Oldtimerkauf: 14 Punkte, die jeder Interessent beachten und kennen sollte

Automobile "Altertümchen“ haben für Fans viel Charakter und einen hohen Coolness-Faktor. Dennoch sollte man sich nicht blind in dieses Wagnis stürzen.
von  Martin Derwall
Wer Autos mag, hat meist auch ein Herz für Oldtimer. Sie selbst zu besitzen sollte aber dennoch wohlüberlegt sein.
Wer Autos mag, hat meist auch ein Herz für Oldtimer. Sie selbst zu besitzen sollte aber dennoch wohlüberlegt sein. © stock.adobe.com © aleluk

Nicht gerade wenige sind der Ansicht, dass moderne Autos vieles von derjenigen Charakteristik, Leidenschaft und Eigenständigkeit vermissen lassen, die früher zum Nulltarif beim Kauf eines Fahrzeugs miterworben wurden. Schon seit Jahren steigen auch aus diesem Grund die Zahlen von Oldtimern im Verkehr – also keine  "älteren Gebrauchten“, sondern tatsächlich Fahrzeuge, welche mindestens 30 Jahre alt sind; diese 30 ist die Grenze, ab der auch der Gesetzgeber von Oldtimern spricht.

Doch auch wenn die Kleinanzeigenportale voller Angebote zwischen Alfa Romeo, Mercedes und Zündapp sind, so sollten Interessenten sich doch bewusst machen, dass es bei derart charmantem „Altblech“ auch einige Unterschiede zum Gewohnten aus den zeitgenössischen Fahrzeuggenerationen gibt.

Die Ersatzteilversorgung ist nicht lückenlos gewährleistet

Wer heute ein Auto erwirbt, der kann sich auf eine freiwillige Verpflichtung der meisten deutschen und ausländischen Autohersteller verlassen: Ersatzteile werden herstellerseitig für mindestens zehn Jahre nach dem Ende einer Baureihe vorrätig gehalten. Das gilt nicht nur für Verschleiß-, sondern tatsächlich alle Teile bis hinab zum Pin, der die Fußmatte am Teppich festhält.

Und selbst wenn diese Zeit abgelaufen ist, können Besitzer sich darauf verlassen, noch länger gut versorgt zu sein. Aus drei Gründen:

Je länger eine Baureihe ausgelaufen ist, desto geringer wird der Bestand und desto kleiner auch die Nachfrage nach Teilen. Es winken also beste Chancen auf jene besonders beliebten "NOS-Teile“. Dies steht für New Old Stock und bedeutet technisch brandneuen, aber kalendarisch alten Ersatz (etwa aus nicht angetasteten Beständen), der deshalb beste Originalqualität aufweist. 

Schon seit Jahrzehnten kaufen die Hersteller verstärkt die Einzelteile bei Fahrzeugausrüstern ein, statt sie selbst zu fertigen. Just diese sind es, die auch noch lange nach Ende einer Serie zumindest noch Verschleißteile produzieren.

Ebenfalls schon seit vielen Jahren werden viele Fahrzeuge auf Plattformen basierend gefertigt. Das sorgt dafür, dass es viele deckungsgleiche Teile mit anderen Baureihen gibt – deshalb haben beispielsweise der erste Seat Leon, der VW Golf IV und der damalige Audi A3 viele Gemeinsamkeiten.

Bloß: Auch wenn diese Politik schon seit Jahren verfolgt wird und zudem mit steigender Oldtimer-Beliebtheit viele Teile von Drittanbietern wieder neu produziert werden, so muss doch festgestellt werden, dass die Ersatzteilversorgung für Oldies mit jedem Jahr etwas schlechter wird – vor allem jenseits von Verschleißteilen.

Hinzukommt, dass die Versorgung zwischen den Autoherstellern und -modellen extrem unterschiedlich sein kann. BMW beispielsweise ist für eine gute Versorgung bekannt; bei Ford hingegen klagen Oldie-Besitzer schon seit Jahren – wenngleich man dem Kölner Hersteller allerdings zugutehalten muss, dass er 1977 mit einem Großbrand konfrontiert war, der das zentrale Ersatzteillager weitgehend vernichtete.

