Lynk & Co 01: Ein Auto mit "brutal einfachem" Konzept

Die chinesische Volvo-Schwester startet auch in Deutschland durch – mit neuartigen Mobilitätsangeboten.
von  Rudolf Huber
Den Lynk & Co 01 gibt es blau oder schwarz, als Hybrid oder Plug-in-Hybrid.
Den Lynk & Co 01 gibt es blau oder schwarz, als Hybrid oder Plug-in-Hybrid. © Lynk & Co

München - Mieter oder Käufer des Kompakt-SUV 01 von Hersteller Lynk & Co müssen exakt zwei Entscheidung treffen: Welche Farbe (schwarz oder blau) und welchen Hybridmotor (Vollhybrid oder Plug-in-Hybrid) soll das Auto haben? "Brutal einfach" nennt Lynk & Co-Chef Alain Visser diese Marketing-Methode, dank der auch monatelange Lieferfristen der Vergangenheit angehören sollen. Wie das funktioniert und was der 01 kann, zeigte Visser der AZ bei einer virtuellen Probefahrt durch Göteborg.

Lynk & Co - dieser Name sagt bisher der überwiegenden Mehrheit der Europäer noch ziemlich wenig. Ein Zustand, der sich in Kürze rapide ändern soll. Denn die Tochter des chinesischen Geely-Konzerns, zu dem auch Volvo und Polestar gehören, hat Großes vor. Nämlich einen rundum neuen Ansatz: Der Neuwagen-Kauf spielt nur noch eine nebensächliche Rolle, viel wichtiger sind die "Mitglieder". Gemeint sind damit Menschen, die entweder einen 01 auf monatlich kündbarer Basis für 500 Euro im Monat gemietet haben. Oder solche, die bei Bedarf einen 01 von einem Mieter oder Besitzer ausleihen - intensives Carsharing ist einer der wichtigsten Ansätze des Konzepts.

90 Prozent wollen neuen Lynk & Co mieten

Und das kommt offenbar an. Denn nach dem Europa-Start in Amsterdam und der Öffnung der Bestellbücher auch in Deutschland liegt laut Visser der Mieter-Anteil bisher bei rund 90 Prozent - das ist deutlich mehr als erwartet. Und noch eine Zahl, die den Marketing-Experten anderer Marken Zahnschmerzen bereiten dürfte: Das Durchschnittsalter der Mitglieder und Käufer liegt bei 34 Jahren. "Brutal wenig", konstatiert der Chef, während er, im Fokus diverser Kameras innerhalb und außerhalb des Wagens, durch Göteborg fährt und davon berichtet, dass nach Berlin und Hamburg auch München zum „Club“-Standort werden soll.

Lynk & Co-Chef Alain Visser bei seiner aus vielen Blickwinkeln gezeigten Live-Testfahrt.
Lynk & Co-Chef Alain Visser bei seiner aus vielen Blickwinkeln gezeigten Live-Testfahrt. © Lynk & Co

Dabei sind "flexible Mobilitätslösungen für die vernetzte Generation", das Weitervermieten, die Lynk & Co-Community mit Clubs, Kulturveranstaltungen und sonstigen Aktionen, nur die eine Seite. Noch wichtiger ist natürlich die Hardware. Und da weiß sich der Lynk & Co-Chef auf der sicheren Seite. Der 01 basiert auf derselben Plattform wie der Volvo XC40 und er profitiert bei allen Zutaten von der großen Schwester und der Expertise des Geely-Konzerns.

"Smartphone auf Rädern"

Sprich: Der 4,54 Meter lange 01 ist aus Sicht des Herstellers "ein verdammt gutes Auto", ein "Smartphone auf Rädern" und ein Kompakter, bei dem alle Extras zum Standard gehören. Zum Start in Deutschland, der für Mitte 2021 angepeilt wird, ist das Kompakt-SUV einmal für 35.000 Euro als Hybrid mit 1,5 Liter großem Dreizylinder-Turbobenziner mit 145 kW/197 PS Systemleistung zu haben. Die Spitze liegt bei 190 km/h, von null bis 100 km/h dauert es per 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe 9,0 Sekunden.

Übersichtlich und weitestgehend digital: die Armaturen des Lynk & Co 01.
Übersichtlich und weitestgehend digital: die Armaturen des Lynk & Co 01. © Lynk & Co

Die zweite Version ist ein Plug-in-Hybrid mit 69 Kilometern rein elektrischer Reichweite. Er leistet maximal 192 kW/261 PS, bringt es auf 8,0 Sekunden und 210 km/h. Der Preis: 42.000 Euro. Oder, wie gesagt: 500 Euro im Monat. Dafür kann der Mieter 1.250 Kilometer im Monat fahren, jeder weitere Kilometer kostet 15 Cent. Je nachdem, wie oft und wie lange das Auto per Klick auf die Sharing-App geteilt wird, lassen sich diese Kosten auch noch deutlich reduzieren.

Monatsmiete enthält Wartung und Versicherung

Ungenutzte Kilometer werden auf den nächsten Monat übertragen. Wartung und Versicherung sind inklusive, nur Benzin, Strom, eventuelle Bußgelder und Parkgebühren sind nicht in der Pauschale enthalten. "Brutal einfach" nennt Alain Visser dieses Konzept. Und er verspricht: Wenn der Laden erst einmal rund läuft, dauert es vom Vertragsabschluss bis zur Lieferung nur noch zwei, drei Tage - je nach Komplexität der Zulassungsprozedur.

Möglich macht das die Tatsache, dass Lynk & Co das Pret-a-porter-Prinzip aus der Mode auf die Autobranche übertragen hat: Es gibt schlicht keine Extras, der 01 ist ein Auto von der Stange. Panoramadach, Metallic-Lackierung, automatische Heckklappe, Premium-Stereosystem, Carsharing-Funktion, digitaler Schlüssel, eingebaute Apps, adaptive Geschwindigkeitsregelung, kabelloses Laden von Smartphones und vieles mehr - das alles ist immer drin.

Übrigens: Den Service erledigen Volvo-Händlerbetriebe: Wenn eine Wartung fällig ist, wird der Lynk & Co abgeholt und anschließend wieder nach Hause geliefert. "Keep it simple" sagt dazu der Brite. Für Alain Visser ist es wieder "brutal einfach".