Warum ein Odeon im Finanzgarten ein Luftschloss bleiben wird

Das öffentliche Grün ist unantastbar: "Mr. Maxvorstadt" Klaus Bäumler über die Gründe, warum es sehr schwierig wird, einen Konzertsaal an der Galeriestraße zu bauen
von  Robert Braunmüller
Die Statue des chinesischen Philosophen Konfuzius im Finanzgarten an der Galeriestraße. Diese Wiese soll mit einem Konzertsaal bebaut werden.
Die Statue des chinesischen Philosophen Konfuzius im Finanzgarten an der Galeriestraße. Diese Wiese soll mit einem Konzertsaal bebaut werden. © Daniel von Loeper

Das öffentliche Grün ist unantastbar: "Mr. Maxvorstadt" Klaus Bäumler über die Gründe, warum es schwierig ist, einen Konzertsaal an der Galeriestraße zu bauen

Seit einem Jahrzehnt wünscht sich das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks einen eigenen Konzertsaal. Am heutigen Donnerstag stellt der Verein „Konzertsaal München e.V.“ Pläne für einen Neubau im Finanzgarten an der Galeriestraße vor. Der Standort ist allerdings nicht unumstritten.

AZ: Herr Bäumler, was ist der Finanzgarten überhaupt?

KLAUS BÄUMLER: Der Finanzgarten ist der Rest einer Wallbastion aus dem Dreißigjährigen Krieg. Er verbindet als Park des Prinz-Carl-Palais den Hofgarten mit dem Englischen Garten. 1967 wurde der Finanzgarten in einem bis heute gültigen Bebauungsplan als öffentliche Grünfläche ausgewiesen. Außerdem ist das Gelände Landschaftsschutzgebiet.

Deshalb darf dort nicht gebaut werden.

Richtig. Denn das Gelände ist dreifach geschützt: durch den Bebauungsplan, als Landschaftsschutzgebiet und durch den Denkmalschutz. Die Reste der Wallanlage sind ein Bodendenkmal, der Garten steht als Gartendenkmal auf der Denkmalliste.

Kann man den Bebauungsplan ändern?

Das ist ein kompliziertes Verfahren mit Bürgerbeteiligung. Außerdem würden dadurch alle Grundsätze zum Erhalt des öffentlichen Grüns plötzlich Makulatur. Die Stadt hat in ihrem Innenstadtkonzept beschlossen, die bestehenden Freiflächen zu erhalten und zu sichern. Das sind Flächen, die dem Bürger gehören.

Es geht also auch ums Prinzip.

Das öffentliche Grün weckt immer Begehrlichkeiten. Deshalb sollte es unantastbar sein. Der Finanzgarten ist ein Prüfstein für die Glaubwürdigkeit: Wenn Staat und Stadt ihre Rolle als Garanten für das öffentliche Grün nicht wahrnehmen, wie soll man dann von privaten Investoren erwarten, dass sie Rücksicht bei der Verdichtung in den Vorstädten nehmen?

Besonders schön ist der Finanzgarten allerdings nicht.

Der westliche Teil des Geländes war in der Nachkriegszeit der Parkplatz des Landwirtschaftsministeriums. Leider hat das Finanzministerium eine angemessen gärtnerische Gestaltung verhindert, weil es die Option nicht aufgeben wollte, irgendwann doch noch eine Bebauung durchzusetzen.

Könnte der Konzertsaal nicht auch den Park aufwerten?

In München muss es auch ruhige Stellen geben. Der Finanzgarten ist ein Rückzugsort, kein Vorgarten für einen Konzertsaal. Mich ärgert, dass neuerdings von einem Bau „am Landwirtschaftsministerium“ oder auf dem „Parkplatz an der Galeriestraße“ die Rede ist, um vom geschützten Finanzgarten abzulenken. Das ist eine Augenwischerei.

Sind Sie grundsätzlich gegen einen Konzertsaalneubau in München?

Ich bin sogar im Kuratorium des Konzertsaalvereins, weil ich die gegenwärtige Situation unbefriedigend finde. Ich warne nur davor, sich auf den Finanzgarten zu versteifen, weil es beispielsweise eine internationale Charta zum Schutz historischer Gärten gibt.

Wo würden Sie einen Konzertsaal bauen?

Im 19. Jahrhundert wurde das Gärtnerplatzviertel durch einen Theaterbau aufgewertet. Um 1900 wurde das Neubaugebiet in Bogenhausen durch das Prinzregententheater attraktiver gemacht. Ähnliches wäre heute an der Achse zwischen dem Hauptbahnhof und Pasing möglich. Oder am Ostbahnhof auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände.