Filmvorführung mit Live-Musik: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel"

Auch heuer läuft das Kult-Märchen wieder im Fernsehen rauf und runter und sogar mit Livemusik im Gasteig. Warum eigentlich?
von  Anja Perkuhn
Als Jäger verkleidet, schießt Aschenbrödel (Libuse Safrankova) mit dem Prinzen (Pavel Travnicek, rechts) um die Wette.
Als Jäger verkleidet, schießt Aschenbrödel (Libuse Safrankova) mit dem Prinzen (Pavel Travnicek, rechts) um die Wette. © WDR/Degeto

München - Am 27. November hat es in diesem Jahr angefangen: Da lief „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ zum ersten Mal im Fernsehen. Und sobald dann die Feiertage beginnen, kann man den Fernseher eigentlich zu jeder Tages- und Nachtzeit einschalten: Es klimpert immer irgendwoher die zuckersüße Titelmelodie.

Allein am 25. Dezember beginnt das Märchen um das Mädchen mit der Asche im Gesicht um 8.05 Uhr (SWR), 8.35 Uhr (BR), 8.45 Uhr (NDR) und 10.15 Uhr (ARD).

Zusammen zuschauen, wie alles gut wird

Glücklicherweise! Denn auch in diesem Jahr kündigt sich da gewisser Sozialstress an: Mit meiner Schwester schaue ich den Film immer an Heiligabend – spätestens am ersten Feiertag, noch im Schlafanzug. Eine meiner besten Freundinnen hat schon angemeldet, dass wir auf keinen Fall den Frühstück-mit-Aschenbrödel-Termin verpassen dürfen. Eine andere hat sich zur Sicherheit die DVD gekauft und mir eine zu Weihnachten geschenkt, damit wir, sobald sich ein Zeitfenster ergibt, zusammen zuschauen können, wie alles gut wird.

Was nur macht die Faszination dieses Filmes aus?

In der Philharmonie im Gasteig laufen auch in diesem Jahr wieder mehrere Film-Vorführungen mit Livemusik (18. und 23. Dezember). Und seit 2009 gibt es im Schloss Moritzburg bei Dresden eine eigene Ausstellung zum Film – immerhin war das Schloss Kulisse für einen der bekanntesten Schuhverluste der Geschichte. Ein Drama ereignete sich in diesem dort 2014: Unbekannte stahlen das zuckerwattige Ballkleid von Aschenbrödel. Drei Monate später wurde es anonym per Post zurückgeschickt.

AZ-Kritik zu

Was nur macht die Faszination dieses Filmes aus? Zuerst einmal ist es natürlich der Retro-Faktor: Der tschechisch-deutsche Märchenfilm, eine klassische DEFA-Koproduktion der damaligen CSSR und DDR von 1973, knistert allein schon optisch leicht, wie eine schöne, alte Platte. Der Prinz (Pavel Travnicek) stakst tapfer in bunten Strumpfhosen herum, und Aschenbrödel (Libuse Safrankova) trägt vor ihrer Prinzessinwerdung eine Weste, die aussieht, als hätte sie eine Bisamratte erlegt und sich über die Schultern geworfen.

Überhaupt: die Prinzessinwerdung. Da ist keine Fee notwendig, die der jungen Frau mit der üblen Stiefmutter per Zauberstab hilft. Dem Hofknecht fallen die drei Haselnüsse auf den Kopf, Aschenbrödels befreundete Eule Rosalie verzaubert die ganz naturnah mit einem Augenzwinkern und schon entspringt – oh wunderbarer Filmtrick der 70er – den winzigen Schalen das Outfit für den jeweiligen Bedarf.

"Rette mich, ich bin eine Prinzessin"

Die eingängige Filmmusik tut ihr Übriges – es gehört alles zum Feiertagsbauchgefühl dazu. Besonders für DDR-Sozialisierte, aber eben nicht nur.
Außerdem sei erwähnt: Die klassische „Rette mich, ich bin eine Prinzessin“-Geschichte ist dieses Märchen nicht. Aschenbrödel bewirft den Prinzen beim ersten Treffen erstmal ordentlich mit Schnee und klaut ihm später seine Jagdtrophäe – indem sie besser ist als er.

Und beim Ball, als der Prinz ausruft, er wolle sie heiraten, stellt sie endlichendlich die Frage, die vielen Geschichten gut täte: So schnell? Und in diesem Fall: ohne das Gesicht gesehen zu haben? Als er dann auch noch das Rätsel, das sie ihm aufgibt, nicht lösen kann, läuft sie davon. Am Ende wird natürlich trotzdem alles gut. Bisher jedes einzelne Mal.


Gasteig, 18.12., 11 Uhr, 23.12., 15 Uhr, Karten unter 93 60 93