WTO: Welthandel weniger stark eingebrochen

Im April sah es nach einem furchtbaren Welthandelseinbruch aus. Die Zahlen sind weniger schlimm als die WTO-Ökonomen befürchtet hatten. Im kommenden Jahr sieht es dagegen schlechter aus als gedacht.
| dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
Empfehlungen
Container in der chinesischen Freihandelszone Shandong. Volkswirte rechnen mit einem Rückgang im globalen Warenhandel in diesem Jahr von 9,2 Prozent.
Container in der chinesischen Freihandelszone Shandong. Volkswirte rechnen mit einem Rückgang im globalen Warenhandel in diesem Jahr von 9,2 Prozent. © Zhangjingang/SIPA Asia via ZUMA Wire/dpa
Genf

Der coronabedingte Einbruch des Welthandels wird nach einer neuen Schätzung der Welthandelsorganisation (WTO) in diesem Jahr weniger dramatisch als im April befürchtet.

Dafür bleibt die für das nächste Jahr erwartete Erholung aber deutlich hinter den Erwartungen zurück, wie die WTO am Dienstag berichtete. "Der (Coronavirus)-Ausbruch hat die Weltwirtschaft auf beispiellose Weise getroffen", sagte der stellvertretende Generaldirektor Yi Xiaozhun. Er warnte Regierungen davor, nun in Protektionismus zu verfallen.

Einer der wenigen Lichtblicke war erwartungsgemäß der Handel mit Gesichtsmasken: der Handel sei in den ersten sechs Monaten im Jahresvergleich um 87 Prozent auf 71 Milliarden Dollar (60 Mrd Euro) gestiegen. 57 Prozent davon habe China geliefert.

Die Volkswirte rechnen nun mit einem Rückgang im Warenhandel in diesem Jahr von 9,2 Prozent. Im April hatte sie im besten Falle mit minus 12,9 Prozent gerechnet. Für 2021 rechnen sie mit nun mit einem Wachstum um 7,2 Prozent, womit das Vor-Krisen-Niveau nicht erreicht werden kann. Im April waren sie noch von plus 21,3 Prozent ausgegangen. Die Unsicherheit bleibe bei allen Prognosen groß: Sowohl stark steigende Infektionszahlen als auch ein baldiger erfolgreicher Impfstoff könnten die Prognosen über den Haufen werfen.

Zwar brach der Warenhandel im zweiten Quartal so stark ein wie nie zuvor im Vergleich zum Vorquartal, um 14,3 Prozent. Die Aussichten für das Gesamtjahr hätten sich aber durch gute Handelszahlen im Juni und Juli verbessert. Im zweiten Quartal waren vor allem Europa und die USA mit einem Einbruch von mehr als 20 Prozent betroffen. Das Bruttoinlandsprodukt fiel im ersten Halbjahr stärker als gedacht. Analysten gingen jetzt von minus 4,8 Prozent aus (April-Prognose: minus 2,5), gefolgt von 4,9 Prozent Wachstum im nächsten Jahr.

Die WTO ist mitten in der größten Krise - sowohl im Welthandel als auch intern - führungslos. Generaldirektor Roberto Azevedo war Ende August vorzeitig zurückgetreten, aus persönlichen Gründen, wie er sagte. Wenige Tage später heuerte der Brasilianer dann bei der US-Getränkefirma PepsiCo für ein Millionensalär an. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin soll bis November ernannt werden. Hauptaufgabe wird eine von den USA getriebene, aber von vielen Ländern ebenfalls geforderte Reform der Organisation.

© dpa-infocom, dpa:201006-99-846275/2

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen Empfehlungen