AfD-Stadtrat lässt Mietwohnung verdrecken - und klagt

Zwei Putzkolonnen bekommen die Wohnung des Stadtrats nach dem Auszug nicht sauber. Der Mietstreit endet vor Gericht.
| Christina Hertel
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AfD-Stadtrat Daniel Stanke mit seinem Anwalt vor Gericht. Er soll seine Wohnung nicht in Schuss gehalten haben.
AfD-Stadtrat Daniel Stanke mit seinem Anwalt vor Gericht. Er soll seine Wohnung nicht in Schuss gehalten haben. © Daniel von Loeper

München - "Deutschland. Aber normal. Das schreibt die AfD auf ihre Wahlplakate. Aber, wenn das hier in Deutschland normal ist ... na, dann, gute Nacht", sagt Andreas Vogel, dessen Name eigentlich anders lautet.

Verdreckte Wohnung: Münchner Vermieter behält Kaution

Auf seinen Knien liegt ein dicker Ordner. Darin abgeheftet sind Fotos von Schimmel und Kalk, von Kratzern und Flecken. Das hat der AfD-Stadtrat Daniel Stanke in Vogels Wohnung angerichtet.

Und Vogel hat den Schaden dokumentiert, weil es Tausende Euro kostete, alles wieder zu reparieren. Vogel behielt deshalb die Kaution und deshalb sitzt er an diesem Dienstagmittag in einem Flur des Münchner Amtsgerichts.

Zwei Putztrupps müssen ehemalige Wohnung von AfD-Stadtrat säubern

Sein Ex-Mieter Daniel Stanke, Anfang 40, ist einer von drei AfDlern im Münchner Stadtrat. Er ist in München geboren, aufgewachsen und arbeitet als Ingenieur in der Autobranche. Zuletzt machte er Wahlkampf damit, dass Familien besonders schützenswert seien. Mit seiner Frau und seinen zwei Kindern zog er vor acht Jahren in Vogels 93 Quadratmeter große Wohnung in Nordschwabing ein, damals war diese neu. Als Familie Stanke vergangenes Jahr wieder auszog, musste Vogel gleich zweimal Putztrupps anrücken lassen, um alles wieder sauber zubekommen.

Schimmel- und Kalkablagerungen in der Wohnung.
Schimmel- und Kalkablagerungen in der Wohnung. © privat

Erst beauftragte Vogel einen Minijobber für 15 Euro die Stunde. Doch nach fünf Stunden sei dieser noch nicht einmal mit der Küche fertig gewesen, sagt Vogel. Die Nachmieter wollten bald einziehen, also entschloss sich Vogel für eine professionelle Reinigungsfirma.

Zwei Putzleute waren dann noch einmal sieben Stunden damit beschäftigt, die Wohnung zu reinigen. Sie entfernten "Klebereste" am Kühlschrank, wie es in der Rechnung heißt. Vor allem aber kämpften sie gegen Schimmel und Kalk in Küche und Bad - am Ende ohne Erfolg. Eine Rechnung von 475 Euro stellten sie trotzdem.

Weil sich der Kalk so sehr ins Metall der Duschwand gefressen hatte, musste Vogel sie am Ende ersetzen. "Mich hätte es gegraust, da drin zu duschen", meint er.

Schimmel- und Kalkablagerungen in der Wohnung.
Schimmel- und Kalkablagerungen in der Wohnung. © privat

AfD-Stadtrat fordert halbe Kaution von 4.000 Euro zurück

Weil außerdem die Malerarbeiten teurer wurden, als zunächst veranschlagt, weil im Parkett Macken und Schrammen waren, behielt Vogel die Kaution von fast 4.000 Euro. Etwa die Hälfte davon forderte der AfD-Mann aber zurück. Doch Vogel weigerte sich. Also zog der Stadtrat mit seiner Frau, die bei der Verhandlung eine weiße Perlenkette trägt, vor Gericht und verklagte seinen ehemaligen Vermieter.

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Die Chancen, allerdings die Kaution tatsächlich behalten zu dürfen, seien gering, so vermittelte es die Richterin gleich zu Beginn der Verhandlung. Zum Verhängnis wurde Vogel ausgerechnet, dass er alles richtig machen wollte. In einer Schlussvereinbarung regelte er, was seine Mieter alles an Reparatur- und Reinigungskosten übernehmen sollten. Allerdings sah er das Ausmaß des Schadens erst später.

Mit etwas Kalk- und Schimmelentferner lasse sich das Ganze schon richten, habe er anfangs gedacht - und sich bitter getäuscht. Am Ende eigneten sich der AfDler Stanke und sein Vermieter Andreas Vogel auf einen Vergleich. Doch den Großteil des Geldes sieht er nicht wieder. Von knapp 2.200 Euro Kaution, um die es am Ende noch ging, darf er 800 Euro behalten.

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