Angehende Oldie-Fahrer sollten deshalb die Ersatzteillage unbedingt in ihre Fahrzeugauswahl einfließen lassen und sich darüber im Klaren sein, dass ein guter Oldtimerbesitzer unbedingt eine "Eichhörnchen-Philosophie“ leben sollte; also opportunistisch sein und mehr kaufen, als er benötigt – und auch Dinge, die er bloß jetzt noch nicht braucht.

Oldtimer-Pflege: Eine Garage ist beinahe Pflicht

Schon aufgrund dieser Notwendigkeit zum Ersatzteilehorten ist es unbedingt empfehlenswert, eine großzügige Garage mit hinreichend stabilen Regalen zu besitzen. Aber nicht nur deshalb:

Viele, eigentlich sogar alle Oldtimer stellen eine Wertanlage dar. Besonders in restauriertem oder völlig originalem Zustand.

Praktisch alles, was heute an Diebstahlsicherungen bekannt ist, war vor 30 Jahren bestenfalls noch in den Kinderschuhen oder überhaupt noch nicht erfunden. Es ist also deutlich leichter, einen Oldtimer aufzubrechen und kurzzuschließen als ein Fahrzeug aus diesem Jahrtausend. 

Je älter das Fahrzeug, desto schlechter ist typischerweise die Rostvorsorge. Teils geschah dies aus schlichter Nachlässigkeit; vor allem bei jüngeren Oldtimern hingegen, weil Hersteller neue Techniken noch nicht voll beherrschten. Vor allem der Umstieg auf wasserbasierende Lacke in den 80ern und 90ern bereitet aktuell vielen Kopfzerbrechen.

Ergo: Wer einen Oldie will, sollte zuvor ein gutbelüftetes und sicher verschließbares "Obdach“ besorgen – auch, weil das Fahrzeug vernünftigerweise im Winter nicht auf die Straße sollte.

Oldtimer: Zulassung kann variabel gestaltet werden

Wie lässt man einen Oldtimer zu? Prinzipiell gäbe es hier fünf Möglichkeiten.  Allen gemeinsam ist, dass der Besitzer kaum umhinkommen wird, jene moderne Ausprägung von Schildern zu montieren, die im Fachjargon als Eurokennzeichen bekannt sind – das blaue Feld links ist in den allermeisten Fällen unumgänglich, weil sich viele Zulassungsbehörden sträuben, selbst noch vorhandene alte Kennzeichen neu zu stempeln.

Doch welche Optionen gibt es unterhalb davon?

Eine reguläre Ganzjahreszulassung. Sie hat den einzigen Vorteil, dass die Prüfkriterien dieselben sind wie bei jeder anderen Hauptuntersuchung. Typischerweise ist das jedoch auch die teuerste Option – schon deshalb, weil bei der Besteuerung das Abgasverhalten einfließt.

Eine reguläre Saisonzulassung. Das Fahrzeug wird für einen Zeitraum zwischen zwei und elf Monaten zugelassen – erkennbar am Zeitraum am rechten Kennzeichenrand. Eine bereits deutlich bessere Option, weil Steuern (und Versicherung) nur für den zugelassenen Zeitraum berechnet werden.

Ein ganzjähriges H-Kennzeichen. Dies wird nur gewährt, wenn ein Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt ist (es zählt der Tag der Erstzulassung) und eine strenge Prüfung besteht. Der Lohn: 192 Euro Fixsteuer für Autos, 46 für Motorräder. Das lohnt sich zwar nicht bei allen Fahrzeugen (vor allem hinsichtlich des Hubraums), aber bei einer Mehrheit.

Das H-Saisonkennzeichen. Es funktioniert ganz ähnlich, jedoch wird die sowieso geringe Steuer nur saisonal berechnet. Eine sehr gute Option, die das typische "Oldtimerjahr“ bestens widerspiegelt und den Betrieb noch günstiger macht.

