Der Alpenherbst: Schmankerl für Genießer

Wenn der Sommer sich mit großen Schritten aus Tälern und Höhen verabschiedet, beginnt in den Alpen rund um den Chiemsee eine geradezu magische Zeit: Der Alpenherbst.
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Der Chiemgau im Herbst ist eine geradezu surreal wirkende Landschaft. Fast könnte man glauben, alles stünde für einige Wochen still, um sich vom Sommertourismus zu erholen und Luft für die Wintersportler zu holen.
fotolia.com © auergraphics Der Chiemgau im Herbst ist eine geradezu surreal wirkende Landschaft. Fast könnte man glauben, alles stünde für einige Wochen still, um sich vom Sommertourismus zu erholen und Luft für die Wintersportler zu holen.

München - Er bedeutet für die Tourismusbranche nicht nur eine kleine Atempause, sondern macht es Besuchern auch möglich, die Region aus einem ganz anderen, ursprünglicheren Blickwinkel zu betrachten. Was es im Herbst zu entdecken gibt und wie sich Reisende richtig vorbereiten, erklärt der folgende Ratgeber.

1. Warum der Alpenherbst so besonders ist

Grundsätzlich sind die wenigen Wochen zwischen dem Ende des Sommers und den ersten Schneefällen nicht nur im Chiemgau, sondern in den gesamten Alpen ein außergewöhnlicher Zeitraum, der so im restlichen Jahr nicht vorkommt: Im Spätherbst, meist Mitte Dezember, beginnt in den Chiemgauer Alpen die Wintersaison – also die mit Abstand arbeits- und touristenreichste Zeit. Und je nach Wetterlage geht diese im Frühling nahtlos in die Sommersaison über – die Skifahrer verschwinden, es kommen die Wanderer und Mountainbiker.

Ab Mitte August wird es jedoch für einige Wochen ruhiger. Das hat nicht nur Vorteile für die Tourismusbranche, die am Ende des Sommers auf über ein halbes Jahr ununterbrochene Arbeit zurückblicken darf und jetzt vor einer verdienten Verschnaufpause steht, sondern auch für die Touristen: Wer im Herbst anreist, kann sich nicht nur über günstigere Nebensaison-Preise freuen, sondern auch auf in allen Rot- und Goldtönen schimmernde Landschaften und nicht zuletzt auch auf sehr viel mehr Ruhe. Der Alpenherbst ist etwas für Ruhesuchende, für Fans malerischer Herbstlandschaften.

Auch in den Chiemgauer Alpen ist der Herbst die Zeit für den traditionellen Almabtrieb, bei dem die Tiere von ihren Sommeralmen hinunter in die Stallungen geführt werden – prachtvoll geschmückt. Foto: fotolia.com © Rionegro

2. Kultur und Kulinarisches? Ja, gerne

Wenn es nicht mehr nur darum geht, großen Touristenmengen einen schönen Ski- oder Sommerurlaub zu bescheren, kommt in der Chiemgau-Region auch die Kultur zu ihrem Recht. Und dann finden auch Veranstaltungen statt, in der es eher um das leibliche Wohl geht.

• Ein Beispiel für den kulinarischen Herbst sind die Reherl- und Steinpilzwochen im Hotel Landgasthof zum Schildhauer in Hafling, die vom 1. August bis zum 30. September andauern. Zum Verständnis: Der Herbst, als traditionelle Zeit der Jagd, bietet für den Gaumen wahre Hochgenüsse an Wildbret, die nur in diesen wenigen Wochen serviert werden können. Gleiches gilt auch für Pilze.

• Fans klassischer Musik bekommen ihr Schmankerl in Bad Kohlgrub: Dort finden vom 16. Bis 18. September die Klassiktage Ammergauer Alpen statt. Das Event richtet sich dabei nicht nur an routinierte Klassik-Fans, sondern ausdrücklich auch an Neulinge, die in diese Musikform hineinschnuppern möchten.

• Am 12. und 16. September heißt es in Gstadt-Gollenshausen: Wanderschuhe schnüren und Brotzeit in den Rucksack stecken. Dann veranstaltet die Tourist-Info nämlich geführte Bergwanderungen im Gebiet Klausen, Heuraffel, Laubenstein. Das Besondere daran: Die Touren richten sich an Neulinge und sind deshalb so gewählt, dass sie auch ohne ausgesprochene „Bergsteiger-Haxn“ bewältigt werden können.

