Interview

Schauspieler Felix Klare: Mörderisch schneller Seitenwechsel

"Tatort"-Kommissar Felix Klare wechselt für die packende ARD-Thrillerserie "Schneller als die Angst" die Seiten - und das auch noch am gleichen Fernsehabend.
von  Florian Koch
Im Sechs-Teiler "Schneller als die Angst" macht Friederike Becht als Kommissarin Jagd auf Felix Klare als Serienmörder.
Im Sechs-Teiler "Schneller als die Angst" macht Friederike Becht als Kommissarin Jagd auf Felix Klare als Serienmörder. © ARD Degeto/MDR/Stephan Rabold

Erst nachdenklicher Polizist, später eiskalter Serienmörder. Gleich zu Beginn des Neuen Jahres zeigt Felix Klare im Abendprogramm der ARD sein schauspielerisches Repertoire. Nachdem Klare als Kommissar Bootz an der Seite seines Kollegen Lannert (Richy Müller) im SWR-Tatort "Videobeweis" (Samstag, 1. Januar, 20.15 Uhr) bei einer aus dem Ruder gelaufenen Weihnachtsfeier ermittelt, lehrt der vielseitige Darsteller die Zuschauer im Sechsteiler "Schneller als die Angst" das Fürchten.

Sein André Haffner ist ein manipulativer Sexualstraftäter, den auch nach seiner Flucht aus dem Gefängnis die Mordlust antreibt. Ihm auf den Fersen ist die fragile Zielfahnderin Sunny (Friederike Becht), die aber auch in der eigenen Abteilung Nachforschungen anstellt.

Eine Thrillerserie nach amerikanischem Vorbild

Sie vermutet, dass sie von einem Kollegen vergewaltigt wurde. Aus dieser brisanten Prämisse macht Regisseur Florian Baxmeyer eine nicht immer logische, aber stets packende Thrillerserie, die sich erkennbar an amerikanischen Vorbildern orientiert und mit Felix Klare einen furchteinflößenden Bösewicht präsentiert.

AZ: Herr Klare, Ihr André Haffner ist ein durch und durch sadistischer Charakter. Hat Sie an dieser Figur auch eine gewisse Faszination für das Böse gereizt?
FELIX KLARE: Ich habe mich hier weniger von dem Bösen angezogen gefühlt als von dem Hang zum Extremen. Von solchen Figuren ist man beim Zusehen fasziniert, aber auch für mich als Schauspieler haben sie dadurch einen großen Reiz. Spannend ist dabei auch der Kontrast zur Realität. In diesen Breitengraden ist das Leben ja sonst relativ angenehm.

Felix Klare: "Die Dauerbeschäftigung damit hat etwas mit mir gemacht"

Haben Sie sich auf diesen Serienkiller, der so weit weg ist von allen anderen Figuren, die sie sonst spielen, besonders intensiv vorbereitet?
Ich haben mich mit vielen verschiedenen Serienkillern befasst, im Zuge von Dokumentarfilmen oder Serien. Irgendwann musste ich das aber beenden, weil mich die Thematik auch abgestoßen und die Dauerbeschäftigung etwas mit mir gemacht hat. Dann habe ich versucht die Figur auch im Austausch mit den Autoren vor allem von der Psychologie her zu beleuchten, um sie dann in vier Säulen aufzubauen.

Und die wären?
Die Themenfelder umfassen Sucht, Narzissmus, Minderwertigkeitskomplex und Macht. Bei mir selbst konnte ich überall Anknüpfungspunkte finden, bis auf das Thema Macht. Das ist so gar nicht meins. Das musste ich mir mit Hilfe meiner Fantasie vorstellen.

Klare: "Vor dem Dreh habe ich mit Yoga angefangen"

Sie haben zu Beginn nur wenige, dafür einprägsame Szenen, wie einen Quasi-Nacktauftritt mit Tattoo und Taucherbrille. Wie haben Sie versucht, hier sofort eine Gefährlichkeit auszustrahlen, auch auf die Gefahr hin sich lächerlich zu machen?
Es war tatsächlich beabsichtigt, Haffner lange nur schemenhaft und auch nicht von vorne zu zeigen. Am Anfang hört man sogar nur seine Stimme. Wir hatten auch mehr und härteres Material gedreht, dann müsste man die Serie aber um 23.15 Uhr senden und das wollte am Ende niemand. Um Haffner in seiner Brutalität glaubwürdig zu verkörpern, bereitete ich mich im Einzelunterricht vor allem körperlich vor. Zwei Monate vor den Dreharbeiten habe ich auch mit Yoga angefangen. Das Training beinhaltet eine besondere Atemtechnik, eine Form der Meditation. Und diese innere Ruhe, diese innere Kraft habe ich dann auch versucht eins zu eins in die Rolle einfließen zu lassen.