Das rote "07er“ Wechselkennzeichen (Symbole beginnen grundsätzlich mit 07). Es kann nur an Fahrzeugen montiert werden, welche die H-Kennzeichenprüfung bestanden haben und kostet auch denselben Steuersatz. Dann jedoch muss keine Hauptuntersuchung mehr absolviert werden und das Nummernschild darf sogar auf mehreren Oldies wechselweise montiert sein – ohne dass sich etwas an der Besteuerung ändert. Allerdings: Es sind nur noch Prüf- und Einstellfahrten sowie solche zu Oldtimertreffen gestattet. Zudem prüfen die Zulassungsbehörden den Antragsteller sehr genau, verlangen ein Führungszeugnis und einen Auszug aus dem Verkehrszentralregister.

Die für die Mehrheit beste Option dürfte das H-Saisonkennzeichen sein. Wer allerdings auch auf nicht zeitgenössische Umbauten Wert legt und vielleicht nicht dauernd penibel auf den Zustand achten will, dürfte mit einem regulären Saisonkennzeichen oder eben dem 07er Kennzeichen besser bedient sein.

Oldtimer fahren sich einfach anders

Der Charakter ist im Oldie-Kaufpreis inkludiert. Ohne moderne Fahrwerke und Sicherheitsmerkmale fahren zu können, muss man sich hingegen durch Übung erkaufen.
Der Charakter ist im Oldie-Kaufpreis inkludiert. Ohne moderne Fahrwerke und Sicherheitsmerkmale fahren zu können, muss man sich hingegen durch Übung erkaufen. © stock.adobe.com © AS Photo Project

Jedes Jahr gibt es immer wieder Unfälle unter Beteiligung von Oldtimern; erst kürzlich beispielsweise in Schwaben. Der häufige Grund: Den Fahrern ist oft nicht bewusst, dass das Fahrverhalten teils dramatisch anders ist als bei modernen Fahrzeugen.

Zugegeben, für heute (2021) junge Oldtimer gilt das deutlich weniger als für Modelle, die vor den 80ern gefertigt wurden. Dennoch kamen vor allem viele elektronische Fahrhilfen erst in den 90ern oder sogar danach auf. Auf mehr als maximal ABS darf man selbst bei jungen Oldies kaum hoffen. Entsprechend ist es nötig, vor jeder Fahrt umzudenken und nochmals deutlich vorausschauender und defensiver zu fahren – ganz besonders mit Oldtimern, deren Leistungen denjenigen moderner Autos entsprechen.

Junge Oldies und ihre Elektronikprobleme

Seit zu Beginn der 2010er die ersten Fahrzeuge aus den 80ern "H-reif“ wurden, musste die Szene feststellen, dass ein bislang ungekanntes Problem aufkam: Elektronik.

Bei vorherigen Fahrzeugen war das elektrische System leicht überschaubar. Rost war hier ein deutlich größeres Problem für Restauration und Erhaltung. Doch mit den 80ern hielten elektronische Einspritzanlagen und vor allem Steuergeräte Einzug. Das ist aus mehreren Gründen ein solches Problem:

Es dauerte, bis man Elektronik so sicher beherrschte, dass sie die mechanischen Belastungen eines Autolebens überstand.

Kaum jemand dachte damals daran, dass ein Modell so lange fahren würde.

Die Elektronik entwickelte sich sehr schnell weiter. Aus diesem Grund wurden einzelne Bauteile oft nur sehr kurz gefertigt. Das kann die Ersatzteilbeschaffung immens erschweren.

Das größte Problem ist jedoch folgendes: Es gibt nur wenige Werkstätten, die mit dieser Alt-Elektronik umzugehen wissen. Und selbst wenn, so sind Fehlersuche und Reparatur meistens langwierig und entsprechend teuer.

In der Szene glauben deshalb viele, dass die heutigen und vor allem die kommenden, noch deutlich elektronischeren Baujahre, eine riesige Lücke hinterlassen werden, weil sie aufgrund solcher Probleme verschrottet wurden und werden, bevor ihre restliche Technik am Lebensende angelangt ist.

