eCommerce-Pionier Glißmann: "Die Demokratisierung des Online-Handels"

Das Geschäft mit dem eCommerce boomt. Wie aber können möglichst viele Menschen vom Online-Handel profitieren? Ein Interview mit Maurice Glißmann, dem Gründer von Amzscale.
von  Interview: Stefan Rohrbach
Der klassische Einzelhandel verlagert sich immer mehr in die digitale Welt.
Der klassische Einzelhandel verlagert sich immer mehr in die digitale Welt. © dpa

Die Welt des eCommerce ist ein Geschäft, das jährlich Milliardengewinne generiert. Beziffern wir alle Waren und Dienstleistungen, die online gekauft wurden liegt der Umsatz der Branche bei über 100 Milliarden Euro. Durch die Corona-Pandemie sind Online-Shops nur noch beliebter geworden, da durch Lockdowns und Präventionsmaßnahmen der Einzelhandel nicht in Frage kam. Allen voran der Versandriese Amazon. Es ist jedoch auch in Zukunft nicht abzusehen, dass dieses Wachstum irgendwann aufhört, ganz im Gegenteil.

Wie aber können möglichst viele Menschen von diesem Boom profitieren?  Eine Antwort auf diese Frage möchte Maurice Glißmann mit seinem Unternehmen Amzscale geben: den Zugang zum Online-Handel demokratisieren und so Kleinunternehmern helfen, erfolgreich im Online-Markt Fuß zu fassen.

Maurice Glißmann (Bild) hat gemeinsam mit Daniel Vogler das Unternehmen Amzscale gegründet.
Maurice Glißmann (Bild) hat gemeinsam mit Daniel Vogler das Unternehmen Amzscale gegründet. © Amzscale

Herr Glißmann,  den Begriff Demokratie verbindet man in erster Linie ja mit Politik. Wie bringen Sie Demokratisierung mit eCommerce in Verbindung? Was bedeutet eine Demokratisierung des Online-Handels für Sie?

Bisher war die Eintrittsschwelle zu dem stark wachsenden Online-Handelsmarkt sehr hoch, hohe Barrieren und Hürden verhinderten vielen den Markteintritt. Durch unseren Ansatz werden diese maximal herabgesetzt und der Onlinehandel in gewisser Weise demokratisiert. Genauer meine ich damit, dass jeder Anleger, unabhängig von der Höhe seiner Investitionssumme, in bereits bestehende eCommerce-Marken investieren kann. Die Zeiten, in denen ausschließlich finanzstarke, institutionelle Investoren vom Erfolg einer Marke am Markt profitieren konnten, sind somit vorbei. Folglich muss man festhalten, dass Interessenten mit Hilfe von Amzscale an diesem Wachstumsmarkt partizipieren können. Ein Paradebeispiel für die Demokratisierung des Online-Handels.

Mit welchen Mitteln genau lässt sich diese Demokratisierung denn erreichen?

Demokratisierung wird meiner Meinung nach vor allem durch die Tokenisierung erreicht. Diese ist gleich in zweifacher Hinsicht nützlich. Auf der einen Seite wird dadurch ermöglicht, dass Anleger jeglicher Herkunft in erfolgreiche eCommerce-Marken investieren und auf diese Weise von ihrer Beteiligung profitieren können. Darüber hinaus hilft die Tokenisierung den eCommerce-Marken, schnell und vor allem auch unbürokratisch an das elementare Working Capital zu gelangen. Somit bringen wir beide Parteien, die Interessenten und erfolgreiche junge eCommerce Marken, zusammen und schaffen für alle eine Win-Win-Situation.

Der Versandriese Amazon spielt wohl beim eCommerce die größte Rolle. Lässt sich das irgendwie für eine Demokratisierung nutzen?

