollte Eich in den Ruhestand, und er freute sich drauf. „Er wollte mehr Zeit haben für seine junge Familie und für sein Hobby, die Oldtimer“, sagt Richard Gaul.

Als es am späten Nachmittag passierte, war Gaul in Bayreuth, bei der Eröffnung der Festspiele. „Dort war auch der französische Kulturminister“, sagt er. „In der ersten Pause, so um kurz vor 18 Uhr, war eine ungewöhnliche Unruhe. Da wurde der französische Minister informiert und er ist dann abgereist.“ Gaul selbst erfuhr erst spät nachts von dem Absturz. „Eich hatte mit seiner Familie noch sehr viel vor. Damals habe ich zu den Angehörigen gesagt: ,Vielleicht tröstet es, dass er glücklich war.’“

Für die Kinder in der Grundschule in Oberföhring war der Tod ihrer Klassenkameraden ein Schock. „Die waren fix und fertig, alle haben geheult“, sagt Charles. M. Huber. Der Schauspieler und seine Frau waren Bekannte der Eichs, die Kinder waren Klassenkameraden. Noch wenige Tage vor dem Absturz gab es an der Schule ein Kinderfest zum Ausklang des Schuljahres.

Die Hubers und die Eichs unterhielten sich ausgerechnet übers Fliegen. „Meine Frau sagte: ,Wir fliegen immer getrennt. Wenn einem was passiert, dann haben die Kinder noch den anderen Elternteil’“, erinnert sich Huber. „Frau Eich sagte: ,Wir fliegen lieber gemeinsam. Wenn dann etwas passiert, muss niemand um den anderen trauern.’ Unglaublich, dass sie das gerade wenige Tage vor dem Unglück gesagt hat.“

Die Kinder zündeten bei der Trauerfeier viele Kerzen an für ihre Freunde. Ein Klassenkamerad schrieb damals in ein Fürbittenbuch: „Lieber Gott, lass die Menschen nicht abstürzen. Zum Beispiel Maxi Eich.“

Mit dem Tod der Familie wird im Internet bis heute Schindluder getrieben. Es kursieren seit Jahren Spam-Emails, sowohl Christian Eich betreffend, als auch seinen Schwiegervater Andreas Schranner: Dort behaupten diverse Leute, sie seien Mitarbeiter einer Bank, bei der Eich/Schranner Millionen geparkt hätten. Da die ganze Familie umgekommen sei, gebe es niemanden, an den man das Geld auszahlen könne. Man suche deswegen jemanden, der sich als Angehöriger ausgibt, so käme man an die Millionen und könne sie sich teilen.

Frei erfunden sind solche Mails und darauf aus, dass naive Menschen antworten und dann Geld für die Abwicklung eines vermeintlichen Deals vorschießen. Abgesehen davon, dass es natürlich Hinterbliebene gibt, etwa einen Sohn aus Eichs erster Ehe oder die Geschwister seiner Frau.

Nicht nur für sie ist der Tod von Katharina, Maxi, ihren Eltern und Großeltern noch sehr präsent. „Es ist noch heute groß und furchtbar“, sagt jemand von der Grundschule. „Jedesmal wenn wir an dem Haus vorbeifahren, denken wir an die Familie“, sagt auch Charles M. Huber. „Wenn man Kinder im gleichen Alter hat, berührt einen das besonders.“

Diakon Andreas Müller-Cyran stand mit den Angehörigen weiter in Kontakt. Als Seelsorger begleitet er viele, die nahe Menschen verloren haben. „Dass die Zeit Wunden heilt, stimmt nur bedingt. Es wächst eine dünne Haut, man lernt, damit umzugehen. Aber der Schmerz bleibt.“

Tina Angerer