Ein Zweitfahrzeug ist vielfach vonnöten – oder von der Versicherung vorgeschrieben

Einen Oldie ganzjährig fahren? Das ist schon aufgrund des Werterhalts keine wirklich gute Idee. Vor allem aber verlangen viele Versicherer, besonders wenn das Fahrzeug ein H-Kennzeichen hat, dass entweder grundsätzlich ein Zweitwagen auf diesen Halter angemeldet sein muss, oder sie erzwingen es anderweitig, indem sie sehr geringe Jahreslaufleistungen vorschreiben. Um einen (moderneren) Zweitwagen, zumindest für den Winter, wird man deshalb kaum herumkommen – mit allen sich daraus ergebenden Tatsachen.

Oldtimerbesitzer sollten zumindest grundlegende handwerkliche Fähigkeiten besitzen

Nicht nur in Sachen Elektronik kann die Werkstattsuche dem Oldtimerbesitzer Kopfzerbrechen bereiten. Es ist auch Tatsache, dass die wenigsten "normalen“ Mechatroniker heute noch wissen, wie sie so alte Modelle zu behandeln haben. Und die, die es wissen, lassen sich ihre Dienste meist noch deutlich besser bezahlen als ihre an modernen Fahrzeugen arbeitenden Kollegen.

Zwar ist dieser Punkt kein unbedingtes Muss, dennoch sollten Oldtimerbesitzer zumindest grundlegende Wartungsarbeiten selbst beherrschen – und dazu entweder eine gut ausgestattete Mietwerkstatt in der Hinterhand haben, oder selbst das nötige Werkzeug zusammenkaufen. Einen Bonus haben Oldies hier: Teure Spezialwerkzeuge werden meist nur für jüngste Baujahre benötigt.  

Das Finden „seines“ Oldtimers braucht viel Wissen und Detektivarbeit

Wie taxiert man den Wert eines Oldtimers? Das dafür übliche Verfahren sind die sogenannten Zustandsnoten. Das Problem ist jedoch: Sie sind zwar anerkannt, aber ein doch eher grobes Muster; was mancher Verkäufer als Note 2 ansieht, dürfte der Käufer eher als 3 ansehen – ohne dass einer der beiden wirklich falsch läge.

Schon dies macht es schwierig, seinen Oldie zu finden. Doch es ist nur die Spitze des Eisbergs. In der Praxis ist folgendes nötig:

Es müssen zunächst mehrere Fahrzeugmodelle gefunden werden. Diese werden dann hinsichtlich ihrer Anfälligkeit, Schwachstellen und Ersatzteilversorgung "ausgesiebt“. Von den verbliebenen Modellen müssen nun passende Stücke gesucht, gefunden, begutachtet und Probe gefahren werden.  Dabei ist es wiederum nötig, sogenannte Blender erkennen zu können – Fahrzeuge, die deutlich besser aussehen, als sie es sind.

In der Praxis hat das Suchen und Finden des ersten Oldtimers meist den Charakter von Detektivarbeit; auch bei beliebten Volumenmodellen. Und es ist nötig, jemanden als Helfer zu haben, der sich wirklich auskennt.

Vernetzt fährt es sich deutlich leichter

Damit wurde auch schon ein wichtiger Grund genannt, warum es nötig ist, sich an andere Besitzer dieses Modells oder wenigstens Autos dieses Herstellers zu wenden: Es ist möglich, zu sehr geringen Kosten aus einem reichhaltigen Erfahrungsschatz zu schöpfen; als "Einzelkämpfer“ haben Oldtimerfahrer es erfahrungsgemäß schwer.

Hinzu kommt außerdem, dass sich auf diese Weise auch Reparaturen und nicht zuletzt die Ersatzteilsuche deutlich vereinfachen lassen. Dies geht sogar so weit, dass manche Interessengemeinschaften und Klubs bei Zulieferern bekannt "schwierig“ zu besorgende Teile in Kleinserien neu fertigen lassen – natürlich nur für ihre eigenen Mitglieder.

