Haartransplantation – das letzte Mittel gegen Haarausfall?

Für viele Männer bringt der Blick in den Spiegel Frust, wenn sich Geheimratsecken oder erste Ansätze für eine Glatze zeigen. Sie setzen den Haarverlust mit dem Verlust der Potenz gleich. Das war auch schon in der Bibel so, als Samson seine übermenschlichen Kräfte verlor, als ihm die Haare geschnitten wurden. Moderne Männer investieren sehr viel Geld – jährlich etwa 200 Millionen Euro – in Haarpflegeprodukte, damit genau das nicht passiert, dass die Haare nicht verloren gehen.
| Steffen Breier
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Manchen Menschen macht die Haarlosigkeit nichts aus, andere leiden sehr darunter.
Manchen Menschen macht die Haarlosigkeit nichts aus, andere leiden sehr darunter. © Pixabay © 858265

Der erste Gedanke: „Jetzt brauche ich eine Transplantation!“

Für viele Männer ist die Haartransplantation die letzte Lösung, wenn sich das Haupthaar lichtet, so denken sie zumindest. Doch zunächst gilt es, die Ursache zu finden. Bei einer Transplantation entnimmt der Chirurg einzelne Haare vom Hinterkopf oder einer anderen noch gut mit Haaren bewachsenen Stelle. Diese verpflanzt er dann an eine Stelle am Oberkopf, die immer kahler wird.

Diese Behandlung sollte Experten zufolge nicht zu früh beginnen. Betroffene sollten mindestens schon 25 Jahre alt sein, besser wäre es noch näher an der 30. Wenn die Haartransplantation zu früh erfolgt, kann das im Ergebnis weniger gut aussehen als der sich abzeichnende Haarverlust. Außerdem lassen sich Entstehung und Fortschreiten der Glatze nicht aufhalten durch die Transplantation. Schlimmstenfalls sind nicht genügend Haare vorhanden, um die kahlen Stellen aufzufüllen. Dann sieht es so aus, dass sich kahle Stellen und kleine, vereinzelte Haarbüschel abwechseln würden.

Gerade jüngere Männer sollten sich zunächst darauf konzentrieren, ihre Haare zu erhalten und den Haarausfall aufzuhalten. Zudem müssen sich Fachärzte in jedem Einzelfall ein detailliertes Bild machen. So zum Beispiel der in Berlin ansässige Reza P. Azar, er forscht und behandelt seit vielen Jahren und teilt seine Erkenntnisse in Fachbüchern oder bei Galileo auf ProSieben. Er setzt die Haartransplantation erst als letztes Mittel ein, denn es gibt andere effektive Maßnahmen ohne operativen Eingriff. Zudem kommt nicht jeder für eine Haartransplantation infrage: Neben der verfügbaren Anzahl an Haaren und der Ursache des Haarausfalls spielt auch die Familiengeschichte eine Rolle. Erst nach einer gründlichen Diagnose und dem Ausschöpfen regenerativer Therapien wird eine Haartransplantation geplant und durchgeführt. Wie das abläuft und was es zu klären gilt, zeigt er in seinem Beitrag zur Haartransplantation

Nicht immer sterben die Haarfollikel ab

Die Wenigsten sind mit vollem Haar bis ins hohe Alter gesegnet!
Die Wenigsten sind mit vollem Haar bis ins hohe Alter gesegnet! © Pixabay © pexels

 Wenn die Haare nicht ständig nachwachsen würden, hätten alle Menschen nach wenigen Jahren keine Haare mehr auf dem Kopf. Da jedoch nur die Haare ausfallen, nicht aber die Haarfollikel, wachsen die Haare immer wieder nach. Die Haarfollikel befinden sich in der Kopfhaut und umgeben die Haarwurzel. Daraus sprießen immer wieder neue Haare, vorausgesetzt, der Haarboden ist ausreichend mit Nährstoffen versorgt.

Ist dies nicht der Fall, wachsen die Haare nicht mehr richtig oder fallen sogar aus. Dann kann es sogar passieren, dass die Haarfollikel plötzlich überempfindlich auf ein bestimmtes Hormon reagieren, das Dihydrotestosteron (DHT), das der Körper durch ein Enzym aus Testosteron bildet. Plötzlich führt der erblich bedingte Haarausfall zu einer Glatze.

Eine Umstellung der Ernährung könnte vielleicht helfen. Doch in manchen Fällen gelangen die Nährstoffe nicht mehr bis zum Haarboden. Die Haarfollikel werden im Haarboden über feine Blutgefäße gut mit Nährstoffen versorgt. In diesen Blutgefäßen lagert der Körper häufig Schlacken ein – Stoffwechselendprodukte, die sich aus Schadstoffen zusammensetzen, die der Mensch mit der täglichen Nahrung aufnimmt.

