Darauf müssen Sie bei der Altersvorsorge achten

Wer auf die Rente zugeht, braucht eine andere Finanzstrategie als bisher, um seinen Wohlstand halten zu können. Die AZ zeigt Ihnen, worauf es dann ankommt.
von  AZ/sx
Georg Plötz.
Georg Plötz. © Verbraucherzentrale

München - Altersvorsorge betrifft nicht nur Menschen in jüngeren Jahren. Auch Senioren, die bereits im Ruhestand sind oder kurz vor dem Renteneintritt, sollten sich unbedingt damit auseinandersetzen, sagt Georg Plötz, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale (VZ) Bayern. Denn: "Altersvorsorge ist nichts anderes als eine Geldanlage", sagt Plötz. Im Alter sei die Sparphase jedoch beendet. Jetzt geht's nur noch darum, dass das Ersparte nicht so schnell schmilzt.

Altersvorsorge: Was wichtig ist

Kalkulation

Im Alter setzt sich das Einkommen anders zusammen als in jüngeren Jahren. So müssen beispielsweise keine Beiträge mehr für die Rentenversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung bezahlt werden, Kosten fürs Pendeln zum Arbeitsplatz oder Berufskleidung fallen weg, ebenso Zahlungen an die Kinder.

Allerdings steigen teils auch die Ausgaben: Endlich ist Zeit zum Reisen und für Freizeitaktivitäten, aber auch Gesundheitskosten können steigen. Dazu kommt: Die Renteneinkünfte sind immer brutto. Je nach Höhe müssen sie versteuert werden, zudem werden noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgezogen.

Ebenso berücksichtigt werden müssen die voraussichtlich steigenden Mieten und die Inflation: "Wenn jemand heute von 2.000 Euro im Monat lebt, dann braucht er in 20 Jahren vielleicht 3.000 Euro", so Plötz. "Man muss im Hinterkopf haben, dass der Bedarf immer mehr wird." Das gilt auch für privat Krankenversicherte.

Um den aktuellen Bedarf zu ermitteln sollte daher über einen längeren Zeitraum ein Haushaltsbuch geführt werden. Ein solches gibt’s auch von der VZ ("Das Haushaltsbuch", Ratgeber und Tabellen, 7,90 Euro, erhältlich im Handel und bei der VZ). Nicht nur die Ausgaben für den Alltag müssen erfasst werden, sondern auch (geplante) größere Anschaffungen.

"Gerade am Anfang ist man noch fitter, da braucht man mehr Geld zum Leben", sagt Plötz. Aber auch später können hohe Kosten dazukommen, etwa für Zahnarztrechnungen, rollstuhlgerechte Umbauten, private Pflege oder für den Lebensabend im Seniorenheim.

Georg Plötz.
Georg Plötz. © Verbraucherzentrale

 

Hinterbliebenenschutz

Bei der Suche nach der richtigen Altersvorsorge bleibt eine Frage allerdings oft auf der Strecke: Wie gut passen die ausgewählten Spar- und Versicherungsanlagen für den Ehepartner? Es komme nicht selten vor, dass Paare zusammen ganz gut abgesichert seien, sagt Plötz. Kommt es dann aber zu einem Todesfall, könnte sich für den Hinterbliebenen das Blatt schnell wenden. Dies sei vielen zunächst nicht klar, sagt Plötz.

Er berichtet von einem klassischen Fall: Hier hatte ein Mann 100.000 Euro aus einer Lebensversicherung bekommen, die er in den 80er Jahren abgeschlossen hatte. Daraufhin hatten er und seine Frau von einem Versicherungsmakler das Angebot bekommen, das Geld in Sofortrente anzulegen. Der Haken: Der Vertrag hätte auf den Namen des Mannes laufen sollen. Der sogenannte Hinterbliebenenschutz war jedoch nur für zehn Jahre vorgesehen.

Was bedeutet: Wenn der Ehemann stirbt, erhält die Frau nur zehn Jahre lang – gerechnet ab der ersten Auszahlung an den Mann – die privaten Rentenzahlungen. Der Rest des Geldes – er wäre futsch.