Der TÜV bleibt ein "Damoklesschwert" für Oldtimer

Ständige Pflege ist beim Oldtimer nicht nur Pflicht für den Werterhalt, sondern speziell beim H-Kennzeichen auch, weil dieser Status jederzeit aberkannt werden kann.
Ständige Pflege ist beim Oldtimer nicht nur Pflicht für den Werterhalt, sondern speziell beim H-Kennzeichen auch, weil dieser Status jederzeit aberkannt werden kann. © stock.adobe.com © Countrypixel

Das H-Kennzeichen zu bekommen ist eine Hürde, die für sich schon einiges an Zeit und Geld verschlingen kann – definitiv nicht nur bei Fahrzeugen, die sowieso eine Restauration nötig haben. Doch damit endet der Zwang zu penibler Pflege nicht. Denn abgesehen vom 07er Kennzeichen wird der Oldie auch weiterhin alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung müssen. Und das H-Kennzeichen kann dabei auch wieder aberkannt werden, wenn Besitzer nachlässig werden.

Vor allem aufgrund der Tatsache, dass frühere Autos in der Regel nicht für ein derartig langes Leben konzipiert wurden, bedeutet dies, dass der blecherne Schatz immer wieder Geld benötigt. In der Praxis sind deshalb die Einsparungen durch das H-Kennzeichen und verbilligte Oldie-Versicherungssätze meist keine wirklichen Einsparungen, sondern werden an anderer Stelle sogar dringend benötigt – und reichen meist kaum aus.

Oldtimer gehen meist den umgekehrten Weg der Preiskurve

Ein weiterer Punkt, der bei der Oldie-Suche volle Beachtung finden sollte: Was schon im Neuzustand kostspielig war, wird es häufig auch als Oldtimer bleiben. Rolls Royce, Ferrari und Konsorten werden definitiv nicht (sonderlich) erschwinglicher, nur weil sie alt sind. Alles, was im Neuzustand den Status eines günstigen Massenfahrzeugs hatte, wird noch vor dem 30. Geburtstag die preisliche Talsohle überschritten haben und danach steil ansteigen.

Das vielleicht beste Beispiel hierfür sind die Modelle Golf I und II von VW: Um die Jahrtausendwende herum bekam man gutgepflegte Exemplare mit niedrigsten Laufleistungen streckenweise schon für dreistellige Beträge regelrecht "hinterhergeworfen“. Heute hingegen muss man bereits für einen völlig normal ausgestatteten Golf 1 definitiv mit 10.000 Euro kalkulieren, wobei GTIs und andere Sondermodelle ein Vielfaches kosten.

Diese Preiskurve zwingt viele Oldtimersuchende dazu, schnell zu sein. Mit jedem Jahr, das nach der 30 vergeht, steigt der Preis an – ungeachtet des Zustands. Dennoch darf die Eile nicht zulasten der Sorgfalt bei der Auswahl gehen. Denn es gilt eine eherne Szeneregel: Jeden Euro, den man beim Kaufpreis spart, wird man in den kommenden Jahren in Wartung
und Reparaturen investieren müssen.

Deshalb gilt auch Vorsicht vor verdächtig günstigen Angeboten. Oftmals hat hier jemand einen Wartungs- und/oder Reparaturstau entstehen lassen oder wegen der schwierigen Ersatzteilbeschaffung entnervt aufgegeben.

Das Thema Sicherheit muss beachtet werden

Es wurde bereits angesprochen, dass Oldtimer sich teils dramatisch anders fahren als modernere Fahrzeuge. Allerdings endet dies nicht bei ABS und Konsorten. Es erstreckt sich auch in den Bereich passive Sicherheit. Airbags beispielsweise kamen erst im Verlauf der 80er auf, blieben aber noch bis weit in die 90er auf Fahrer- und bestenfalls Beifahrerairbags beschränkt. Zwar erwiesen sich alte Airbags als deutlich langlebiger als befürchtet, das ändert jedoch nichts daran, dass die Ausstattung im Vergleich mit heutigen Standards mangelhaft ist.

