Geldautomaten und Corona: So funktioniert die Bargeldversorgung in Deutschland

Die Versorgung mit Bargeld hat sich Deutschland in den letzten Jahren stark gewandelt. Dabei spielen mehrere Gründe eine Rolle.
| Richard Tengels
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Bargeld ziehen gehört für die überwiegende Mehrheit der Bankkunden zum Alltag.
pixabay.com © peggy_marco (CC0 Creative Commons) Bargeld ziehen gehört für die überwiegende Mehrheit der Bankkunden zum Alltag.

Zum einen wurde die Filialstruktur der Deutschen Bundesbank ausgedünnt, zum anderen lieferte sich die Wertdienstleister-Branche einen scharfen Konkurrenzkampf, sodass viele vom Markt wegfielen und die Preise anzogen. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an die Umsetzung von Regularien.

Bargeldversorgung von großer Bedeutung

Die Versorgung mit Bargeld ist in Deutschland ein wichtiges Thema, das gilt für die deutsche Kreditwirtschaft genauso wie für Verbraucher. Auch wenn viele Zahlungen digital bzw. bargeldlos abgewickelt werden, halten deutsche Konsumenten am Bargeld fest. Fehlende Geldautomaten sind insbesondere für ältere Generationen ein Problem, die sich ausgegrenzt und übersehen fühlen. In Anbetracht der Digitalisierung des Bankgeschäfts und der Ausdünnung der Filialnetze ist eine effiziente Bargeldversorgung noch wichtiger geworden. Die Prozesse müssen optimal und die Verfahren unkompliziert und kostengünstig sein. Diese Aufgabe haben Kreditinstitute zu lösen, um die Bedürfnisse ihrer Kunden zu erfüllen.

Schutzkonzept für Bargeld-Automaten notwendig

Bargeldautomaten sind immer wieder Ziel krimineller Übergriffe. An manchen Orten ist die Gefahrenlage schwieriger als an anderen. Gerade aufgrund der höchst unterschiedlichen Standorte in Deutschland ist es nicht sinnvoll, ein einheitliches und pauschal anwendbares Sicherheitskonzept zu entwickeln und anzuwenden. Natürlich muss das Bargeld in ganz Deutschland in den verfügbaren Geldautomaten gesichert sein, doch die Schutzmaßnahmen in punkto Sicherheitstechnik und bauliche Einrichtungen orientieren sich an der Situation vor Ort.

In Deutschland versorgen Banken und Sparkassen die Verbraucher über zigtausende Geldautomaten mit Bargeld. Damit das so bleibt, setzen die Verantwortlichen der deutschen Kreditwirtschaft zum einen auf hohen Verfolgungsdruck durch die Polizei in Deutschland und auf grenzüberschreitende Kooperationen mit Strafverfolgungsbehörden im angrenzenden Ausland.

Automaten-Infrastruktur: Wo können Bankkunden kostenfrei Bargeld abheben?

Bargeldversorgung bringt für Verbraucher eine zentrale Frage mit, nämlich die nach dem nächsten Bankautomat. Dieser sollte nach Möglichkeit auf der Liste der Automaten stehen, bei denen sie kostenlos Bargeld ziehen können. Suchen Verbraucher nach einem Girokonto mit guter Bargeldversorgung, müssen sie sich vorab über diesen Punkt informieren. Die Kreditinstitute sind in dieser Hinsicht unterschiedlich aufgestellt, wie unsere untenstehende Tabelle erkennen lässt. Die DKB Bank bietet beispielsweise 60.000 Automaten im Inland zur kostenlosen Bargeldabhebung an, während Kunden der Sparda-Bank lediglich 3.200 Automaten kostenfrei nutzen können.

Geldinstitut Kostenlos nutzbare Bargeldautomaten
in Deutschland
DKB 60.000
ING BanK 60.000
Comdirect 9.000
Norisbank 9.000
PSD GiroDirekt 18.300
moneyou 60.000
O2 60.000
Sparda-Bank 3.200
BB Bank 3.368
1822 Mobile 25.000


(Quelle: konto.org)

Geldautomatenverbünde der Banken

In Deutschland stehen Bankkunden tausende Geldautomaten zur Verfügung. Banken haben sich zu Verbünden zusammengeschlossen und gewähren ihren Kunden gegenseitig kostenfrei Zugriff auf die jeweiligen Automaten. Fremdbanken hingegen kassieren Gebühren, die unterschiedlich hoch ausfallen können. Grund dafür ist, dass jedes Institut die Gebühren nach eigenem Ermessen festsetzt. Die Spanne liegt dabei zwischen 1,95 Euro und 4,95 Euro. Manche Kreditinstitute nehmen abhängig vom Standort unterschiedlich hohe Gebühren. Sie machen den Preis vom Wettbewerbsstandort abhängig. Ist keine alternative Bargeld-Bezugsquelle in der Nähe, kostet die Abhebung mehr.

