Bauern: Weiter "kritische Phase" bei Schweinepest

Am 10. September trat ein, was Landwirte schon länger erwarteten: Die Schweinepest ist da, allerdings bisher nur bei Wildschweinen. Die wirtschaftlichen Folgen reichen weit über das Krisengebiet hinaus.
| dpa
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Der erste Fall der für Menschen ungefährlichen Tierseuche in Deutschland war am 10. September bestätigt worden - bei einem toten Wildschwein in Brandenburg.
Der erste Fall der für Menschen ungefährlichen Tierseuche in Deutschland war am 10. September bestätigt worden - bei einem toten Wildschwein in Brandenburg. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Berlin

Vier Wochen nach dem Auftauchen der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland ist die Lage für Tierhalter bundesweit weiterhin angespannt.

Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Es ist eine äußerst kritische Phase für die Schweinehalter." Abgesackte Preise hätten sich noch nicht wieder erholt. Mit Blick auf Handelsstopps einiger asiatischer Länder sagte Rukwied, dass diese natürlich für Marktdruck sorgten. "Wir hoffen, dass Mitbewerber aus Spanien, den Niederlanden oder Dänemark unsere Märkte außerhalb Europas beliefern, damit wir dann in Europa bessere Marktchancen haben - also dass sich der Markt neu zurechtrückt."

Der erste Fall der für Menschen ungefährlichen Tierseuche in Deutschland war am 10. September bestätigt worden - bei einem toten Wildschwein in Brandenburg. In dem Krisengebiet nahe der polnischen Grenze wurden inzwischen mehr als 50 weitere Funde mit dem Erreger gemacht. Schweineställe von Landwirten sind aber nach Angaben des Bundesagrarministeriums weiterhin nicht betroffen. Als Reaktion auf den Ausbruch bei Wildschweinen verhängten wichtige Exportmärkte wie China Einfuhrverbote für Schweinefleisch aus ganz Deutschland.

Innerhalb der EU, in die rund 70 Prozent der Schweinefleisch-Exporte gehen, sind Handelsstopps nur auf Betriebe aus betroffenen deutschen Regionen beschränkt. "Dieser Ansatz sollte auch für außereuropäische Märkte gelten. Die Bundesregierung ist da in Gesprächen leider noch nicht zu einem Abschluss gekommen", sagte Rukwied. Die Preise hätten sich weder für Schweinefleisch noch für Ferkel erholt. Derzeit seien es 1,27 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht nach 1,47 Euro vor dem Auftreten der Schweinepest. "Dieser plötzliche Rutsch war voreilig und nicht notwendig." Es gebe einen massiven Abstand etwa zu Preisen von 1,77 Euro in Spanien als größtem Schweineproduzenten in Europa.

"Zu diesen Preisen kann man nicht kostendeckend arbeiten", warnte Rukwied. "Sowohl Mäster als auch Ferkelerzeuger schreiben momentan rote Zahlen. Das hält man nicht lange durch." Hinzu komme ein "Schlachtstau", der schnellstens aufgehoben werden müsse. Hintergrund sind Engpässe in Schlachthöfen wegen Corona-Fällen. "Man muss die Möglichkeit schaffen, auch am Wochenende und an Feiertagen zu schlachten. Denn die Tiere stehen in den Ställen und wachsen." Die großen Agrarländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen kündigten am Freitag bereits an, Wochenendarbeit zu erleichtern.

Mit Blick auf die Eindämmung der Schweinepest in Brandenburg sagte Rukwied: "Nach anfänglichen Ruckeleien läuft das Krisenmanagement ordentlich." Die Schweinehalter in ganz Deutschland hätten schon seit Jahren in Schutzvorkehrungen für ihre Ställe investiert und machten dies weiter konsequent - unabhängig vom Bundesland. "Es ist ganz wichtig, dass auch Menschen wachsam sind und Lebensmittelreste nicht achtlos wegwerfen, die das Virus tragen könnten."

© dpa-infocom, dpa:201010-99-894491/3

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