Generell muss festgehalten werden, dass an dem derzeitigen Monopol, welches Amazon besitzt, kein Weg vorbeiführt. Immerhin starten mittlerweile mehr als 50 Prozent der Produktsuchen im Internet über Amazon. Daher haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, allen Menschen die Möglichkeit zu geben sich an diesem aufstrebenden Markt und vor allem auf dieser immer noch stark wachsenden Handelsplattform beteiligen zu können. Neue und individuelle Marken benötigen ausreichend Fremdkapital, um ihren Vertrieb über die Plattform zu organisieren und schließlich auch zu skalieren. Doch Großinvestoren und institutionelle Anleger, die bereits im eCommerce investieren, sind nicht auf die Kooperation mit neu etablierten Amazon-Händlern ausgelegt, sondern setzen stattdessen auf umfassendere Markenkonzepte. Hier kommt die Blockchain-Technologie ins Spiel, welche nun technisch und rechtlich sichere Investment-Perspektiven für Privatanleger eröffnet. Mithilfe digitaler Token, welche die Genussrechte der Anleger verbürgen, finden Top-Seller und Privatinvestoren zusammen. Die Blockchain verbindet sie, kreiert aus Finanzierungsbedarf und Anlegerinteresse eine Win-Win-Situation und treibt so die Demokratisierung des eCommerce weiter voran.

Wie helfen Sie den Kleinunternehmern, im Online-Markt erfolgreich Fuß zu fassen?

Unsere Mission ist es, erfolgreiche Marken für den Onlinehandel aufzubauen und diese in größtmöglicher Geschwindigkeit weiterzuentwickeln. Unternehmern, die im Online-Business erfolgreich sein wollen, bieten wir dabei einen Rundum-Service - von der Produktidee über die Warenbeschaffung bis hin zu Vermarktung, Rechts-, Steuer-, Internationalisierungs- und Finanzierungsfragen übernehmen wir alles. Darüber hinaus ermöglichen wir es Investoren jeglicher Herkunft, also auch Privatpersonen und Kleinanlegern, an den Erfolgen des stark wachsenden Onlinehandels zu partizipieren, indem sie Anteile an erfolgreichen Marken erwerben.

Gibt es am Ende überhaupt noch einen Unterschied zwischen Investor und Unternehmer?

In gewisser Weise verschwimmt die Grenze da tatsächlich ein bisschen, da natürlich jeder Marktteilnehmer in einem gewissen Rahmen beides zugleich ist. Indem wir eine skalierbare Vertriebsinfrastruktur ermöglichen, sowie durch die Übernahme sämtlicher Aufgaben, schaffen wir schnelleres Wachstum für beide Player: Investoren und Unternehmer. Auf jeden Fall ist jeder Unternehmer ein Investor, schließlich bringt er für seine "Herzensidee“ Geld auf und investiert es darin. Auf der anderen Seite ist jedoch nicht jeder Investor ein Unternehmer, denn jemanden Geld anzuvertrauen ist das Eine – es langfristig effizient und profitabel einzusetzen das Andere!

Was würden Sie Anlegern raten, um an der Demokratisierung des eCommerce teilzuhaben?

Auch nach den pandemiebedingten Wachstumsschüben im digitalen Handel zeigt der Markt weiter nur eine Richtung: Wachstum, Wachstum und nochmals Wachstum. Schnell skalierende eCommerce-Marken werden zu den nächsten großen Investment-Trends zählen, was sich in letzter Zeit durch das Auftreten des neuen Geschäftsmodells von speziellen “Brand Aggregatoren” wie Thrasio, SellerX, Perch und vielen anderen zeigt, die hunderte Millionen Euro bis sogar Milliarden Summen einsammeln, um Amazon-Marken aufzukaufen. In Zukunft wird man nicht nur in Aktien von großen Playern wie Nike, Tesla oder etwa auch Siemens anlegen, sondern auch am Gewinn von eCommerce-Marken etwa über Beteiligungen profitieren können, sodass man durchaus raten kann, hieran teilzunehmen. Somit würde ich es jedem ans Herzen legen, den Onlinehandel mit ausreichend Know-How bzw. einem Experten an seiner Seite als profitables Geschäft in Betracht zu ziehen.


Die Recherche und das Interview wurden durch einen externen Redakteur vorgenommen und stammen nicht aus der eigenen Redaktion.