Gut gedämmt - aber sicher!

Dreiviertel der Deutschen wollen energiebewusst wohnen und so den Wert  ihrer Immobilie steigern
von  Abendzeitung

Energiebewusst leben und wohnen liegt hoch im Kurs. Dreiviertel der Deutschen wollen so sparen und den Wert  ihrer Immobilie steigern

MÜNCHEN Gut ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland entfällt auf die Privathaushalte – etwa die Hälfte dieses Anteils dient dem Beheizen von Wohnräumen. Fachleute sind sich einig, dass sich der private Heizenergiebedarf mit konsequent gedämmten Dachflächen und Fassaden im Verbund mit modernen Energiesparfenstern und einer effizienten Anlagentechnik mindestens um die Hälfte reduzieren lässt. Wie lange es im Einzelfall gelingt, vorhandene Wärme im Raum zu halten, richtet sich nach verschiedenen Faktoren: die jeweilige Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs, die Dicke der aufgebrachten Dämmung, das Material, aus dem die tragende Wand besteht, die Sorgfalt der handwerklichen Ausführung bzw. die Genauigkeit der Dämmplattenmontage sowie die Lage des Gebäudes. Auch der Fensterflächenanteil im Verhältnis zur geschlossenen Wand spielt eine Rolle. Dass zahlreiche Parameter Einfluss auf die tatsächliche Wirkung eines Wärmedämmverbundsystems nehmen, macht klar, dass der Bauherr und sein Architekt bei der Dämmstoffwahl auf sehr viel mehr zu achten hat als nur auf die Wärmeleitgruppe (WLG).
Viel Energie sparen und dadurch die Heizungskosten um 30 bis 50 Prozent mindern – für (künftige) Hausbesitzer sind das entscheidende Gründe, die Außenwände ihres Hauses mit Wärmedämm-Verbundsystemen zu sanieren. 72 Prozent der Deutschen halten diese Maßnahme für eine vorrangige Investition in den Wert eines Hauses, so eine neue Umfrage der BHW Bausparkasse. Doch wie steht es um das Material? „82 Prozent der Isolierplatten sind aus Polystyrol, auch Styropor genannt, weil sie preiswert und unkompliziert zu verarbeiten sind”, erläutert Rüdiger Grimmert von der BHW Bausparkasse. „Systeme aus Mineralwolle kommen 20 bis 25 Prozent teurer.” Eine Dämmung aus Phenolharz kostet sogar bis zu dreimal mehr.
Kürzlich entflammte in den Medien die Diskussion um die Sicherheit im Brandfall. Dämmschichten von 20 bis 30 Zentimetern können laut dem Deutschen Feuerwehrverband im Notfall die Ausbreitung von Bränden beschleunigen. Wolfgang Setzler, Geschäftsführer des Fachverbandes Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS), beruhigt hingegen Hausbesitzer: „Kein Baustoff wird so intensiv getestet, überprüft und immer wieder weiterentwickelt wie Dämmsysteme. Die Versuche werden von anerkannten, unabhängigen Prüfinstituten durchgeführt.” Sein Fachverband empfiehlt generell die höchste Sicherheitsstufe, die Ausführung der Dämmung in der höheren Brandklasse B1, und geht damit über die derzeitige Vorgabe des Gesetzgebers sogar noch hinaus. Die besagt, dass Einfamilienhäuser von einer Höhe bis sieben Meter in der niedrigeren Brandklasse B2 – normal entflammbar – ausgestattet werden dürfen. Auch bei der Brandklasse B2 ginge bei ordnungsgemäßer Ausführung durch Fachhandwerker das Risiko gegen null, so der Verband.
BHW-Experte Rüdiger Grimmert rät, für ein Bauprojekt Expertenrat einzuholen: „Bei der Planung der Dämmung können Hausbesitzer auf zertifizierte Energieberater vertrauen." Für die Vor-Ort-Beratung winkt eine Förderspritze des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Höhe von 300 Euro.
Insbesondere beim Neuabau von Häusern und Wohnungen ist Nachhaltigkeit am Bau mittlerweile zu einem Universal-Schlagwort geworden. Von der Entwicklung über die Verwendung natürlicher Rohstoffe bis hin zum Produktdesign bestimmt es das Denken und Handeln. „Kriterien wie die Herkunft des Baumaterials, ein möglichst geringer Primärenergiebedarf der Produktion, gesundheitliche Unbedenklichkeit, eine bedarfsgerechte Nutzungsdauer sowie die Frage der Recyclebarkeit nehmen immer stärker Einfluss darauf, wie und womit neue Ein- und Zweifamilienhäuser zu errichten sind”, sagt Tobias Wiegand, Geschäftsführer des Verbandes Holzfaser Dämmstoffe.