Rugby als Einheitskampf

Spannend und lebendig: Clint Eastwood setzt Nelson Mandela mit „Invictus“ ein gelungenes Denkmal. Das liegt nicht nur an Idealbesetzung Morgan Freeman - sondern auch an rasanten Rugby-Szenen.
von  Abendzeitung
Freiheit nach 27 Jahren Gefängnis: Nelson Mandela (Morgan Freeman) in "Invictus".
Freiheit nach 27 Jahren Gefängnis: Nelson Mandela (Morgan Freeman) in "Invictus". © Warner Bros. Ent./ddp

Spannend und lebendig: Clint Eastwood setzt Nelson Mandela mit „Invictus“ ein gelungenes Denkmal. Das liegt nicht nur an Idealbesetzung Morgan Freeman - sondern auch an rasanten Rugby-Szenen.

Sport kann nationale Gefühle sehr positiv beflügeln, nicht nur zu Olympiade-Zeiten. Das kommt auch Clint Eastwoods dreifach Oscar-nominiertem, sehr speziellem Nelson-Mandela-Biopic nach John Carlins Roman von 2009 zugute.

Die Deutschen hatten 1954 das Fußball-Wunder von Bern, die Südafrikaner 1995 ihr Rugby-Wunder von Johannesburg, das sogar eine von Rassismus gespaltene Nation einte. Auch an diesem Wunder hatte Nelson Mandela (idealbesetzt: Morgan Freeman), nach 27 Jahren Gefängnis und Ende der Apartheid 1994 zum Staatspräsidenten gewählt, seinen Anteil. Denn er erkannte den Nationalsport Rugby als Mittel zur Völkerverständigung.

Eastwood („Million Dollar Baby“, „Gran Torino“) erzählt mit gewohnter Verve eine kurze, wichtige Episode aus Mandelas Amtszeit. Das aus weißen und nur einem schwarzen Spieler bestehende „Springbok“-Team, für die schwarze Bevölkerung und Mandelas Berater ein Symbol für Unterdrückung, agiert glücklos. So kurz vor der WM ist die Stimmung aufgeheizt. Mandela überzeugt schrittweise den weißen Mannschaftskapitän Pienaar (Matt Damon) von seiner Versöhnungsidee via Rugby.

Die harten Kerle spielen dann sogar medienwirksam in den Ghettos mit schwarzen Jungs Rugby, gewinnen Vertrauen und Selbstvertrauen – bis zum happy Finale gegen Neuseeland im Ellis Stadion von Johannesburg. Der Jubel ist grenzenlos, Schwarze und Weiße liegen einander in den Armen. Regisseur Eastwood zieht alle Register seines Könnens – mit rasanten Adrenalin-Sportszenen („Fußball ist ein Gentlemen-Spiel für Hooligans, Rugby ein Hooligan-Spiel für Gentlemen“, heißt es einmal) und witzig-anrührenden Beobachtungen. Man wird zum Rugby-Fan. Und vielleicht wird der 91-jährige Mandela in seinem Dorf Qunu bei diesem Film zufrieden lächeln. Angie Dullinger

Kino: Mathäser, Royal,

Münchner Freiheit

R: Clint Eastwood

K: Tom Stern (USA, 134 Min.)