• Große Kunst wartet im Rathaus von Wasserburg am Inn zwischen dem 30.7. und 28.8. auf Besucher: Die Große Kunstausstellung 2016 des Arbeitskreis 68 zeigt die Werke von nicht weniger als 169 Künstlern aus ganz Europa. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt der 283 Werke auf Malerei und Grafik, aber auch Plastiken und Skulpturen kommen nicht zu kurz.

• Neben der großen Kunst wartet auch die etwas „kleinere“ Kunst auf Besucher: Die Stadt Rosenheim ist seit über zehn Jahren Schauplatz und Drehort der ZDF-Erfolgsserie „Die Rosenheim-Cops“. Und die Veranstaltung Auf den Spuren der Rosenheim-Cops führt Fans vom 3. August bis zum letzten Dezember-Tag entlang der wichtigsten Stationen der Serie. Besucher erfahren dort nicht nur mehr über die Hintergründe von Gebäuden und Plätzen, sondern auch die der Serie und ihren Schauspielern.

• Das vielleicht ur-bayrische Schmankerl ist die Weißwurst. Doch die meisten Touristen wissen weder, wie sie richtig „gezuzelt“, noch wie sie hergestellt wird. Mit diesen Wissenslücken räumt das Seminar „Weiß Wurst is?“ der Metzgerei Angermann in Aschau am 26. August auf. Besucher lernen nicht nur, was in der Weißwurst steckt, sondern auch, wie sie richtig zubereitet wird und natürlich jede Menge Geschichte und Geheimnisse hinter der Leckerei.

Kaum ein Tourist verlässt Bayern, ohne zumindest einmal Weißwurst gekostet zu haben. Doch um sie richtig zu zerlegen, ist etwas Wissen erforderlich. Foto: fotolia.com © Printemps

• In klaren Herbstnächten schimmern die Sterne über dem Chiemgau besonders beeindruckend. Da passen die Sternführungen des Diplom-Ingenieurs Manuel Philipp auf der Ratzinger Höhe besonders gut. Der Fachmann erklärt Besuchern nicht nur die Sternbilder an sich, sondern vermittelt auch Wissen über die Galaxien, Planeten und Sternensysteme. Und das Besondere: Alles lässt sich mit bloßem Auge sehen.

Doch sind diese Punkte nur ein sehr kleiner Ausschnitt aus den Aktivitäten im herbstlichen Chiemgau. Allein im September gibt es in der Region 753 Veranstaltungen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Denn auch, wenn der Herbst etwas Ruhe in den Chiemgau bringt, bedeutet das nicht gleichzeitig auch Langeweile.

3. Der Alpenherbst: Kühl wird’s

Je nach Lage wird es im hochsommerlichen Chiemgau richtig heiß. Kommt dann noch Föhn hinzu, können Wetterfühlige schon einige schwere Tage erleben. Und wenn im Winter eisige Winde fegen, müssen sich nicht nur Ski- und Snowboardfahrer warm einpacken. Doch im Herbst herrschen sehr angenehme, aber weniger vorhersagbare Bedingungen.

Fürs Auge ist der Alpenherbst mit seinen Lichtverhältnissen und der unglaublichen Farbenpracht ein echter Hochgenuss. Foto: fotolia.com © DirkR

Grundsätzlich müssen Herbst-Touristen etwas mehr Kleidung mitbringen. Das liegt an den wettertechnischen Besonderheiten der Region: An sonnigen Tagen kann auch im September und Oktober das Quecksilber noch leicht die 20-Grad-Marke knacken. Doch je wolkenloser der Tag, desto kälter wird es in der Nacht. Wer sich vormittags in Hemd und kurzer Wanderhose in die Chiemgauer Alpen aufmacht, wird sich so lange wohlfühlen, bis die Sonne hinter den Berggipfeln verschwunden ist. Denn dann wird es „richtig schattig“. Nachts können die Oktobertemperaturen je nach Höhenlage schon unter den Gefrierpunkt fallen. Vor allem sollte auch der Sonnenstand bedacht werden: Sein Winkel ist bereits Ende September merklich flacher. Manche Hangseiten und Täler, die im Sommer noch den ganzen Tag in der prallen Sonne liegen, bekommen dann nur noch wenige Strahlen ab und liegen im Schatten.