Die Geldautomatenverbünde im Überblick

Das Sparkassennetz versammelt unter seinem Dach rund 24.600 Geldautomaten von Mitgliedsbanken der Sparkassengruppe. Die Nutzung ist für die dazugehörigen Kunden gratis.

Das BankCard ServiceNetz besteht aus Volks- und Raiffeisenbanken (ca. 98 Prozent) und den PSD-Banken. Zusammen stellen sie ihren Kunden rund 17.600 Geldautomaten zur Verfügung. Die Geldabhebung ist allerdings nicht immer kostenlos, mitunter werden Gebühren fällig, die allerdings vergleichsweise niedrig sind.

Im Cash Pool haben sich folgende Mitgliedsbanken zusammengetan: BBBank, National-Bank, Santander Consumer Bank, Sparda-Banken, TARGPBANK und andere mehr. Zusammen stellen sie ihren Kunden 3.200 Geldautomaten zur kostenlosen Benutzung zur Verfügung. (Quelle: cashpool.de)

Die Cash Group hält rund 9.000 Geldautomaten bereit, an denen Kunden gratis Bargeld ziehen können. Die Mitgliedsbanken kommen von der Commerzbank, der Deutschen Bank, der Postbank und der Hypo-Vereinsbank sowie angeschlossene Tochterunternehmen. Zusätzlich können Kunden der genannten Banken an Shell-Tankstellen kostenfrei Bargeld abheben, das sind weitere 1.300 Bezugsquellen.

Versorgung mit Bargeld im Supermarkt

Grundsätzlich möglich ist auch der Bargeldbezug im Supermarkt. Zu diesem Zweck können Kunden den Rechnungsbetrag an der Kasse erhöhen und sie bekommen die Differenz ausgezahlt. Beispiel: Eine Kundin kauft für 30 Euro ein und möchte mit EC-Karte bezahlen. Vor dem Bezahlvorgang bittet sie die Kassiererin, den Rechnungsbetrag um 50 Euro aufzustocken. Sie zahlt 80 Euro mit der Karte. 30 Euro bleiben im Supermarkt für die Einkäufe, die restlichen 50 Euro erhält die Kundin bar ausgezahlt. Dieser Service ist in vielen Supermärkten gratis ab einem bestimmten Mindestumsatz möglich.

Bargeldverwendung nicht hygienisch? Berührungsloses Bezahlen boomt

In der Corona-Krise schließen Banken reihenweise ihr Filialen. Die Hypovereinsbank reduziert um rund 30 Prozent und auch die Commerzbank lässt in manchen Filialen die Pforten geschlossen. Doch das ist kein echter Grund zur Besorgnis, die Geldautomaten sind nach wie vor gefüllt und werden von Kunden genutzt. In den Anfängen der Krisen griffen deutsche Kontoinhaber verstärkt auf ihre Bargeldreserven zu und horteten Milliarden buchstäblich unter dem Kopfkissen. Es machte sich die Sorge breit, dass die Bargeldbestände in den Filialen schon bald zur Neige gehen würden.

Doch in jüngster Zeit hat sich das Verhalten stark verändert. Inzwischen zahlen immer mehr mit Karte, shoppen online und nutzen im Internet digitale Bezahlmöglichkeiten. Bargeld wird aus hygienischen Gründen nicht überall gerne entgegengenommen und Verbraucher haben sich der Situation angepasst. Sie setzen im Supermarkt, an der Tankstelle und anderswo auf kontaktloses Bezahlen.

Bargeld bald Geschichte?

Bereits seit Jahrzehnten können Kunden bargeldlos bezahlen, doch mehr als die Hälfte greift nach wie vor zu Münzen und Geldscheinen. Bis auf weiteres wird deshalb Bargeld im Umlauf bleiben. Die Politik wird sich mit dem Thema befassen, ob Beschränkung von Barzahlungen im Handel tatsächlich sinnvoll und gewünscht sind. Schließlich dürfen Politiker nicht aus den Augen verlieren, dass Bürger ein Recht auf Handlungsfreiheit haben. Ein Beitrag über die Kleinstadt Kleve in der deutsch-niederländische Grenzregion erinnert an den gescheiterten Versuch, in Deutschland 1 Cent und 2 Cent Münzen abzuschaffen. (Quelle: kleveblog.de)

Es könnte vor diesem Hintergrund doch schwierig werden, deutschen Verbrauchern ihr Bargeld „wegzunehmen“. Das gilt zumindest für die Baby-Boomer-Genration und ältere. Nachkommende Kohorten aber haben ein ganz anderes Verhältnis zu Geld und Finanzen. Sie sind den Umgang mit dem Smartphone gewöhnt und regeln wie selbstverständlich ihre Geldgeschäfte digital. Bargeld ist (noch) nicht überflüssig, könnte aber schon bald immer mehr verdrängt werden.

Die Recherche und Erstellung des Textes wurden durch einen externen Redakteur vorgenommen und stammen nicht aus der eigenen Redaktion.

 

 

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