Edle Kulminationen: Omer Meir Wellber und das BBC Philharmonic Orchestra spielen Paul Ben-Haim

Omer Meir Wellber und das BBC Philharmonic Orchestra mit Musik des in München geborenen Komponisten Paul Ben-Haim.
von  Michael Bastian Weiß
Paul Ben-Haim - hier noch in seiner bayerischen Zeit.
Paul Ben-Haim - hier noch in seiner bayerischen Zeit. © Wikimedia Commons

München - Vom Münchner Gymnasiasten zum Nationalkomponisten Israels: Das ist doch mal ein Lebenslauf. Und das sind nur die Eckpunkte der Biographie von Paul Ben-Haim. Geboren wurde er 1897 als Paul Frankenburger in München, wo er das Wilhelmsgymnasium besuchte und beim Bruckner-Schüler Friedrich Klose studierte.

Aus Paul Frankenburger wurde Paul Ben-Haim 

Sieben Jahre lang wirkte Frankenburger höchst erfolgreich als Kapellmeister in Augsburg. 1933 emigrierte er nach Palästina und entwickelte sich nach der Gründung des Staates Israel unter dem Namen Paul Ben-Haim zu einer der zentralen Figuren des dortigen Musiklebens. Zubin Mehta zum Beispiel dirigierte immer wieder seine Werke.

Hierzulande begegnet man Ben-Haim im Konzert noch kaum. Doch das könnte sich ändern, nicht zuletzt, weil ein nach ihm benanntes Forschungszentrum an der Münchner Hochschule für Musik und Theater seinen Namen in der Öffentlichkeit präsenter machen wird. Sollte es der 1984 verstorbene Komponist dann in die Konzertsäle schaffen, würden sich die drei auf diesem neuen Album versammelten Werke für eine Programmierung anbieten.

Alle sind sie noch vor der Staatsgründung Israels 1948 entstanden, die symphonische Dichtung "Pan" auf ein Gedicht von Heinrich Lautensack sogar noch in München - wo sie 1932 äußerst positiv aufgenommen wurde. Noch unter dem Namen Frankenburger lässt Ben-Haim einen Spätromantizismus aufrauschen, der hörbar durch die Erfahrung mit der Musik Debussys hindurchgegangen ist. Claudia Barainsky singt mit ihrem fraulich schwebenden Sopran die Solopartie nicht nur so text- wie intonationssicher, sondern macht auch den eigentümlichen, wie traumhaft staunenden Ausdruckscharakter des Werkes fühlbar.

Omer Meir Wellber verleiht dem Einfachen etwas Geheimnisvolles

Der israelische Dirigent Omer Meir Wellber, der auch in München schon oft beeindruckte, offenbart am Pult des BBC Philharmonic Orchestra ein tiefes Verständnis seines Landsmannes. In der "Pastorale variée" verleiht er auch dem Einfachen etwas Geheimnisvolles, in Ben-Haims erster Symphonie plant er Steigerungen mit langem Atem, bis sie sich in edlen Kulminationen entladen.

Omer Meir Wellber ist ein Dirigent aus Israel.
Omer Meir Wellber ist ein Dirigent aus Israel. © IMAGO / Manfred Segerer

Freude bereitet bei dieser Produktion übrigens auch die exzellente Aufnahmetechnik, die das in allen Gruppen blitzsauber definierende Orchester weiträumig und in fulminanter Tiefenstaffelung abbildet. Hoffentlich begegnet man Paul Ben-Haim bald auf diesem Niveau auch im Konzert.


Paul Ben-Haim: Pan op. 17; Pastorale Variée op. 31b; Symphonie Nr. 1; Claudia Barainsky, Sopran; BBC Philharmonic, Omer Meir Wellber (Chandos)