Der große Vorteil dieses Wetters: Tagsüber ist es unglaublich angenehm. Das ermöglicht beispielsweise auch Anfängern ein sehr entspanntes Wandern, viele Hütten des Alpenvereins öffnen auch erst nach der Sommersaison, andere haben bereits geschlossen. Und gleichzeitig sollten genau wegen dieser veränderten Bedingungen im Rucksack zusätzliche Kleidungsschichten verstaut werden, auf die bei Bedarf zurückgegriffen werden kann:

• Die Füße sollten im Herbst nicht mehr in Trekking-Sandalen stecken. Deren Zeit ist definitiv vorbei. Stattdessen sind halbhohe Wanderschuhe mit passenden Socken jetzt die Schuhmode der Wahl. Vor allem sollten diese wasserdicht sein: Der Herbst ist im Chiemgau die Phase des Morgentaus. Und oft trocknet der den ganzen Tag über nicht mehr ab, nässt also noch am frühen Nachmittag die Wanderschuhe ein.

• Die vielleicht optimale Lösung für die Beine sind Outdoor-Hosen, deren untere Beinpartien sich via Reißverschluss abtrennen lassen. So kann bei der Bergwanderung in strahlendem Sonnenschein noch ein wenig Bräune getankt werden. Und sobald es zu kühl wird, sind die Waden schnell wieder von einer schützenden Stoffschicht umgeben.

• Obenrum sollten Besucher nach der Zwiebeltaktik vorgehen: Ein T-Shirt ist eine gute Basis und verhindert bei anstrengenden Passagen eine Überhitzung. Bei Bedarf kann es durch ein darüber getragenes Hemd mit langen Ärmeln ergänzt werden. In jedem Fall empfiehlt es sich, noch eine Softshell- oder Funktionsjacke in den Rucksack zu packen. Spätestens, wenn die Sonne weg ist, reicht das Hemd schlicht nicht mehr aus.

• Ebenfalls mit in den Rucksack gehört Wechselwäsche: Wer tagsüber beim Aufstieg noch mächtig schwitzt, wird im Schatten mit feuchter Unterkleidung sehr schnell frieren.

• Eine Sonnenbrille ist wegen des bereits angesprochenen Sonnenstandes sowieso Pflicht. Daneben sollten Urlauber aber auch ruhig eine dünne Fleece-Mütze einpacken. Besonders auf Berggipfeln kann es schon sehr eisig winden und so rasch für schmerzende, durchgefrorene Ohren sorgen. Aus dem gleichen Grund sollten übrigens auch dünne Handschuhe nicht in der Urlaubs-Ausrüstung fehlen.

• Und weil besonders Urlauber, die mit dem Alpenherbst noch keine Erfahrungen haben, auf Touren flugs von der Dunkelheit überrascht werden können, sollte keine Wanderung ohne Stirn- oder Taschenlampe erfolgen, um einen sicheren Heimweg zu garantieren. Stirnlampen sind dabei zu bevorzugen, denn sie lassen die Hände frei. Etwa zur Benutzung von Wanderstöcken.

Grundsätzlich gilt: Der Herbst ist die vielleicht schönste Urlaubszeit in den Alpen, von allem für Wanderer: Alles ist sehr viel entspannter. Die Temperaturen treiben kaum noch jemandem den Schweiß auf die Stirn und Gedränge findet sich selbst an sehr beliebten Passagen kaum noch. Wichtig ist wirklich nur, dass man sich den veränderten Situationen anpasst und verinnerlicht, dass es auch an einem noch so sonnigen und warmen Herbsttag sehr schnell kühl werden kann.

Angesichts des Morgentaus kann es abseits der Wege auch durchaus hilfreich sein, die Schuhe um wasserdichte Gamaschen zu ergänzen um die Hosenbeine vor der Nässe zu schützen.Foto: fotolia.com © ARochau

Aber: Wer das realisiert, der wird mit einer unvergleichlichen Aussicht belohnt: Der Stand der Sonne sorgt nämlich auch für veränderte Lichtverhältnisse. Alles wirkt dadurch gedämpfter und zarter. Kommt noch das Herbstkleid der Alpenflora hinzu bieten sich so eindrucksvolle Panoramen, die es vielleicht so in ganz Deutschland kein zweites Mal gibt – und aus diesem Grund sollte auch bloß kein herbstlicher Urlaub ohne eine passende leichte Kamera angegangen werden, um diese Augenblicke festzuhalten.

Fazit

Der Alpenherbst im Chiemgau ist eine ganz besondere Zeit. Obwohl es insgesamt ruhiger wird, sind das die Wochen der Genießer und Entspanner unter den Touristen. Wer im September und Oktober anreist, bekommt einen Urlaub, den weder Winter- noch Sommertouristen in dieser Form erleben können – und gleichzeitig das Beste aus beiden Jahreshälften.

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