Auch zieht sich dies über jedes andere Sicherheitsdetail. Egal ob Karosseriesteifigkeit (die durch Rost enorm reduziert werden kann), die generelle Sicherheitsarchitektur der Fahrgastzelle, Bremsen, Lenkung und Gurtsysteme: Überall sind Oldtimer nicht nur Stand ihres Alters, sondern Stand der Zeit, in der dieses Automodell entwickelt wurde. Wie extrem die Differenzen sind, zeigte schon vor einigen Jahren ein Crashtest, der in den USA gemacht wurde:

Anzeige für den Anbieter YouTube über den Consent-Anbieter verweigert

Oldtimer: Alte Autos, großer Durst

Ein Käfer 1200. Einer der beliebtesten Oldies. 34 PS, geringes Gewicht, charmantes Äußeres. Kein Auto, bei dem man sich an der Tankstelle fürchten müsste – ungleich beispielsweise zu einem E32 7er BMW, der mit Hubräumen unter drei Liter gar nicht erst gebaut wurde.

Doch stimmt die Rechnung? Leider nein. Beim Käfer dürfen Besitzer getrost davon ausgehen, dass selbst ein professionell eingestellter Motor im Mix neun Liter benötigt – was sich je nach Verschleiß und Abstimmungsgrad aber auch auf durchaus zehn oder gar elf Liter steigern kann.

Nun stimmt es zwar nicht, dass alle Oldtimer raue "Trinksitten“ aufweisen. Vor allem Modelle mit elektronischen Einspritzanlagen sind hier (für Oldtimer) absolut vorbildlich. Tatsache ist jedoch, dass erst nach dem Jahrtausendwechsel wirklich große Entwicklungsschritte zur Verbrauchsreduktion getätigt wurden. Durch die Bank weg verbrauchen Oldies deshalb deutlich mehr als vergleichbare zeitgenössische Fahrzeuge. Und ja, auch diesseits des Atlantiks baute man damals Autos, die 15, 20 oder noch mehr Liter Kraftstoff benötigen.

Nicht jeder lächelt bei einem solchen Anblick

Wir leben in einer Zeit, in der sich bei immer mehr Menschen das Bewusstsein durchsetzt, dass verbrennungsmotorbetriebene Mobilität ein besonderes Problem hinsichtlich des Klimawandels bedeutet. Bei Oldtimern kommen diesbezüglich mehrere Tatsachen zusammen: Selbst junge Oldies haben ein schlechteres Verbrauchs- und Abgasverhalten. Auch der G-Kat ab Mitte der 80er war nicht der letzte Entwicklungsschritt.  Wer ein H-Kennzeichen hat, benötigt keine Feinstaubplakette, darf dennoch in jede Umweltzone einfahren und muss auch sonstige (Umwelt-)Fahrverbote nicht beachten. 

Das Äußere vieler Oldtimer wirkt auf manche Zeitgenössen provokant; wie ein kalkuliertes Statement gegen Umweltschutz. Manche verbinden Oldtimer auch (fälschlicherweise) damit, dass der Besitzer sehr reich sein müsse. Zwar muss man nicht unbedingt befürchten, dass militante Umweltschützer und sonstige Personen den Oldie demolieren; auch wenn es durchaus fragwürdige Meinungen gibt. Jedoch sollten Besitzer sich zumindest bewusst sein, dass sie nicht jedem Passanten ein Lächeln aufs Gesicht zaubern werden – und dazu gehören auch normale Autofahrer, die sich bloß ärgern, dass sie sich wegen einer neuen Umweltzone ein neues Fahrzeug anschaffen mussten, während ein rußender Diesel-Oldie von 1979 nach Belieben dort einfahren darf.

Oldtimer-Anschaffung: Zusammenfassung und Fazit

Sich an einem schönen Sommermorgen in sein Opel Commodore-B Coupé zu setzen, den Reihensechszylindermotor zu starten und so zur Arbeit zu gleiten, mag sich für denjenigen, der etwas Benzin im Blut hat, nach einer wunderbaren Erfahrung anhören – und ist es fraglos auch. Doch so viel Spaß Oldtimer auch machen, so viel automobile Leidenschaft sie auch wieder in eine Garage bringen, so sehr sollte sich doch jeder angehende Neubesitzer darüber bewusst sein, dass es sich in jeder Hinsicht um "alte Fahrzeuge“ handelt. Nur wer alle damit einhergehenden Vor- und Nachteile schon vor der Entscheidung kennt und beherzigt, wird keine unschönen Überraschungen erleben.  


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