Airbus liefert im Corona-Jahr 566 Jets

Die Pandemie hat die Flugbranche besonders hart getroffen. Viele Fluggesellschaften konnten sich nur dank staatlicher Hilfen vor der Pleite retten - das machte sich auch in den Bestellungen neuer Jets bemerkbar.
| dpa
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Bei Airbus wurde 2020 mehr bestellt als abgesagt.
Bei Airbus wurde 2020 mehr bestellt als abgesagt. © Peter Kneffel/dpa
Toulouse

Der Luftfahrtkonzern Airbus hat im abgelaufenen Jahr trotz der Corona-Krise mehr Flugzeug-Bestellungen hereingeholt als Stornierungen kassiert.

Netto kamen Aufträge über 268 Maschinen herein, wie das europäische Unternehmen am Freitagabend in Toulouse mitteilte. Dank eines Schlussspurts gelang es Airbus, im Gesamtjahr 566 Jets auszuliefern. "Das spiegelt auch das gegenseitige Vertrauen und Verständnis wider, das wir mit unseren Kunden haben", sagte Airbus-Chef Guillaume Faury in einer Telefonkonferenz mit Journalistinnen und Journalisten.

Der Dezember war Airbus zufolge mit 89 Auslieferungen der stärkste Monat des Jahres. Von ursprünglich für das Gesamtjahr angepeilten 880 Auslieferungen blieb Airbus aber wegen der Pandemie und ihrer Folgen wie erwartet weit entfernt. Es sei ein schwieriges Jahr gewesen, so Faury. Dennoch verteidigte der Konzern seine Position als größter Flugzeugbauer der Welt. Der US-Rivale Boeing hatte die Spitzenposition wegen des Start- und Auslieferungsverbots für seinen wichtigsten Flugzeugtyp 737 Max im Jahr 2019 an Airbus verloren. Die Europäer hatten in dem Jahr 863 Verkehrsflugzeuge ausgeliefert.

Diese Zahl dürfte Airbus auch im Jahr 2021 kaum wieder erreichen. Der Hersteller hat seine Produktion um rund 40 Prozent gekappt. "Wir haben die Produktionsraten an eine neue Normalität angepasst", sagte Faury. Er wolle dieses Niveau vorerst halten. Er hofft, die Produktion der Mittelstreckenjets aus der A320neo-Familie in der zweiten Jahreshälfte wieder ein Stück hochfahren zu können. Rechnerisch würde Airbus damit im laufenden Jahr mehr Flugzeuge ausliefern als im Vorjahr. Faury bestätigte diese Kalkulation, wollte aber keine eigene Prognose dazu abgeben.

Den US-Konzern Boeing hielt die 737-Max-Krise auch im Corona-Jahr im Griff. Erst im November genehmigte die US-Luftfahrtbehörde FAA nach einer Reihe technischer Veränderungen und Nachbesserungen an der Software den erneuten Einsatz der 737 Max. Die Freigabe der europäischen Luftfahrtbehörde EASA wird ab Mitte Januar erwartet. Das Flugverbot war im März 2019 nach zwei Abstürzen mit 346 Toten verhängt worden.

Weil der US-Konzern die 737-Max-Maschinen nicht ausliefern konnte und die Produktion zudem zeitweise ganz stoppte, konnte er in den ersten elf Monaten über die ganze Modellpalette hinweg nur 118 Maschinen an seine Kunden übergeben. Die Zahlen vom Dezember hat Boeing noch nicht veröffentlicht. Zudem bestellten Boeing-Kunden in den Monaten Januar bis November mehr als 500 Flugzeuge ab.

Auch diese Bilanz sieht bei Airbus trotz der herben Folgen der Pandemie für Fluggesellschaften in aller Welt deutlich besser aus. Im Gesamtjahr holte Airbus neue Bestellungen über 383 Maschinen herein - vor allem vor dem Ausbruch der Pandemie. Im Gegenzug kassierte der Konzern 115 Stornierungen. Davon stammten 66 aus dem ersten Quartal und hatten nach früheren Angaben des Herstellers noch nichts mit der Corona-Krise zu tun.

Allerdings haben viele Fluggesellschaften die Abnahme bereits bestellter Maschinen um Monate oder Jahre in die Zukunft verschoben. Für die Produktion bei Airbus hat das weitreichende Folgen. Im Frühling waren die Auslieferungszahlen des Herstellers wegen der Corona-Krise deutlich abgesackt. Seit dem Sommer ging es dann wieder ein gutes Stück aufwärts. Wegen des coronabedingten Einbruchs im weltweiten Flugverkehr haben Airbus und Boeing ihre Flugzeugproduktion allerdings deutlich zurückgefahren und den Abbau zigtausender Jobs angekündigt.

Die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite kämen voran, sagte Faury über die im Sommer angekündigten Stellenstreichungen. Neueinstellungen kann er sich erst ab dem Jahr 2022 oder 2023 wieder vorstellen. Schließlich würden jetzt nicht so viele Stellen gestrichen, wie es die gedrosselte Flugzeugproduktion eigentlich erwarten lasse.

Viele Fluggesellschaften wie Lufthansa konnten sich nur dank staatlicher Hilfen vor der Pleite retten. Zusätzliche Jets können sie derzeit nicht gebrauchen und sie täten sich wegen der eingebrochenen Einnahmen im Fluggeschäft auch mit der Bezahlung schwer. Branchenvertreter erwarten, dass der weltweite Luftverkehr erst in einigen Jahren wieder das Niveau von 2019 erreicht. Auch wenn viele Länder inzwischen mit Impfungen gegen das Coronavirus begonnen haben, sieht Airbus-Chef Faury mit Blick auf die weitere Entwicklung im Fluggeschäft weiterhin eine große Unsicherheit.

© dpa-infocom, dpa:210108-99-949591/3

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