Pakete gehen auf den Rücken

In der Regel steht das Gewicht eines Pakets neben dem Aufkleber mit der Anschrift: klein und schwarz-weiß. Viel zu unscheinbar und beim schnellen Ein- und Ausladen kaum zu sehen, monieren Gewerkschafter.
| Von Wolf von Dewitz, dpa
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Ein Paketbote liefert in München seine Pakete aus.
Ein Paketbote liefert in München seine Pakete aus. © Sven Hoppe/dpa
Berlin

Ob Tierfutter, Gartenmöbel oder Sportgeräte: Besonders schwere Sendungen sorgen für Unmut in der Paketbranche.

Die Beförderung könne der Gesundheit der Beschäftigten in Sortierzentren und in der Zustellung schaden, hieß es am Freitag von der Gewerkschaft Verdi und von Betriebsräten der in Deutschland tätigen Paketdienstleister. Denn wenn sich der Zusteller bückt und nichtsahnend einen sehr schweren Brocken erwischt, geht das auf den Rücken - geschieht das immer wieder, drohen Gesundheitsprobleme. Um das zu entschärfen, fordert die Arbeitnehmerseite große Kilogramm-Kennzeichnungen, und zwar auf allen sechs Seiten eines Pakets.

"Es wäre sehr hilfreich, wenn man schwerere Sendungen erkennt", sagte Verdi-Vizechefin Andrea Kocsis bei einer Pressekonferenz zur Lage der Paketbranche in Berlin. Man sehe einem Paket nicht an, ob da ein schweres Metallteil oder ein leichter Stoff drin sei. Sähen die Beschäftigten schnell und unkompliziert die Gewichtsangabe, könnten sie ihren Bewegungsablauf darauf einstellen. "Das wäre extrem erleichternd."

Die Beförderung schwerer Pakete in Deutschlands Paketbranche ist zwar schon lange gang und gäbe, in der Corona-Pandemie dürfte ihre Zahl aber zugenommen haben. Das liegt auch daran, dass Verbraucher angesichts zwischenzeitlicher Lockdowns oder wegen hoher Infektionszahlen Produkte im Internet kaufen, die sie vor der Pandemie in stationären Geschäften geholt haben, zum Beispiel Stühle, Glastische, Hundefutter oder Hanteln zum Training daheim. Nehmen wir das Beispiel eines mit mehreren Dutzend Spaghetti-Packungen beladenen Kartons: Der ist nicht sehr groß, dafür aber deutlich schwerer als andere Kartons in seiner Größe. Ein rasches Anheben könnte sich da rächen.

"Aus einem schweren Paket sollten zwei werden"

Das Gewicht der Pakete ist in der Regel an einer Seite zwar schon angegeben - allerdings ziemlich klein und in schwarz-weiß. Viel zu klein, sagt DPD-Betriebsrat Gabriel Javsan - es fehle die Zeit, um erst die richtige Seite mit dem Aufdruck zu finden, das Kleingedruckte zu lesen und dann erst das Paket hochzuheben. Außerdem: "Das Gewicht muss runter: Aus einem schweren Paket sollten zwei werden."

Der Arbeitnehmervertreter Thomas Held von der Deutschen Post DHL fordert eine Kilo-Angabe auf jeder der sechs Paketseiten. Dann wüsste der Zusteller sofort Bescheid, egal wie das Paket beim Entladen im Fahrzeug liegt. "Es muss eine Kennzeichnung sein, die wirklich gut zu erkennen ist."

Eine andere Änderung würde die Arbeitsbedingungen der Zusteller aus Sicht der Gewerkschaft ebenfalls verbessern: Pakete sollten schon ab einem Gewicht von 20 Kilo als Sperrgut gelten, derzeit liegt die Grenze bei 31,5 Kilo. Es gäbe also mehr Sperrgut, das die Logistiker befördern müssten.

Den Vorteil daran erklärt UPS-Betriebsrat Andreas Kassler am Beispiel eines Küchengeräts, das zum Kunden in den fünften Stock geschleppt werden muss: Wenn es als Sperrgut gelte, kämen zwei Zusteller und hätten mehr Hilfsmittel, um es nach oben zu tragen. Die schwere Arbeit würde also gewissermaßen auf vier Schultern verteilt. Der Haken daran aus Sicht der Firmen: Der Transport wird teurer, was in der umkämpften Paketbranche ein dicker Nachteil sein dürfte.

Verdi hofft auf das Bundesarbeitsministerium

Nach Einschätzung von Verdi-Vize Kocsis haben zwar alle Paketdienstleister in Deutschland ein Interesse an der Senkung der Sperrgut-Grenze, schließlich seien "diese Gewichte extrem belastend". Aber weil jede einzelne Firma einen Wettbewerbsnachteil befürchte, wenn sie allein voranschreite, bleibe alles beim Alten. Daher hofft Kocsis darauf, dass das Bundesarbeitsministerium eine entsprechende Änderung veranlasst. "Aus unserer Sicht muss das so geregelt werden, weil die Unternehmen das alleine anscheinend nicht hinbekommen."

Und was sagt das Management der Paketdienstleister? "Das maximale Gewicht einer Paketsendung von 31,5 Kilogramm ist etablierter Marktstandard", sagt eine DHL-Firmensprecherin. Besonders schwere Sendungen machten nur einen "äußerst geringen Anteil unserer Sendungsmenge aus". "Wir setzen bei unserer Preisgestaltung gezielt Anreize für unsere Geschäftskunden, die Zahl schwerer Sendungen zu reduzieren und zum Beispiel statt einer teuren schweren Sendung zwei leichtere Pakete zu verschicken", sagt die Sprecherin.

Darüber hinaus müssten Geschäftskunden schwere Sendungen ab 20 Kilo kennzeichnen - entweder mit dem Hinweis "Achtung schweres Paket" auf dem Versandlabel oder mit roten "Bis zu 31,5 Kilo"-Aufklebern auf allen sechs Seiten. Von der Arbeitnehmerseite heißt es hierzu allerdings, dass das nicht ausreichte, zumal auch Pakete mit einem Gewicht von etwas weniger als 20 Kilo schwer seien.

Auch der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (Biek) meldete sich am Freitag zu Wort. Eine Sprecherin wies darauf hin, dass die Branche das Thema Belastung durch schwere Pakete angehe und zum Beispiel auf die ergonomische Optimierung von Fahrzeugen setze.

© dpa-infocom, dpa:211210-99-335602/3

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