Was Ivan Repušiæ in seiner ersten Saison plant

Das Profil könnte ein wenig nachgeschärft werden: Die erste Saison von Ivan Repušiæ als neuem Chef des Münchner Rundfunkorchesters
von  Robert Braunmüller
Der Dirigent Ivan Repušiæ mag italienische Oper. Aber nicht nur.
Der Dirigent Ivan Repušiæ mag italienische Oper. Aber nicht nur. © www.ivanrepusic.com

Das Profil könnte ein wenig nachgeschärft werden: Die erste Saison von Ivan Repušiæ als neuem Chef des Münchner Rundfunkorchesters

Gefunkt hat’s bei einer konzertanten Aufführung von Puccinis „La rondine“. Das Münchner Rundfunkorchester war beeindruckt von der freundlichen Autorität des Dirigenten Ivan Repušiæ, der sich auch von leicht chaotischem Notenmaterial und schwatzhaften Musikern nicht aus der Ruhe bringen ließ.

Der Kroate wird mit Beginn der neuen Saison Nachfolger von Ulf Schirmer als Chefdirigent des zweiten Orchesters des Bayerischen Rundfunks. Sein Vertrag ist vorerst auf drei Jahre befristet. Den Alternativ-Job als Generalmusikdirektor der Oper Hannover behält Repušiæ bei.

Am 24. September stellt sich der Dirigent mit einer konzertanten Aufführung von Verdis „Luisa Miller“ vor. Die konzertante Oper bleibt ein Schwerpunkt des Orchesters – sie eignet sich gut für die 2006 auf 55 Stellen reduzierte Besetzung. Damals hatte der BR-Intendant Thomas Gruber versucht, das Orchester ganz zu liquidieren.

Rückkehr zur italienischen Oper

Opernkonzerte gehören zum Traditionsbestand des vor 65 Jahren gegründeten Klangkörpers. Im Januar folgt Charles Gounods „Le tribut de Zamora“, im April gibt es Kálmáns Operette „Gräfin Mariza“. Repušiæ dirigiert zwei Termine der Reihe „Paradisi gloria“ in der Herz-Jesu-Kirche, eine Silvestergala und eine Tournee mit Diana Damrau.

Die Zusammenarbeit mit der Bayerischen Theaterakademie wird mit einem Kindermusical und einem Abend zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein fortgesetzt. Auch in der Arbeit mit Schülern bleibt das Orchester weiter aktiv. „Wir wollen die jungen Leute neugierig auf die Musik machen und ihnen zeigen, dass ein Leben ohne Musik eigentlich nicht geht“, sagt der neue Chefdirigent.

Drei Orchester mit ähnlichem Profil

Aber wo bleibt das Profil des Orchesters? Unter Ulf Schirmer gab es eine vorsichtige Öffnung zur Neuen Musik – etwa in der Zusammenarbeit mit der Münchener Biennale für Neues Musiktheater. Musiker des Orchesters versichern, dass die erste Saison noch nicht von Repušiæ geplant wurde. Man möge den Dirigenten zudem nicht vorschnell auf italienische Oper festlegen, von der bei der Vorstellung der kommenden Saison viel die Rede war.

Dennoch: München ist eine Stadt mit zwei Opernhäusern und zahlreichen freien Produktionen. Konzertantes Musiktheater ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Und was soll – künstlerisch – ein mittelprächtig besetzter Verdi, wenn in der Bayerischen Staatsoper Anja Harteros und Jonas Kaufmann italienische Oper singen? Das Argument, dass die konzertanten Aufführungen gut besucht sind und zur Tradition gehören, wirkt ein wenig verlegen.

Die Münchner Symphoniker und das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz pflegen ein ähnliches Profil mit Schwerpunkten beim musikalischen Unterhaltungstheater und Ausflügen in die Filmmusik. Damit soll nicht vorschnell ein Chefdirigent kritisiert werden, der noch gar nicht angetreten ist. Es ist als Ermutigung gedacht, das Profil des Münchner Rundfunkorchesters zu schärfen. Denn es gibt eine ganze Menge Musik außerhalb der italienischen Oper – und auch jenseits von Johannes Brahms und Gustav Mahler, die Repušiæ im Scherz als symphonische Zyklen ankündigte.

Weitere Infos zur kommenden Saison unter www.rundfunkorchester.de