Klöckner für regionale Bejagung von Wölfen

Tierhalter verzeichnen vor allem bei Schafen zunehmende Verluste durch Wölfe. Während die einen den besseren Schutz der Weidetiere anmahnen, fordern andere die Jagd auf das Raubtier.
| dpa
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Ein Wolf in einem Gehege im Bayerwald-Tierpark in Lohberg.
Ein Wolf in einem Gehege im Bayerwald-Tierpark in Lohberg. © Armin Weigel/dpa
Berlin

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat sich angesichts zunehmender Schäden durch Wolfsrisse für eine Bejagung der Tiere in bestimmten Regionen ausgesprochen.

Dabei gehe es nicht darum, den Wolf auszurotten, teilte die Ministerin der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag) mit. "Aber wenn wir die Weidetierhaltung in einigen Regionen nicht aufgeben wollen, müssen wir handeln."

Zuvor hatte der Deutsche Bauernverband gewarnt, die von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) vorgelegte jüngste Statistik zeichne das Ende der Weidehaltung vor. Der Wolfsbestand müsse endlich reguliert werden, hieß es in einer Mitteilung vom Freitag. "Ansonsten wird die Haltung von Schafen, Ziegen, Pferden und Rindern auf der Weide zum Auslaufmodell", sagte der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd und Umweltbeauftragter des Deutschen Bauernverbandes, Eberhard Hartelt.

Laut der jüngsten Statistik der DBBW zu wolfsverursachten Schäden wurden 3959 Weidetiere in Deutschland im Jahr 2020 von Wölfen getötet, darunter 3444 Schafe. Die Zahl der aufgrund eines Wolfsangriffs getöteten, verletzten oder vermissten Nutztiere stieg demzufolge um 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Nach den DBBW-Zahlen registrierte Niedersachsen mit 1477 gerissenen Nutztieren die meisten Wolfsopfer, gefolgt von Brandenburg (864) und Mecklenburg-Vorpommern (452).

Klöckner verwies auf den hohen Anstieg und fragte: "Wo endet das, wenn wir jetzt nicht eingreifen?" Dort, wo viele Wölfe lebten und der Bestand nicht gefährdet sei, müsse jetzt dringend ein regionales Bestandsmanagement her, forderte die Agrarministerin. Bislang dürfen nur solche Wölfe geschossen werden, die mehrfach nachweislich Schutzmaßnahmen überwunden und beispielsweise Schafe getötet haben.

Die Expertinnen und Experten des DBBW weisen allerdings auch darauf hin, dass Wolfsrisse vor allem dort vorkommen, wo sich Schaf- und Ziegenhalter noch nicht auf die Anwesenheit von Wölfen eingestellt haben. In einigen Bundesländern wie Niedersachsen oder Schleswig-Holstein sei bei über 80 Prozent der Übergriffe kein oder nur ein eingeschränkter Herdenschutz vorhanden gewesen.

Die Grünen-Fraktion im Bundestag warf Klöckner eine populistische Politik auf Kosten des Naturschutzes vor. "Um Konflikte zu minimieren, setzen wir auf gute und auch vorsorgende Herdenschutzmaßnahmen und eine Weidetierprämie", sagte die für Tierschutz zuständige Sprecherin Renate Künast am Samstag.

Mit der voranschreitenden Wiederverbreitung des Wolfes in Deutschland gab es in jüngster Zeit verstärkt Forderungen von Verbänden und Politikern nach einer Regulierung des Wolfsbestandes. Tier- und Umweltschützer wiesen im Gegenzug darauf hin, dass es auch bei Abschüssen von Wölfen noch zu Wolfsrissen kommen werde und nur bessere Weideschutzmaßnahmen helfen könnten.

Der Wolf steht nach EU- und Bundesrecht unter Schutz und darf nicht bejagt werden. Im Monitoringjahr 2019/20 wurden laut der Statistik in Deutschland 128 Wolfsfamilien, 39 Wolfspaare und 9 territoriale Einzeltiere nachgewiesen.

© dpa-infocom, dpa:210814-99-839108/3

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