Interview

Aykan Inan: "Es gibt schon Städte mit Gebetsrufen"

Aykan Inan, Geschäftsführer der Türkisch Islamischen Union Ditib in Südbayern, im AZ-Interview.
von  Hüseyin Ince
Aykan Inan.
Aykan Inan. © Christian Selbherr/missio München

München - Aykan Inan vom südbayerischen, muslimischen Ditib-Verband hat am Montag ebenfalls an dem interreligiösen Dialog teilgenommen. Die AZ hat mit ihm gesprochen.

Wird es Muezzin-Rufe auch in München geben?

AZ: Herr Inan, in Köln wird gerade über Muezzin-Rufe diskutiert. Wie ist es in München?
AYKAN INAN: Die gab es hier schon, in der Pandemie. Da wollten die muslimischen Gemeinden ihren Mitgliedern zeigen, dass noch Leben in den Gebetsräumen ist, obwohl sich darin keiner versammeln durfte.

In München leben mehr als 100.000 Muslime. Wird es hier ein Thema sein?
Wir wollen keine kontroversen Diskussionen. Aber wir schauen, wie es in Köln funktioniert. Dort war es ja eine Initiative der Stadt. Übrigens, es gibt schon deutsche Städte, wo zum Gebet gerufen wird. In Gelsenkirchen zum Beispiel.

Muslimischer Kindergarten auch für christliche Kinder: "Rechtliche Hürden"

Am Hasenbergl ist es wohl so, dass muslimische Eltern ihre Kinder gerne in katholische Kindergärten schicken. Könnte das mal umgekehrt sein?
Auch das Modell existiert bereits, in Mannheim zum Beispiel. Träger ist die dortige muslimische Gemeinde. Die Hälfte der Kinder ist muslimisch, die andere Hälfte hauptsächlich christlich. Wenn es in München mal einen muslimischen Kindergarten geben sollte, wird das bestimmt ähnlich.

Gibt es Bestrebungen?
Ja, aber es sind einige rechtliche Hürden zu bewältigen.

Wir haben von der Bestattungskultur im Senegal gehört. Vor Kurzem wurde in Bayern die Bestattung ohne Sarg erlaubt, nach muslimischem Brauch.
Es wird noch nicht praktiziert. Die Friedhofsordnung muss noch angepasst, die Mitarbeiter müssen geschult werden. Das dauert alles noch.

Radikalisierung unter Muslimen ist ja immer wieder ein Thema, auch im Senegal. Der IS hat einige Muslime aus Deutschland gelockt. Wie kommt man dem zuvor?
Im Senegal funktioniert das anscheinend über die Bruderschafts-Struktur der Sufisten. Es gibt einen Anführer, der solche Tendenzen abfängt, auf den alle hören. Auch die Moscheegemeinden machen eine ähnliche Arbeit. Sie setzen klare Linien zwischen Richtig und Falsch. Aber das hat natürlich seine Grenzen. Wenn jemand kein aktives Mitglied der Gemeinde ist, hat man keinen Zugang.