Sportfreunde Stiller: Die Jugendlichkeit bewahren

In der nächsten Woche erscheint "Sturm und Stille", das neue Album der Sportfreunde Stiller. In der AZ sprechen die Musiker über Stress, Traditionen und das Erwachsen werden.
von  Carolina Zimmermann
Peter Brugger (links), Florian Weber und Rüdiger Linhof sind die Sportfreunde Stiller.
Peter Brugger (links), Florian Weber und Rüdiger Linhof sind die Sportfreunde Stiller. © Nina Stiller/ Universal

München - Rüdiger Linhof und Florian Weber frühstücken in der Sonne und sind bester Laune. Das dritte Mitglied der Münchner Band „Sportfreunde Stiller“, Peter Brugger, ist noch im Urlaub. Am 7. Oktober erscheint das neue Album „Sturm und Stille“. Es geht um Balance, alles muss im Gleichgewicht bleiben. Das haben die drei charmanten Musiker in den letzten zwei Jahrzehnten gelernt. Deswegen kann sie nichts mehr aus der Ruhe bringen.

AZ: Herr Linhof, Herr Weber – Ihr siebtes Album ist fertig. Wie sieht die Zeit zwischen Produktionsschluss und Tourneebeginn aus?
Rüdiger Linhof: Es fühlt sich komisch an, aber wir haben jetzt erst mal zwei Wochen Urlaub. Trotzdem sitze ich in den Startlöchern und habe ständig das Gefühl, ich müsste irgendetwas tun. Um das auszuhalten, fahre ich viel mit meinem Rennrad herum und gehe schwimmen. Und wenn Peter wieder da ist, geht es mit der Promotion weiter.

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Gab es denn während der Produktion von „Sturm & Stille“ sehr stressige Phasen?
Florian Weber: Wir haben uns für diese Produktion etwas Neues einfallen lassen. Und zwar haben wir die Aufnahmen in mehreren Etappen gemacht. Die Lieder sind einfach zwischen den einzelnen Etappen entstanden. Deswegen kam nie großer Stress auf, alles recht entspannt. Aber wir waren immer nah an den Liedern dran, haben also auf neue Ideen und Inspirationen schnell mit entsprechenden Titeln antworten können. Das war ganz gut.

Was stresst Sie denn?
WEBER: Stress ist ein Wort, das wir nicht so gut kennen. Wir sind ja froh, wenn die Leute aufmerksam auf uns sind und wir unsere Musik erklären oder an den Mann bringen können. Klar, viele Termine bedeuten, dass man etwas mehr Aufwand betreiben muss, aber noch sind wir so glücklich mit unserer Arbeit, dass ich’s nicht als Stress bezeichnen würde. Stress ist, wenn dir die Ketten runtergehen. Das ist Stress, wenn dir die Kette vom Fahrrad fällt.

LINHOF: Mich stresst Monotonie. Das Schöne ist ja, dass wir immer diese Phasen haben. Und wenn es in der Aufnahmephase irgendwann mal stressig wird, dann ist die Platte plötzlich fertig.

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Aber so eine Tournee läuft ja im Grunde immer gleich ab. Besteht da nicht auch die Gefahr der Monotonie?
WEBER: Routine wird es Gottseidank nie. Ich glaube, wenn man sich denken würde: Jetzt geh’ ich halt hin und hau das Zeug runter, dann müsste man etwas verändern. Unser Leben als Musiker besteht eben aus diesen Phasen. Und wenn wir auf Tour sind, merken wir auch, wann es reicht. Man muss immer neue Reize setzen und das lässt sich ganz gut steuern.

Und wie man das steuert, haben Sie im Laufe der Zeit für sich herausgefunden?
LINHOF: Genau, wir wissen halt, wann wir wieder uns zurückziehen müssen. Von der Musik, von der Kreativität - von uns gegenseitig.


WEBER: Man ist ja auf Tour auf engstem Raum sehr intensiv unterwegs. Das funktioniert erstaunlich gut nach all den Jahren, aber manchmal hab ich halt keine Lust, zum achten Mal über Politik zu reden. Und der Rüde sagt: He, jetzt halt mal die Klappe mit deinem Fußballscheiß. Da muss man dann eben eine kleine Schere machen und sich davon erholen.

20 Jahre – da haben Sie einen sehr langen Atem bewiesen. Ihre Kollegen von Blumentopf haben beschlossen, dass es nun reicht. Warum gibt es die Sportfreunde Stiller immer noch?
LINHOF: Das war eigentlich nie so richtig der Plan, es geht halt weiter. Wahrscheinlich, weil wir auch immer rechtzeitig auf den anderen geschaut haben und weil wir immer das machen, worauf wir Lust haben.


WEBER: Wobei das Aufeinanderschauen mit den Jahren schwieriger wird. Weil privat jeder eine andere Rolle einnimmt. Wir sind alle Familienväter. Manchmal ist es nicht so einfach, das Familienleben vom Bandleben zu trennen.

Sie sind also erwachsen geworden, trotzdem bewahren Sie seit Jahren ein sehr junge Image. Stört es Sie sehr, als Berufsjugendliche bezeichnet zu werden?
LINHOF: Nein, ich bin ja nicht so, weil ich irgendwie wirken will, sondern weil es am jugendlichen Dasein so viele tolle Seiten gibt und die will ich mir bewahren. Ich will auf der Suche bleiben, ich will mich über Dinge freuen, ich will verliebt sein, ich will ein Idiot sein, alles. Ich will aber auch Verantwortung übernehmen können, verbindlich sein können, stark sein können, wenn es gefragt ist. Aber ich will das nicht verlieren, dass ich mit einer Freude und vor allem, dass ich suchend durch mein Leben gehe. Das hat was mit Jugend zu tun.