Dann helfen regenerative Methoden

Wenn eine medikamentöse Therapie nicht hilft, um den Haarverlust zu stoppen und das Haarwachstum wieder anzuregen, gibt es noch regenerative Therapiemöglichkeiten. Dabei gibt es verschiedene Methoden, die die Haare erhalten sollen, und zwar PRP oder Stammzellentherapie.

PRP ist eine Abkürzung und bedeutet platelet-rich plasma, übersetzt bedeutet dies: thrombozytenreiches Plasma. Wie wirksam PRP ist, haben Mediziner schon vor 40 Jahren festgestellt. In der Orthopädie und in der Chirurgie ist das Verfahren bereits längere Zeit erfolgreich im Einsatz. Es kommt beispielsweise in der Implantologie, bei der Behandlung von schlecht heilenden Wunden, in der Gynäkologie und vielen weiteren Bereichen zur Anwendung.

Grundlage für die Wirksamkeit der Therapie ist die Erkenntnis, dass Thrombozyten eine wichtige Rolle bei der Wundheilung haben. Kommt es zu einer Verletzung von Gefäßen, beginnt man zu bluten. Der Körper beendet die Blutung so schnell wie möglich, indem er die Blutgerinnung aktiviert. Fibrin und Thrombozyten, die sich im Blutkreislauf befinden, kommen zur Wunde, sammeln sich dort und stoppen die Blutung. In den Thrombozyten sind hohe Konzentrationen an Wachstumsfaktoren enthalten, die dann freigesetzt werden.

Auf der Kopfhaut haben die in den Thrombozyten enthaltenen Stammzellen eine reparierende Wirkung. Sie fördern auch dort die Durchblutung und stimulieren die Zellen der Haarfollikel. Die angelockten Stammzellen reparieren den Schaden. Die PRP-Behandlung ist keine Stammzellen-Therapie. Sie ist eine Stammzellen induzierende Therapie.

Die Thrombozyten wirken nur in einem relativ kleinen Zeitfenster, weshalb die PRP-Therapie keine sehr lange Wirkungsdauer hat. Um wirklich erfolgreich zu sein, ist es notwendig, die Behandlung mehrere Male zu wiederholen. Werden die Stammzellen in die Haarfollikel übertragen, hat das eine äußerst positive Wirkung: Die Haarfollikel werden reaktiviert. Sie wirken auch entzündungshemmend und kontrollieren Immunreaktionen. Durch die Zellerneuerung reparieren die Stammzellen die geschädigten Strukturen auf zellulärer Ebene.

Erst Haarausfall stoppen, dann Transplantation

Damit die Haartransplantation ein Erfolg wird, sind nicht nur die funktionierenden Haarfollikel wichtig, die in ausreichender Menge vorhanden sein müssen. Solche Haarfollikel findet der Arzt meistens im seitlichen und hinteren Bereich des Kopfes. Er kann sie von dort entnehmen, und überall implantieren, wo die Behaarung wieder dichter werden soll.

Dem Eingriff muss eine intensive Aufklärung und Beratung vorhergehen. Nicht immer ist die Haartransplantation die richtige Lösung. Wenn die Glatzenbildung schon sehr weit fortgeschritten ist, ist vielleicht nicht mehr genügend Spenderhaar vorhanden, um den gewünschten Bereich abzudecken.

Mit einer Haartransplantation Lücken und Haarlinie korrigieren
Die Haarlinie verläuft entlang des Haaransatzes und beeinflusst die Gesichtsproportionen. Sie ist ein wichtiges Persönlichkeitsmerkmal. Sie beeinflusst die Wirkung eines Menschen, dessen Ausstrahlung. Weicht die Haarlinie zurück, ist meistens erblich bedingter Haarausfall die Folge. Mit einer Haartransplantation lässt sich die natürliche Haarlinie wiederherstellen.

Welche Bedeutung hat die Haarlinie?

Die Haarlinie bezeichnet den Haaransatz, also die Grenze, wo die Stirn endet und das Kopfhaar beginnt. Hier können sich einige unerwünschte Veränderungen ergeben, wenn beispielsweise das Haar in den Stirnwinkeln allmählich zurückgeht und Geheimratsecken entstehen. Diese können die Haarlinie sehr deutlich nach hinten verschieben. Mit einer gezielten Transplantation können Mediziner hier gegenwirken.