Tatsächlich gebe es nicht wenige Paare, bei denen nur der Mann gut abgesichert sei. Das ist oft dann der Fall, wenn der Mann der klassische Verdiener war – und dann im Alter das höhere oder alleinige Einkommen hat. Oft laufen dann Lebens- oder private Rentenversicherungen auf dessen Namen. "Deshalb ist es immer ganz wichtig, dass sich beide Ehepartner drum kümmern", sagt Experte Plötz.

Anlageform

"Soll ich mit 65 noch spekulative Anlagen tätigen?""Hat eine Rentenversicherung Sinn?" Die Antwort auf diese und weitere Fragen hängt stark von der zur Verfügung stehenden Summe ab. "Gerade bei jenen, die nur kleine Beträge haben, ist es wichtig zu schauen: Wie kann ich Liquidität aufrecht erhalten und ausbauen?", sagt Plötz. Dann muss sehr genau kalkuliert werden.

"Es kommen aber auch Leute, die sagen: ,Ich hab gerade so eine riesen Summe ausgezahlt bekommen, die erschlägt mich fast‘", so der Experte. Wie bei dem Ehepaar aus dem Beispiel: "Der Mann war ein wenig risikobereit und hat einen Teil des Geldes in einem breit streuenden Aktienfonds angelegt", sagt Plötz. "Aber man kann natürlich nicht alles spekulativ anlegen."Einen weiteren Teil hat das Paar deshalb in einen sogenannten Bankauszahlplan investiert. Dabei handelt es sich um ein Sparkonto, von dem aus monatlich ein gewisser Betrag als eine Art zeitlich begrenzte Zusatzrente an das Ehepaar überwiesen wird. Je länger die Laufzeit, desto höher sind die Zinsen – in diesem Fall 0,7 Prozent auf fünf Jahre.

Ob Anlagen in Sparbriefen, Aktien- oder Immobilienfonds oder in Sofortrenten sinnvoll sind, hängt von den individuellen Bedürfnissen und Voraussetzungen ab. Wichtig sei jedoch, sich im Vorfeld genau zu überlegen, zu welchem Zeitpunkt man wie viel Geld brauchen könnte – und man darauf dann auch Zugriff hat.

Wie finde ich den richtigen Berater?

Bei der Verbraucherzentrale (VZ) können sich Interessierte auch individuell beraten sowie unterschriftsreife Verträge nochmal überprüfen lassen (kostet pro halbe Stunde 30 Euro, nur mit Terminvereinbarung). Die Finanzexperten der VZ empfehlen aber keine einzelnen Produkte.

Empfehlungen finden Verbraucher dafür aber zum Beispiel in Zeitschriften wie Finanztest und Ökotest oder auf Internetplattformen wie Finanztipp, die regelmäßig eine Übersicht bieten.

Für Verbraucher, die sich mit Finanzthemen nicht auskennen und sich deshalb lieber an einen seriösen Honoraranlageberater wenden, könnte eine Beratung bei der VZ eine gute und günstigere Vorbereitung sein: Denn der Stundensatz von unabhängigen Honorarberatern liegt bei etwa 150 bis 200 Euro. Sie arbeiten auf Honorarbasis und erhalten – normalerweise – keine Provisionen.

Berater hingegen, die für die Vermittlung von Produkten Provision erhalten, erkennt man normalerweise daran, dass die Beratung kostenlos ist. Aber: "Das ist eigentlich nur dann wirklich kostenfrei, wenn man nichts abschließt", sagt Georg Plötz von der VZ. Denn: Diese Berater oder Makler leben von der Provision, die sie für ihre Abschlüsse bekommen – und deren Höhe hängt meist davon ab, wie lukrativ der Abschluss für den Anbieter ist.

Wer einen unabhängigen Honorarberater sucht, wird hier fündig: berater-lotse.de, bundesweitefinanzberatung.de, bvvb.de, honorarberater-finden.de


Vortrag zum Thema

Am Montag, 29. April 2019 hält Georg Plötz einen Vortrag zu diesem Thema für Menschen im Ruhestand oder kurz davor (Verbraucherzentrale Bayern e.V., Mozartstraße 9, Beginn: 18 Uhr, Gebühr: 10 Euro, Anmeldung: Tel.: 089 552794131).

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