Kim Tramell (Ursina Lardi) steht im Mittelpunkt der Ermittlungen der Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller, l) und Sebastian Bootz (Felix Klare) im SWR-Tatort "Videobeweis".
Kim Tramell (Ursina Lardi) steht im Mittelpunkt der Ermittlungen der Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller, l) und Sebastian Bootz (Felix Klare) im SWR-Tatort "Videobeweis". © picture alliance/dpa/SWR

Diese gefährliche Ruhe zeichnet viele Filmbösewichter wie Anthony Hopkins alias Hannibal Lecter aus.
Das stimmt, aber ich bin bei der Rollenvorbereitung lieber meinen eigenen Weg gegangen. Ich habe mir auch nicht vorgestellt einen eiskalten Killer zu mimen, sondern eher eine Wärme in die Stimme gelegt. Diese Wärme ist aber keine Herzenswärme, sondern immer mit einer Absicht verbunden. Haffner will nichts von sich geben, sondern immer nur nehmen. Dennoch muss man immer vorsichtig sein, dass es nicht zu plakativ wird.

Klare: "Niemand wird böse geboren"

Was sind für Sie die Gründe, warum Haffner bereits in jungen Jahren den Mordinstinkt gerade auf Frauen entwickelt hat?
Ich glaube nicht, dass jemand böse geboren wird. Die Umstände haben aber einen wesentlichen Einfluss auf das Heranwachsen. Ich glaube auch, und dieses Gebiet ist ja noch völlig unerforscht, dass schon ziemlich viel während der Schwangerschaft passiert. Und dann ist auch nicht immer der Vater oder die Mutter schuld, sondern die Gesellschaft, in die man hineingeboren wird. Ob arm oder reich, das spielt da alles mit rein.

Einige Serienmörder bekommen in der Haft Liebesbriefe oder sogar Heiratsanträge. Ganz ähnlich hat auch ihre Figur eine große Wirkung auf Frauen. Wie lässt sich das erklären?
Schwierig. Für meine Figur kann ich sagen, dass sie von den Autoren mit einer ziemlich langen Vorgeschichte ausgestattet wurde, die auch beeindruckend wirken kann. Haffner hat Psychologie studiert, kann fünf Sprachen, war Berufspilot, ist also ein relativ intellektueller Serienkiller, der darauf geschult ist zu manipulieren. Als Lebemann hat Haffner auch etwas zu erzählen und weiß, wie er sich in Szene setzen muss, um aufzufallen. Gerade auch seine Undurchsichtigkeit verstärkt diese Faszination noch.

Altersempfehlung: Ab 12 Jahren

Wie haben Sie nach dem Dreh einen Ausgleich gefunden?
Darüber konnte ich gar nicht viel nachdenken, denn keine zehn Drehtage später fing für mich bereits der nächste Tatort an. Es hatte für mich dann fast schon eine gewisse Komik so schnell wieder die Seiten zu wechseln: vom Serienmörder zum Polizisten.

Sie haben vier Kinder. Würden Sie denen abraten, den Sechsteiler zu sehen?
Die Serie würde ich schon zeigen, aber ab 12, wie sie auch vorgesehen ist. Und dann kennen mich meine Kinder als Papa auch in vielen Farben. Die haben mit so einem Auftritt als Serienkiller wahrscheinlich weniger Probleme als so mancher Zuschauer.


Samstag, 20.15 Uhr: "Tatort - Videobeweis". Der Sechs-Teiler "Schneller als die Angst" startet ebenfalls am Samstag mit zwei Folgen. Dann weiter am Sonntag und am 9.1. ebenfalls zwei Folgen, jeweils ab 21.45 Uhr, ARD