Deutsche Bank distanziert sich von eigener Studie

Dass eine Bank sich öffentlich von einer Studie aus dem eigenen Haus distanziert, ist ungewöhnlich. Die schonungslose Kritik eines Analysten an Aufsicht und Politik ging Deutschlands größtem Geldhaus zu weit.
| dpa
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Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Das Geldhaus distanziert sich deutlich von einer Analyse aus dem eigenem Haus.
Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Das Geldhaus distanziert sich deutlich von einer Analyse aus dem eigenem Haus. © Arne Dedert/dpa
Frankfurt/Main

Die Deutsche Bank hat sich öffentlich von einer mit scharfer Kritik an Politik und Aufsicht gespickten Studie aus dem eigenen Haus distanziert.

Die von Deutsche Bank Research am Dienstag veröffentlichte Ausarbeitung spiegele "Ansichten des Autors wider", erklärte ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses in Frankfurt schriftlich.

"Diese werden weder von der Deutschen Bank geteilt noch wurden sie von der Führung von Deutsche Bank Research autorisiert", teilte der Sprecher mit. "Insbesondere distanzieren sich die Deutsche Bank und Deutsche Bank Research von der in Inhalt und Form unangemessenen Kritik an Aufsichtsbehörden und politischen Entscheidungsträgern, die in der Studie zum Ausdruck kam."

Analyse nicht mehr verfügbar

Die Analyse mit dem Titel "Reformagenda für den Finanzplatz Deutschland. Viel Luft nach oben, dringender Handlungsbedarf", die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und aus der auch die "Börsen-Zeitung" zitiert, ist inzwischen nicht mehr im Webangebot der Deutschen Bank abrufbar.

In der 20-seitigen Ausarbeitung übt der Autor unter anderem deutliche Kritik an der Finanzaufsicht Bafin: "Es gibt wohl - leider - kaum eine Finanzaufsicht in den Industrieländern weltweit, unter deren Augen in den letzten 15 Jahren derart viele Finanzskandale stattgefunden haben und bei denen die Finanzaufsicht insgesamt ein so schlechtes, ja teilweise dysfunktionales Bild abgegeben hat, wie die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin)."

Weiter heißt es: "Die Erfahrungen der letzten Jahre waren für Deutschland schlichtweg peinlich, die hiesige Finanzaufsicht dürfte sowohl bei ihren internationalen Pendants als auch bei den Finanzinstituten einen gravierenden Imageverlust erlitten haben und teilweise kaum noch ernst genommen werden."

Auch Neuausrichtung der Bafin gefordert

Die Neuausrichtung der Bafin nach dem Wirecard-Skandal sei "tatsächlich mehr als überfällig", schreibt der Autor. Lange scheine "die Resistenz gegen offensichtlich notwendige, dringend gebotene Veränderungen (...) innerhalb der Institutionen, einschließlich Finanzministerium und Bundestag, zu dominant (...) gewesen zu sein", so sein Urteil.

Insgesamt stellt der Autor dem Finanzplatz Deutschland ein miserables Zeugnis aus: "Der Finanzplatz Deutschland verharrt seit vielen Jahren strukturell im Dornröschenschlaf." Im internationalen Vergleich sei der hiesige Finanzplatz in den vergangenen Jahren "dramatisch zurückgefallen", schreibt der Autor: "Das gilt für den Finanzsektor insgesamt, aber vor allem für die Bankenbranche. Sie ist chronisch wachstumsschwach, strukturell sklerotisch, außerordentlich wenig profitabel und viel zu ineffizient."

Die "Liste der Defizite und Fehlschläge" sei sehr lang, so das Fazit des Autors. "Für die insgesamt viertgrößte Volkswirtschaft der Welt ist das ein absolutes Armutszeugnis. Genauso wie die faktische Verweigerung der Entscheidungsträger in der Politik, das Siechtum des Finanzplatzes überhaupt zur Kenntnis zu nehmen und ihm kraftvolle, entschiedene Maßnahmen entgegenzusetzen." Kein einziges größeres Land auf der Welt habe "seine Bankenbranche derart vernachlässigt und ihrer Verzwergung tatenlos zugesehen wie Deutschland", heißt es in der Ausarbeitung.

© dpa-infocom, dpa:210915-99-228723/2

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