Die Stirnwinkel werden dazu mit Haaren aus dem Hinterkopfbereich aufgefüllt. Gegebenenfalls wird auch das Fronthaar aufgefüllt, wenn es schon angefangen hat, lichter zu werden. Dabei soll das am Ende so aussehen, dass Außenstehende überhaupt nicht sehen können, dass die Haarlinie nicht schon immer genau dort war.

Da jeder die Haarlinie unmittelbar sehen kann, ist es eine große Herausforderung für den Operateur, die Geheimratsecken oder die beginnende Glatze zu behandeln. Die Haarlinie soll zur Kopfform und den Gesichtsproportionen passen. Sie muss Alter und Persönlichkeit des Patienten berücksichtigen und natürlich aussehen. Zudem ist es wichtig, die Wuchsrichtung der Haare zu beachten, damit sie genau der Position der noch vorhandenen Haare entspricht.

Liegt wirklich Haarausfall vor?

Bevor Betroffene an eine Operation denken, sollten sie genau klären lassen, ob wirklich Haarausfall vorliegt, oder ob die Haare nur sehr stark geschädigt sind. Eine Haarschädigung kann auch dazu führen, dass die Haare abbrechen. Sind die Haare nur geschädigt, können Pflegemittel helfen, die die Haarwurzeln stärken und mit Nährstoffen versorgen. Dabei sind ein paar Dinge zu beachten:

Die Haare nicht trocken rubbeln. Nach der Haarwäsche die Haare nur ausdrücken und dann den Kopf für eine Weile mit dem Handtuch umwickeln.

Die Haare nicht physisch oder chemisch belasten: Zug durch bestimmte Frisuren oder zu viele chemische Haarprodukte wie Farben oder Stylingprodukte möglichst vermeiden.

  • Heißes Föhnen kann die natürliche Haarstruktur verändern und sollte für eine gewisse Zeit vermieden werden.
  • Intensive Sonneneinstrahlung schädigt die Haare. Eine Mütze oder Cap kann sie vor den schädlichen UV-Strahlen schützen.
  • Die Haare nicht austrocknen lassen. Die Haare sollten immer mit einer reichhaltigen Spülung, einer Kur oder Öl mit Feuchtigkeit versorgt sein.
  • Beim Kämmen den Haartyp beachten: Ein grober Kamm bändigt krause Locken, während feine Haare die Pflege von Naturborsten mögen.
  • Haare nicht täglich waschen. Das Shampoo sollte auf den Haartyp abgestimmt sein und einen milden pH-Wert haben. Werden Haare häufig gewaschen, trocknen sie leicht aus. Wichtig ist auch, das Shampoo gründlich auszuspülen.

Was jeder bei Haarverlust tun kann

Haarverlust ist kein Schicksal, dass der Einzelne erdulden muss. In den meisten Fällen gibt es Lösungen. Eine Möglichkeit ist die Stärkung der noch vorhandenen Haare. Eine Säule dabei ist eine gesunde Ernährung. Ausreichend Vitamine und Spurenelemente sind dabei genauso wichtig wie eine gute Versorgung mit Proteinen. Das Keratin, ein wichtiger Haarbestandteil, ist ein Eiweiß.

Hält der Haarausfall an, sollte sich unbedingt ein Experte um den Betroffenen kümmern. Als Erstes erfolgen dann eine Basisdiagnose und eine Erforschung der Ursachen des Haarausfalls. Das kann ein Dermatologe oder der Hausarzt übernehmen. Wenn der Haarausfall zu sehr psychisch belastet, sollte schon sehr früh ein Experte für die Behandlung von Haarausfall hinzugezogen werden.

Die Ursachenforschung ist bei der Behandlung von Männern mit Haarausfall essenziell. Nur wenn die Ursache bekannt ist, lässt sich der Haarausfall erfolgreich behandeln. Ein Experte für die Behandlung von Haarausfall kann dann in einem persönlichen Gespräch die Therapiemöglichkeiten aufzeigen und alle Fragen beantworten.

Haarerhaltend sind alle Therapieformen zur Regeneration wie eine Laserbehandlung oder die Eigenbluttherapie. Ist auch das erfolglos, lohnt es sich meistens, eine Haartransplantation in Erwägung zu ziehen. Wichtig dabei ist, dass der Haarverlust gestoppt ist. Sonst besteht ein erhebliches Rückfallrisiko und die schöne Haarpracht fällt nach einer Weile wieder aus.


Die Recherche und Erstellung des Textes wurden durch einen externen Redakteur vorgenommen und stammen nicht aus der eigenen Redaktion.

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